Der Krieg der Systeme

Angst, Scham und Schuld sind die drei Empfindungen, auf die ich sehr aufmerksam reagiere. Erzeugt etwas oder jemand diese Gefühle in mir, weiß ich, dass ich dies nicht für bare Münze nehmen darf, sondern hinterfragen muss. Kontempliere ich über die Zusammenhänge, die das in mir verursachen, so beobachte ich stets zweierlei:

1. Angst, Scham und Schuld sind nicht natürlich vorhanden, als Empfindungen, sondern sind stets das Ergebnis einer logisch erscheinenden Argumentationskette. Sie sind immer mit konkreten Gedanken oder Sätzen verbunden, die Teil eines bestimmten Glaubenssystems sind. Es sind stets in Worten bestehende Zuschreibungen. Sie belegen etwas mit einer spezifischen Deutung, die ich irgendwann einmal erlernt habe.

2. Davon kann ich klar Empfindungen unterscheiden, die keinerlei argumentatorische Ursache haben, wie Großzügigkeit, Offenheit, Liebe, Mitgefühl, Sympathie oder einem Gefühl der Stimmigkeit und Harmonie. Sie machen unsere wahre Herzensnatur oder Buddhanatur aus. Und aus ihnen zu handeln, bedeutet im Einklang mit unserer Buddhanatur zu sein.

Verursacht also etwas oder jemand in mir Gefühle der Angst, Scham und Schuld, prüfe ich sofort, welchem Glaubenssystem damit gedient ist. Was für ein Ziel und Nutzen steht dahinter, dass ich plötzlich so empfinde? Denn jedes Glaubenssystem ist, wie alle Systeme, auf Selbsterhaltung ausgerichtet. Darauf, innerhalb seiner auf Worten und argumentatorischer Struktur basierenden Institutionen zu funktionieren und sich zu bewahren. Genau genommen dient kein System endgültig unserer wahren Natur, weil es per se von der wortlosen Stimmigkeit unserer Herzen entfernt ist. Genau genommen dient jede Struktur einer bestimmte, geistig konstruierten Einheit - einer Form von kollektiven Ego.

Ein System wird immer auf einer verbalen Ebene existent bleiben und zusammenbrechen, wenn die Teilhaber an diesem System dessen logisch-argumentatorischen Struktur widersprechen.

Das Herz hingegen ist in der Lage, notfalls ganz frei zu agieren und jenseits jeder Struktur, sei es einer kulturellen oder religiösen. Diesen Prinzipien des Herzens treu zu sein, bedeutet universal menschlich zu handeln.  Und das durch diese natürlichen Prinzipien des Herzens entstehende Imperium der Herzen beruht immer auf einer universalen Menschlichkeit, das jede Form der Gewalt gegen fühlende Wesen verneint.

In jemandem Angst, Scham und Schuld zu erzeugen, ist deshalb für mich eine Form von Gewalt, weil es diesem Menschen oder Wesen Fehler zuschreibt und ihm damit den Zugang zu seinem wahren Herzen, also seiner Buddhanatur abspricht. Im Imperium des Herzens ist der Respekt vor der Buddhanatur eines jeden Wesens selbstverständlich. D.h. selbst wenn jemand nicht gemäß seiner Natur handelt oder noch nicht gemäß seiner Natur handeln kann, bleibe ich mit meinem Herzen doch seinem Herzen zugewandt.

Dieser grundlegende Respekt gegenüber der Buddhanatur des anderen äußert sich gerade darin, dem anderen Wesen die Freiheit zuzugestehen, seine eigenen Erfahrungen zu machen, ohne ihn zu verurteilen. Durch die Offenheit seiner Buddhanatur gegenüber erzeuge ich zu seinem Herzen eine positive Resonanz und ermuntere dadurch weiter sein Herz, selbst wenn ich ihm gegenüber klare, kritische, vielleicht sogar zornvolle Worte benutze. Ein jedes fühlende Wesen kann klar spüren, ob ich oder jemand anderes mit offenem, ihm zugewandten Herzen spricht, oder nicht.

Selbst wenn also die Worte Missverständnisse erzeugen können, wird das Fühlbewusstsein beider Gesprächspartner über die Herzensmotivation keine Zweifel haben. Selbst im sich oberflächlich sich äußernden Streit wird der gemeinsame Konsens, eine Buddhanatur zu haben, beibehalten und gute Grundlage für konstruktive Lösungen bilden.

Ich werde stets wachsam und fühle mich alarmiert, wenn ich diese grundlegende, wechselseitige Gutmütigkeit nicht spüren kann und stattdessen Angst, Scham und Schuld spüre. Vielleicht sogar die kaltherzige Aggression des Gegenübers, die meist dadurch entsteht, dass ich nicht seinem geistigen Konstrukt folge, das ein bestimmtes Glaubenssystem zementieren und aufrecht erhalten will.

Wenn das Herz nicht offen dabei ist, dient alles, was das Gegenüber mir zuschreibt, einer von ihm präferierten Ausdrucksform des kollektiven Egos, nicht jedoch universaler Menschlichkeit und Herzlichkeit.

Das Herz gibt das Herz eines anderen Wesens niemals auf. Das kollektive Ego will jedoch einen jeden aggressiv loswerden, der sich nicht regelkonform verhält.

Das Herz gibt ein System auf, wenn es nicht mehr dazu dient, das eigene Herz und das des anderen zu ermuntern und zu stärken. Und alle unsere gesellschaftlichen Ausdrucksformen, da eben geistig konstruiert, sind irgendwann dem Verfall anheim gegeben. Und nur jene verteidigen Glaubenssysteme aggressiv und indem sie in anderen Angst, Scham und Schuld erzeugen oder diese dem anderen zuschreiben wollen, die von der Macht und dem eigenen, egoistischen Vorteil nicht loslassen wollen. Sie haben es sich innerhalb ihrer Form des kollektiven Egos gemütlich gemacht und wollen, universaler Menschlichkeit zuliebe, nicht loslassen.

Unser Fühlbewusstsein ist die Sprache unserer Buddhanatur. Alles, was sich also nicht harmonisch und stimmig, gewaltfrei und offen anfühlt, ist auch nicht im Einklang mit dieser. Jede Form von Angst, Scham und Schuldzuweisung gehört nicht zu unserer wahren Natur.

Wenn ich außerdem sage, dass das eigene Herz niemals das Herz eines anderen, fühlenden Wesens aufgibt, so muss ich mich alarmiert fühlen, wenn plötzlich jemand behauptet, mit dem Gegenüber stimme etwas grundlegend nicht und er verwandle sich gerade zu etwas Bösem oder einem Schädiger.

Wer von Bosheit spricht, der hat auch eine klare Vorstellung von gut. Wir bewegen uns also in einer dualistischen Gegenüberstellung, die typisch für das ist, was gemeinhin Ego genannt wird. Also ist klar, dass da eine Form des kollektiven Egos sich selbst als grundlegend gut erachtet und gegen das zu verteidigen versucht, was es als böse kategorisiert.

Menschen oder fühlende Wesen sind nicht grundlegend böse, so lehrt der Buddhismus. Sie sind vielleicht unwissend, hilflos, verwirrt, tief verletzt oder traumatisiert. Das ist jedoch kein Grund, dieses Wesen zu verurteilen oder es gar im Herzen aufzugeben. Jemandem im Herzen aufzugeben, bedeutet, das eigene Herz für immer für dieses Wesen zu verschließen.

Über jemanden zu urteilen oder ihm gar die Schuld für etwas zuzuschreiben, ihn also zum Beispiel verantwortlich zu machen, für die Krankheit oder den eventuellen, baldigen Tod eines anderen, widerspricht der Ethik des Herzens. Angst und Schamgefühle folgen dem auf dem Fuß.

Für mich lässt solches Vorgehen tief blicken, in die Motivation bestimmter Menschen oder einer Gruppe von Menschen. Ich sehe darin nur Machtspielchen, die der Selbsterhaltung eines bestimmten Glaubenssystems, also einer spezifischen Form eines kollektiven Egos dienen.

In buddhistischen Zusammenhängen wird stets vom Aufgeben des Egos gesprochen. Mein Erfahrungswert ist der: Je fanatischer jemand das Ego verteufelt und auf negative Art und Weise andere wegen ihres angeblich großen Egos denunziert, desto weniger ist er meines Erachtens wirklich dem Herzen zugewandt. Einen solchen Vertreter des Buddhismus würde ich nicht als meinen Lehrer annehmen. Meines Erachtens wiederholt dieser nur plakativ, was er irgendwann einmal auswendig gelernt hat, aber er weiß wenig über Herz, Geist und Leiden fühlender Wesen.

Ich finde, wir müssen uns schon entscheiden, ob wir nun ein Wesen als grundlegend gut erachten, auch über die Systematik unserer gesellschaftlichen und kulturellen Prägungen hinaus, die durch räumliche Begrenzungen entstanden sind. Unsere Vorväter hielten damals »unsere Welt« für das gesamte Universum. Heute leben wir in einer anderen Zeit.

Zu oft wird innerhalb des Buddhismus anderen zugeschrieben, sie hätten keine Ahnung, kein offenes Herz, würden nur ihren eigenen Vorteil suchen. Da versucht eine Partei nur die andere klein zu halten und das eigene System zu verteidigen. Ja, Buddhismus verkommt so zu einem Krieg der Systeme. Waren es früher die Schulen untereinander, ist jetzt ein neuer, äußerer Feind da, gegen den man die Erhabenheit und den Anspruch auf universale Wahrheit des eigenen Systems verteidigen kann.

Ich spüre dies nicht nur daran, dass Angst, Scham und Schuld erzeugt wird, sondern eben auch Hierarchien zementiert werden, Arroganz Einzug hält und dem anderen aggressiv und hasserfüllt vorgeworfen wird, sie hätten kein offenes Herz. Oder sie verbündeten sich gar mit dämonischen Kräften. Ist derjenige, der dies behauptet, wirklich über so etwas erhaben? Oder deutet nicht allein die Tatsache, jemand so etwas zu unterstellen, auf eine eigene, unreine Motivation hin, anderen fühlenden Wesen gegenüber?

Die Kernlehre des Buddhismus ist in meiner Wahrnehmung die Öffnung des Herzens, der Zugang zu unserer Buddhanatur. Und den Krieg der Systeme erkenne ich daran, dass alles, sich immer nur um die Aufrechterhaltung der eigenen, auf Sprache beruhenden Systematik dreht. Während das liebende Herz bereit ist, notfalls aus allen Systemen auszubrechen, um ein anderes, leidendes Herz zu befreien.

Noch einmal: Angst, Scham und Schuld geht nicht zusammen, mit Offenheit, Transparenz, Mitgefühl, Liebe, Großzügigkeit, Gewaltlosigkeit und dem Gewähren von Freiheit. Doch wer sich von einem System und seinen Bequemlichkeiten und Vorteilen abhängig macht, der kann nicht anders, als dieses aggressiv zu verteidigen.

Ein jeder von uns hat dieses Fühlbewusstsein, das nicht diesem Ego dient. Ein jeder von uns hat also die Möglichkeit, klar zu kontemplieren und nachzuprüfen, was sich richtig, stimmig und harmonisch anfühlt. Und sich von diesem eindeutigen Kommunikationsmittel, dessen sich unsere Herzen oder unsere Buddhanatur bedient, leiten zu lassen.

Ich spüre, ob jemand es gut mit mir meint, selbst wenn er mich kritisiert, oder ob er nur will, dass ich ihm gebe, was er von mir haben will. Manche nennen diese fühlende Instanz auch den gesunden Menschenverstand.

Und ein jeder Mensch oder ein jedes Glaubenssystem, was mir diesen aberziehen will und mich dazu zwingen will, dass ich gegen dieses Fühlbewusstsein handle, erachte ich als machtbesessen und manipulativ. Ich kenne es nicht anders, dass gerade solche Menschen und Glaubenssysteme immer das »böse Ego« im Mund führen und damit Angst, Scham und Schuld in mir erzeugen wollen. Die meine Abhängigkeit von einem einzig wahren System wollen, damit dieses so bestehen bleibt, wie bisher. Dem ich mich verpflichten muss, nach den Maßgaben anderer zu folgen und die mir einen eigenen, gesunden Menschenverstand absprechen. Die von mir verlangen, die Verantwortung für meinen Herzensweg an sie abzugeben.

Alles dies widerspricht der universalen Ethik und Würde unserer Herzen.

Was Machtbesessenheit, Aggression, Schuldgefühle, das Erzeugen von Angst und Unterdrückung aus mir machen, das spüre ich täglich in mir drin. Gerade jetzt, wo ich so nahe an jenem traumatisierten Anteil von mir dran bin. Und aus der Güte meines eigenen Herzens heraus wünsche ich mir, dass weder in der Vergangenheit, jetzt, noch in Zukunft ein Wesen so leiden muss, wie sich jener Teil von mir manchmal fühlt.

Ein guter Lehrer wird die Verbindung zu deinem wahren Herzen niemals abreißen lassen. Und er wird dich nicht verstoßen oder dich verurteilen, wenn du dich einmal nicht regelkonform verhältst, sondern hinterfragen, warum du tust, was du tust. Ein guter Lehrer wird dich nicht für seine eigene Gesundheit oder Krankheit verantwortlich machen. Ein guter Lehrer wird dir nicht unterstellen, du hättest dich allein zum Negativen verändert und dich dann wie eine heiße Kartoffel fallen lassen, während du nicht weißt, wie dir geschieht. Ein guter Lehrer wird nicht von dir erwarten, dass du einzig nur gibst, was er von dir verlangt. Stattdessen wird er dir geben, was er zu geben hat und dich lehren, die Prinzipien des Herzens kennenzulernen. Damit du auf Basis des Ausprobierens, der Offenheit und Transparenz und mit gesundem Menschenverstand entscheiden kannst, ihnen zu folgen.

Der sinnlose Glaubenskrieg einander bekämpfender und sich selbst erhalten wollender Systeme ist es, der verhindert, dass das Imperium unserer wahren Herzen sich hier und jetzt zum Wohle aller Wesen manifestiert. Um der Freiheit der fühlenden Wesen willen ist das Herz flexibel, Systeme immer wieder auf eine gesunde, bodenständige, lebensbejahende Basis zu stellen, sie also zu verändern und gemäß sich verändernder Bedürfnisse zu transformieren.


Und so, wie hier, bewegt der gesunde Menschenverstand alles, was ich erlebe, gut in meinem Herzen und spürt nach, was sich richtig anfühlt, während ich in Würde meinen Weg gehe.

Die Würde, nicht nur des Menschen, sondern eines jeden fühlenden Wesen, ist unantastbar.



Kommentare

  1. Diesen Denkansatz, dass "Freiheit (Wahrheit) nur in Unabhängigkeit gefunden wird" las ich (kurzgefasst) in verschiedenen Büchern des Philosophen J. Krishnamurti. Jeder findet seinen eigenen Weg in die Freiheit des Herzens, niemand kann ihm dabei behilflich sein. Das schließt jede Anhängerschaft aus.
    Auch in diesem Zusammenhang freue ich mich sehr, diesen Beitrag heute von Dir zu lesen.

    Herlichen Gruß
    Beate

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  2. Liebe Beate,
    ja, das Wort "Anhängerschaft" ist ein wichtiges Wort, in diesem Zusammenhang. Man kann allem Möglichen "anhängen", ebenso zum Beispiel einer politischen Überzeugung. Für mich hat das aber nicht viel mit Gemeinschaft (im Buddhismus "Sangha") zu tun, die dich auf deinem Weg zur Herzensfreiheit fördern und unterstützen kann. Eine Gruppe, die sich immer wieder um einen Lehrer versammelt und sich mit der Lehre auseinandersetzt und gemeinsam praktiziert, dient meiner Meinung nach dazu, eine positive Resonanz zwischen den Herzen zu erzeugen.

    Ich gebe dir (und Krishnamurti) Recht, dass jeder für sich und in sich selbst den Weg geht. Kein Lehrer und keine Gemeinschaft kann und soll dir dies abnehmen, weil die Lehre in dir sonst nichts bewirken und dich nicht transformieren wird.

    Schaue ich und spüre ich hinein in manche Sangha, ist diese unterstützende Funktion, die auch kritische Auseinandersetzung und Reibung einschließt, kaum gegeben. Die meisten definieren sich eben durch das Befolgen und das Bekenntnis zu bestimmten Vorgaben und Regeln.

    War die Gemeinschaft um Buddha Shakyamuni so? Ich vermute, nein. Ging es damals nicht vielmehr um die gemeinsame Auseinandersetzung mit Buddhas Erkenntnissen auf seinem Weg, und mit seinen Mitteln und Methoden? Dass viele seiner Schüler sich entschlossen, es ihm gleich zu tun und seinen Paradigmen zu folgen, lag vielleicht daran, dass sie im Lauf der Auseinandersetzung überzeugt waren, dass sie seinen Weg ausprobieren wollen und müssen.

    Heute scheint es mir umgekehrt: Ohne eine gute Basis zu schaffen, werden gleich die Regeln fest gezurrt, denen man sich schnell verpflichten muss. Und wenn man später erkennt, dass sie einem nicht entsprechen oder gut tun, wird man kritisiert und bedroht, wenn man sie aufgibt.

    Mehr noch: Solange ich kein stabiles Fundament an Informationen und Wissen erhalten habe, von dem aus ich überblicken und einschätzen kann, worauf ich mich einlasse, bleibt mir nur blinde Gefolgschaft. Unwissend zu befolgende Regeln führen zu Abhängigkeit vom "Wohlwollen der wissenden Elite" und Hörigkeit.

    Ja, das hat alles wenig mit dem Weg in die Freiheit zu tun. Und vermutlich auch wenig mit Buddhas Intention.

    Danke für deinen Kommentar und ebenfalls herzlichste Grüße,
    Josephine


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  3. "Ein guter Lehrer wird die Verbindung zu deinem wahren Herzen niemals abreißen lassen. Und er wird dich nicht verstoßen oder dich verurteilen, wenn du dich einmal nicht regelkonform verhältst, sondern hinterfragen, warum du tust, was du tust"....

    Diesen Lehrer habe ich noch nicht gefunden, sondern mein Vertrauen in beinahe alle, die ich kennengelernt habe, auch jene "hoch oben" ist geschmolzen wie Schnee in der Sonne. Und natürlich gebe ich mir die Schuld. Damit muss ich leben und mit der Erkenntnis, hätte ich vorher dies und das gewusst, hätte ich nicht so blindlings vertraut und mitgemacht. Und ja ich war dumm und unwissend und bildete mir damals wahrscheinlich ein, ich sei etwas besonderes, dass ich auf diese Menschen treffe.

    Es stärkte mein Ego, das sich klein und unbedeutend fühlte, dass sich so kluge Menschen für mich interessierten und ich badete in der unglaublichen "Wohlfühlenergie", die von gewissen Lehrern ausstrahlte. Damit hatte es plötzlich ein Ende und ich fand mich in ein eiskaltes "Loch" hineingeworfen, als ich immer mehr herausfand, dass ich da nicht dazu passe, weder von der Kultur, noch von den Ansprüchen her, die ich kaum alle erfüllen konnte. Lernen, analysieren, meditieren, gut sein als Dauerzustand, sich selbst immer zurückstellen, auch in einer Umgebung in der Egoismus Trumpf ist etc.

    Dazu einige Erlebnisse, die ich niemandem erzählen kann, weil sie so unglaublich sind, dass sie mir niemand glauben würde, sondern man eher annehmen täte, ich spinne. Glücklicherweise weiss ich, wie in diesen Sachen die Gesellschaft tickt, und so schweige ich, und lerne damit weiterzuleben. Aber Vertrauen ist Mangelware geworden in meinem Herzen.

    Und jetzt sind karmische Verbindungen geschaffen, von denen ich keine Ahnung habe, wohin sie mich führen. Und doch gibt es wieder Lichtblicke, ich durfte auf Bücher treffen, die mir Unglaubliches enthüllten im Zusammenhang was auf unserer Welt passiert, das mir für vieles die Augen öffnete, und worin in diesem Geschehen die Verbindung zu meinem Schicksal liegen kann.
    Wichtig ist es sein Herzenslicht "freizuschaufeln" und es strahlen lassen, denn Licht vertreibt die Finsternis in einem Augenblick.

    Hoffnungsvolle Grüsse an dich liebe Josephine
    Frieda (ehemals Elfe)

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  4. Liebe Frieda,
    herzlichen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, wieder einmal einen Kommentar bei mir zu schreiben.

    Was du schreibst, macht mich sehr traurig, aber es ist wahr: Dieses Idealfall eines spirituellen Lehrers oder einer Lehrerin, wo sind die dazu passenden Menschen? Es ist nicht so, dass ich davon Viele kennen würde, oder dass ich in den letzten 20 Jahren meiner buddhistischen Praxis zu solchen persönliche Kontakte gepflegt hätte. Ganz im Gegenteil: Gerade weil dieses Idealfall mein Leitbild ist, habe ich eine gesunde und wachsame Distanz gehalten und war sehr vorsichtig damit, mich anzuvertrauen. Und ich bin mir sehr bewusst, was ich für ein Glück gehabt habe, trotz mancher fragwürdiger Lehrer das Vertrauen in die Lehre beibehalten zu haben.

    Sind wir im Dharma unwissenden "Schüler" Schuld, wenn wir falsche Ansichten entwickeln? Oh nein, ganz und gar nicht!

    Hätte ich das vor 15 oder 10 Jahren so gesehen? Oh nein, da habe ich mich permanent so gefühlt, wie du es beschreibst: Als perfektes "Kanonenfutter" für die Egos mancher Lehrer, gebeutelt von der Angst, ungenügend und unfähig zu sein und zu versagen.

    Wodurch sich das geändert hat? Durch meine persönliche Praxis. Je mehr ich in Kontakt mit meinem Fühlbewusstsein gekommen bin, desto mehr habe ich meiner Wahrnehmung vertraut. Und je mehr Vertrauen ich in mich hatte, desto mehr wusste ich, wie eklatant wichtig es ist, dass ich am oben beschriebenen Idealfall eines Lehrers als Leitbild festhalte. Und ich weiß, welchen Preis ich dafür zahle, hier, in der " Dharmawüste" Deutschland.

    Ja, unter 100 so genannten Lehrern ist vielleicht ein vernünftiger dabei. Wer garantiert, dass gerade dieser eine, gute Lehrer den Weg zu uns findet? Richtig, diese Garantie gibt es nicht. Und ich habe mir bisher nie den Luxus leisten können, einfach zu einem guten Lehrer nach Gutdünken reisen zu können. Manche werden mit diesem besonderen, goldenen Löffel im Mund geboren. Ich gehöre dazu nicht. Und die besagten Lehrer, die ich als Mogelpackung inzwischen drei Meilen gegen den Wind rieche, sind nicht an Menschen aus einfachen Verhältnissen interessiert, sondern an denen mit dem goldenen Löffel im Mund.

    Eine andere Form des "goldenen Löffels" ist, reichlich mit Dharma gesegnet zu sein und dieses Privileg nicht ausreichend wertzuschätzen. Infolgedessen gibt man sich vielleicht schnell mit Oberflächlichkeit zufrieden?

    Es gibt ganz sicher Lehrer, von denen ich mir noch weitere Unterweisungen gewünscht hätte, die aber inzwischen gestorben sind. Da fallen mir mindestens drei ein. Die kulturelle Kluft, die wir oft fühlen, hätten sie nicht schließen können. Aber ich habe sie im Herzen als von Grund auf aufrichtige Menschen wahrgenommen, die nicht vor hatten, von der "Energie" (in welcher materialisierten Form auch immer) ihrer Schüler zu leben. Diese hatten auch nicht den Anspruch, die ganze Welt zu bereisen und alle zu ihrer Sicht der Dinge zu bekehren und dann dafür noch ordentlich "Dana" einzufordern. Und ich kenne aus gesunder Distanz einige wenige, lebende Lehrer, die ich ebenso aufrichtig wahrnehme. Und an Zahl erheblich mehr von der anderen Sorte.



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  5. Teil 2 meines Kommentars:

    Ja, liebe Frieda, ich hoffe auf eine bessere Zukunft des Buddhismus in meiner Lebenswelt. Am Buddhadharma liegt es meiner Wahrnehmung nach nicht, sondern - wie so oft - an den Menschen.

    Wie viele Menschen mögen sich gekränkt, enttäuscht, tief verletzt und mit gebrochenen Herzen von der Lehre abwenden, weil sie keine Chance haben, den echten Dharma in aller Tiefgründigkeit kennenzulernen? Oder durch betreffende Lehrer ernsthaft an Leib und Seele Schaden genommen haben? Das ist für mich eine ernste Sache.

    Die Hauptsache ist daher tatsächlich, dass wir unserem Herzenslicht folgen lernen. Bis wir jedoch so weit sind, diesem tatsächlich zu trauen und uns darauf zu stützen, zahlen wir hart verdientes Lehrgeld, im übertragenen Sinn, als auch im Wortsinn. Auch mein Weg war diesbezüglich teilweise brutal ernüchternd.

    Leider stehen wir oft so unter dem Leidensdruck unserer Minderwertigkeitskomplexe, die auch eine Form von Ego sind, wie du richtig sagst, dass wir zu lange falsche Lehrer tolerieren, sogar fördern und unterstützen. Und sie sind es, die ein leichtes Spiel mit uns haben und unsere tiefe Sehnsucht nach Vertrauenwollen oftmals auf die falsche Fährte bringen, weil wir unsere Herzen nicht gut genug kennen. Die perfekte Co-Abhängigkeit, oder?

    Liebe Frieda (was für ein schöner Name :-), ich schicke dir warme Herzensgrüße in die Schweiz. Mögest du mit allem großzügig gesegnet und liebevoll umsorgt sein, was du brauchst, um deinem Herzen zu folgen und dir und deiner Liebe zu den fühlenden Wesen treu zu sein und zu bleiben. Es gibt nichts Wichtigeres!

    Alles Liebe
    Josephine

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    1. Herzlichen Dank liebe Josephine für deine lieben Segenswünsche. Ja dem Bodhisattvagelübde werde ich treu sein, zu sehr ist mein Herz mit Empathie für alle Leidenden erfüllt. Auch der Lehre Buddhas werde ich nie den Rücken zukehren, und für vieles bin ich sehr dankbar, was ich gelernt habe. Doch da ich weniger der Studiertyp bin sondern eher die Praktikerin, die anpackt, ist einfach zu wenig Motivation da zu lernen, auswendig zu lernen, zu rezitieren etc.

      Und dann brauche ich immer noch viel Zeit (wie ich es dir früher schon einmal geschrieben habe), um mich zu schützen, so dass dann die Zeit und Energie für weitere Praxis fehlt.

      Inzwischen bekomme ich unendlich viel Inspiration von den Büchern von Armin Risi, zwar kein Buddhist, sondern ein Kenner der Veden, er war 18 Jahre Mönch in Indien, gab dann das Mönchtum auf und kehrte nach Europa zurück. Hier hat er einige Bücher geschrieben, Vorträge gehalten.

      Getroffen habe ich ihn noch nie, obwohl ich denke, dass er in Zürich lebt. Ich bin auch begeistert von seinen Vorträgen auf YouTube. Mein Weltbild hat sich total geändert, vieles kannte ich vorher schon, zweifelte aber ob das alles stimmen kann. Durch seine Bücher, die gut recherchiert sind und unglaubliches an Wissen enthalten, bekam ich Gewissheit. Vieles ist total erschreckend, und doch auch hoffnungsvoll, da wirklich JEDER, der an sich arbeitet, achtsam mit seinen Gedanken umgeht etc. und sich für das Heilsame entscheidet, etwas bewirken kann.

      Wir leben in einer Zeit, die für die kommenden Jahre einiges an Veränderungen bringen wird, ich werde kaum mehr alles erleben (72 J.), hingegen du wirst mit deiner Herzensqualität bestimmt für viele eine Stütze sein.

      So nun habe ich dich nochmals eingedeckt mit meinen Aktualitäten und ich wünsche dir von Herzen alles Gute auf deinem Weg.
      Liebe Grüsse
      Frieda (Frieda ist der zweite Teil meines Namens, Elfe der 1. Teil)

      Löschen
  6. Liebe Frieda,

    danke, dass du mich ein wenig teilhaben lässt, an deiner Entwicklung und deinem Fortschritt. Ich fühle hier eine deutliche Erleichterung, ein spürbares Aufatmen, in dem, was du schreibst. Und das freut mich sehr für dich. Es kann sehr belastend sein, mit der eigenen Wahrnehmung der Welt allein dazustehen.

    Letztlich findet meiner Auffassung nach heilsame Praxis immer auf der Ebene der ganz persönlichen Wahrnehmung statt. Daher ist es fundamental wichtig, die eigene Wahrnehmung anerkennen zu können. Und ich sehe durchaus Sinn darin, dass wir auf unterschiedlichen Ebenen der Wahrnehmung agieren. Jeder auf der Ebene nämlich, auf der er das Leiden der fühlenden Wesen wahrnimmt. Und das entfernt uns wieder einmal ganz weit von "Schema F". Ich hoffe und wünsche daher sehr für dich, dass dir deine Ebene der Wahrnehmung nicht nur eine Last sein möge, sondern du alles hast, was du brauchst, um sie für deinen Weg fruchtbar und nützlich werden zu lassen.

    Aufgrund der unterschiedlichen Ebenen, auf der wir leben, frage ich mich oft, wer denn eigentlich beurteilen kann, wie nützlich wir im Moment für das Wohl der Wesen tatsächlich schon sind? Vielleicht sind wir bereits nützlicher, als wir oft nach den Maßgaben des "Schema F" denken? Ich kenne dich nicht wirklich gut, trotzdem traue ich mich, zu behaupten, dass dies auf dich zutreffen könnte, liebe Frieda.

    Und das bringt uns zum von dir erwähnten Altersunterschied und all den Quantitäten, mit denen wir gewohnheitsmäßig dem Leben und dem, was wir tun, einen Wert beimessen oder auch absprechen: Ich halte die Qualität von dem, was wir denken, sagen und tun für wesentlich entscheidender, als die Quantität oder die Länge des Zeitraums, in dem wir etwas tun. Aus einem aus der Tiefe deines Herzens und in eigenen Worten gesprochenem Gebet kann mehr Kraft und Wirkung erwachsen, als aus einem tagelang oberflächlich gesprochenen Mantra. Ideal ist, wenn Qualität und Quantität zusammenkommen, unabdingbar ist aber, mit ganzem Herzen dabei zu sein. Das bedeutet "Qualität" für mich. Und wer kann schon sicher sagen, wieviel Zeit uns noch bleibt?

    Das in meinen Augen oft das Trügerische auch am Tibetischen Buddhismus ist gerade das von dir Erwähnte: auswendig lernen und rezitieren. Hat das tatsächlich die größte Wertigkeit? Für mich nicht. Es ist die traditionelle Vorstufe zur eigentlichen Praxis. Wenn dies nur automatisiertes Ritual ist - welchem fühlenden und leidenden Wesen nützt das? Das bedeutet deswegen nicht, dass es unnütz wäre, aber den Kern macht es nicht aus. Ich könnte nicht ein einziges, schlaues, buddhistisches Zitat von mir geben :-) Zum Glück kann ich das inzwischen so sehen und fühlen, denn sonst wäre ich schon lange an meiner Praxis gescheitert und sehr unglücklich damit, weil mein Leben keine guten Umstände für all diese propagierten Quantitäten bietet. Es war ein langer, innerer Weg bis zu dieser Sichtweise.

    Der Name Armin Risi sagt mir bisher noch nichts. Gut, dass du in seinen Büchern und Videos einen positiven Halt und Orientierung findest. Und ich sehe das auch so, wie du, dass wir in einer Zeit leben, die auf deutliche und drastische Veränderungen unserer Lebenswelt zusteuert. Ich habe dazu eine gewisse gefühlte Tendenz in mir und erachte es als wichtig, wach und offen dafür zu sein und sie möglichst mit ganzem Herzen und positiv mitgestalten zu wollen.

    Liebe Elfe Frieda :-), lass es dir gut gehen. Danke für deine Ermunterung - und ich wünsche dir Kraft und Schutz in allen Lebenslagen. Schön, wenn du ab und an mal wieder hier vorbeischauen magst.

    Herzlichst
    Josephine



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