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Meine Empfehlung

Das Nifundel - oder die Jagd nach Glück

Ich weiß, auch du suchst es, das Nifundel. Vielleicht trägt dieses Etwas in deiner Welt nur einen anderen Namen. Doch so, wie ich einst von ihm hörte, so hörtest auch du davon. Und du begannst vor gefühlten Unendlichkeiten schon seiner Spur zu verfolgen, aus Neugier und Sehnsucht, ebenso wie ich.

Ich hörte vom "Nifundel" zum ersten Mal im Jahr 2009. Damals wurde es auf einen fernen, freundlichen Planeten namens Fulmina Tauri gesichtet. Und auf Erden erreichte mich die Nachricht, dass das Nifundel in der Lage wäre, deprimierte Seelen von ihrer Apathie und Resignation zu befreien.


Jene Apathie, die still und heimlich sich aller Erwachsenen im Laufe der Jahre zu bemächtigen schien. Jene Resignation, die diese Menschen veranlasste, ihr Herz zu verschließen. Niemand kannte diese schleichende Krankheit genau. Keiner wusste, woher sie kam und was genau sie verursachte. Doch war sie einmal ausgebrochen, gab es, lange Jahrhunderte lang schon, kein Zurück und keine Heilung mehr. Nach d…

Der Kampf der Kulturen in mir, oder: Was will ich wirklich?

Das Einzige, was mich von Anbeginn meiner Begegnung mit dem tibetischen Buddhismus je interessiert hat, war die Frage: Wie integriere ich diesen in meinen Alltag?

Eine lapidare Frage, so scheint es, je nachdem, aus welcher Perspektive jemand darauf schaut. Die Einen meinen, wenn es um Vajrayana geht: Halte deine Verpflichtungen ein, die du durch Einweihungen usw. genommen hast. Praktiziere regelmäßig und stetig. Ende der Durchsage. Andere wiederum halten sich daran, dass es beim gelebten Buddhismus darum geht, die vermittelten Werte in den täglichen Umgang mit Familie und Beruf mit Leben zu erfüllen. Da werden dann solche genannt, wie die eigenen Eltern zu ehren – wir erinnern uns an die Güte unserer Mutter. Oder achtsam miteinander umzugehen, Mitgefühl und Geduld zu üben. Und die Annahmen des eigenen Geistes als bloße Illusion zu erkennen, gemäß dem Motto: Ich weiß, dass ich nichts weiß.

Ist es so, dass die Integration des tibetischen Buddhismus in meinen westlichen Alltag wie die …

Ein bisschen mehr Substanz, bitte

Ich erinnere mich noch gut an den Tag, als ich in meinem ersten Hauptfach an der Universität das Ergebnis meiner Abschlussarbeit und die meiner mündlichen und schriftlichen Prüfungen erfuhr. Das halbe Jahr davor hatte ich mich lustlos und ausgelaugt durch die letzten Abschnitte der Prüfungen gequält, das notwendige Übel hinter mich bringend. Jetzt gab es nur noch dieses eine Datum und diese Uhrzeit, bei der ich die Ergebnisse aufnehmen und endlich einen Haken dahinter machen konnte.

Genau mit diesem Gefühl saß ich da im Flur in dieser alten Villa in Leipzig, in der unser Institut damals untergebracht war, darauf wartend, dass die Professorin mich in ihr Büro bitten würde. In den wenigen Minuten des Wartens fragte ich mich, ob ich jetzt wohl die Quittung dafür bekommen würde, dass ich mich weitestgehend zu einem Alleingang entschlossen hatte. Das Thema meiner Abschlussarbeit hatte ich willig mit der Professorin abgestimmt, aber mich dann nicht wieder bei ihr gemeldet. Und das aus gut…

Auf ein letztes, offenes Wort im Jahr 2018

Eine Bekannte, die stark dem tibetischen Buddhismus zuneigt, fragte mich neulich, ob ich ihr nicht eine Empfehlung machen könnte. Sie wolle mehr über den tibetischen Buddhismus - also vor allem wohl das Vajrayana - durch einen authentischen Lehrer erfahren. Dies kam daher, dass wir über das eine oder andere schon gesprochen hatten und ich sie offensichtlich begierig auf mehr Hintergrundwissen gemacht habe.

Ich schwieg, bevor ich antwortete, innerlich durch alles hindurch gehend, was zu meinem Weg gehört und geführt hat. Mein Schweigen wurde gefühlt länger und länger. Als ich spürte, dass ich diese Empfehlung nicht so einfach geben kann, sagte ich: "Ich denke darüber nach." Dann stellte sie mir noch viele andere Fragen, sodass ihre Bitte erst einmal in den Hintergrund trat.

Worüber ich im Nachgang dessen nachdachte, das war alles, was ich, seitdem ich das erste, tibetisch-buddhistische Buch vor nunmehr 22 Jahren in die Hand genommen und zu meditieren begonnen habe, erlebt h…

Was die Welt von uns braucht

Was die Welt von uns braucht, ist die Fähigkeit und das Bedürfnis, innerlich neue Wege zu gehen. Und das ist für mich letztlich die Essenz dessen, was der Buddhismus mich lehrt. Innerlich neue Wege zu gehen, ist die Schlussfolgerung und Konsequenz aller Beobachtungen und Erkenntnisse meiner Meditation.

Es reicht eben nicht, darauf zu hoffen und zu vertrauen, dass das Außen uns jemals die Chance gewähren könnte, ein anderer Mensch zu werden, wenn dieses Außen uns genau zu dem Menschen gemacht hat, der wir schon lange nicht mehr sein wollen.
Woher kommt der Impuls, sich verändern und nicht länger bleiben zu wollen, der wir bis heute sind, wenn nicht von innen? Aus unserer Erkenntnis, dass das Außen nicht das in uns werden ließ, was wir sein wollen?

Die wichtigste Zutat, die ich in meinem Leben stets am stärksten vermisste, war die einer inneren Motivation dazu, am Leben zu sein. Je mehr ich mir Raum ließ, in den hinein ich diese vermisste Dimension sich zeigen ließ, desto stärker entde…

Rebellion von innen

»Du bist eine wahre Kämpfernatur«, sagte neulich eine Kollegin zu mir, mit der ich begonnen habe, mich über Meditation zu unterhalten. Normalerweise trenne ich Berufliches und Privates sehr strikt, rede nicht viel über Spirituelles. Nur wenigen Kollegen gegenüber erwähnte ich mal, dass ich Buddhistin bin. Jetzt teile ich die eine oder andere Erfahrung mit ihr, abgestimmt auf das, was sie mich fragt. Und meistens drehen sich diese Fragen um alles, was sich in ihrer Wahrnehmung von sich selbst und ihrer Umgebung verändert, seitdem sie regelmäßig meditiert.

»Du bist eine wahre Kämpfernatur«, sprach sie von ihrem Schreibtisch aus in meine Richtung, in einem Tonfall, den ich als nicht fern von Bewunderung, versehen mit einem Hauch Mutlosigkeit, empfand. In mir weckte dieser Satz Widersprüchliches, denn ich kann mich nicht erinnern, jemals diesen Kampf freiwillig gewählt zu haben. Innerlich war er stets ein Kampf ums Überleben, inmitten einer materiell so gut versorgten Welt. Ein Muss, ein …

Mein Jetzt ist mein Guru

Die Annäherung an den tibetischen Buddhismus ist seit 20 Jahren ein ständiger Reframing-Prozess. Sie steht in direktem Zusammenhang mit der essentiellen Frage, die ich mir in meiner Meditationspraxis stelle: „Wie kann ich das auch anders sehen?“. Dies betrifft insbesondere das Konzept der Guru-Hingabe, die fundamentaler Teil der Praxis des Vajrayana ist.

Als ich vor 18 Jahren meine erste große Einweihung in eine Meditationsgottheit bekam, hörte ich zuvor, wie es traditionell üblich ist, auch Unterweisungen zu Ashvagoshas „50 Versen der Guru-Hingabe“. Damals nahm ich alles noch wörtlich und fühlte mich überfordert und gewillt zugleich, den Maßgaben dieses Weges von ganzem Herzen zu folgen. Nein, halbe Sachen sind nichts für mich. „Entweder ganz oder gar nicht“ ist seit jeher eines meiner Mottos. Und so ging ich, in tiefer Dankbarkeit meinem Wurzellehrer gegenüber, eine Vereinbarung mit mir ein, diese Praxis „richtig machen zu wollen“.

Mein Wurzellehrer ist für mich stets der Inbegriff …

Über die Kunst, die richtigen Fragen zu stellen

In früheren Jahren habe ich mir niemals Fragen zu meiner Identität als Frau gestellt. Ich hatte in meinem inneren Erleben und meiner Wahrnehmung kein Empfinden, dass dies eine Rolle spielt. Auch in meiner täglichen Arbeit gab es für mich nie einen Anlass, irgendwie parteiisch zu sein. Wie kommt es also, dass ich mich jetzt sehr wohl dazu gedrängt fühle, tiefer in die gesellschaftlich und kulturell verankerte Unterscheidung zwischen Mann und Frau und ihren daraus definierten Rollen gehen zu müssen?

Während des Studiums, in dem ich mich unter anderem mit Kultursoziologie, -philosophie und -anthropologie beschäftigte, habe ich nie Simone de Beauvoir gelesen, die doch als Vorreiterin und Wegbereiterin feministischer Initiativen und Gruppierungen gilt. Ich registrierte sie am Rande, meinem inneren Fokus folgend, bei dem es mir, rückblickend gesehen, mehr um meine spirituelle Suche ging. Simone de Beauvoir liefert in der Einleitung zu ihrem Werk „Das andere Geschlecht“ die Antwort auf meine…