Die gute Motivation und der verlässliche Zeuge

Ich habe europäische Kultur studiert, nicht die Asiatische. Was ich trotzdem aus meinen Beobachtungen lernen konnte: Es scheint sehr asiatisch  zu sein, jemanden auf seine vermeintlichen Fehler niemals direkt hinzuweisen, sondern über dritte Personen oder durch indirekte Hinweise. Wir nennen das im Deutschen: "Von hinten, durch die Brust, ins Auge". Dies entspricht nicht unserer Kultur des Dialogs - und ich persönlich finde diese Art und Weise eher als Schwäche und als feige.

Wir sind in der Demokratie groß geworden und aufgrund dessen sind wir geübt darin, Kritik direkt und offen zu üben und in Streitgesprächen zum Sachverhalt zu einem gemeinsamen Nenner zu finden. Wir sprechen Probleme und Schwierigkeiten offen und gerade heraus an und suchen die Auseinandersetzung von Angesicht zu Angesicht. Manchmal mag es dann heiß hergehen und eine Zeit lang die Fetzen fliegen. Doch genau darin liegt der letztliche Gewinn: So hat jeder die Chance, seine Erwartungen, falschen Zuschreibungen und Fehldiagnosen über die andere Partei zu überprüfen und gegebenenfalls zu korrigieren.
In unserer Kultur wird es als unhöflich und als Eingriff in die Privatsphäre erachtet, von anderen hinter dem Rücken irgendeines Fehlverhaltens bezichtigt zu werden und keine Gelegenheit zu haben, die daraus resultierenden Unstimmigkeiten auszuräumen.*

Feige und schwach ist ein solches Verhalten für mich vor allem deshalb, weil der Bezichtigte keine Chance bekommt, sich zu verteidigen oder auch nur seine Einstellung, seine Sicht der Situation darzulegen und gehört zu werden. In meiner Welt gilt es als respektvoll und fair, wenn ich zuerst versuche, mit dem Menschen, mit dem ich Schwierigkeiten habe, direkt zu sprechen und mit ihm zu klären und zu bereinigen, was zwischen uns steht. Erst dann, wenn diese Kommunikation scheitert, würde ich einen anderen Weg über eine dritte Person wählen, wie zum Beispiel den Freund, einen Verwandten - oder, in der Arbeit, den Vorgesetzten.

Der Vorteil eines direkten Kontaktes liegt klar auf der Hand: Zum einen erweise ich dem Gegenüber Respekt, diese andere Person mit mir auf einer Ebene (auf Augenhöhe) zu sehen und ihm die Chance zu geben, dass er sich dazu ehrlich äußern darf. Ich signalisiere ihm damit, dass ich ihn in seiner Position und Situation gerne verstehen und nachvollziehen möchte. Ich beziehe ihn ein und lehne ihn in seinem Erleben und seiner Sicht nicht von vornherein ab. Und ich signalisiere damit den guten Willen, alle Zwistigkeiten bereinigen und zu einem guten Miteinander zurückkehren zu wollen.
In meinem Berufsleben gibt es dazu eine neue Tendenz, eine Entwicklung, von der direktiven Einbahnstraße zwischen z. Bsp. Vorgesetzten und Angestellten wegzukommen. Man ist an einer "guten Feedback-Kultur" interessiert und tut einiges dafür, diese in meinem Unternehmen einzuführen. Damit setzen wir auch im Unternehmen ein mehr und mehr demokratisches Verständnis der Zusammenarbeit durch, die vom grundlegenden Respekt füreinander und der täglich zu leistenden Arbeit lebt. Wir bewegen uns weg davon, dass der Vorgesetzte derjenige ist, der Befehle erteilt und der Angestellte diese widerspruchslos auszuführen hat. Diese Entwicklung steckt noch in den Kinderschuhen, doch dass man diese überhaupt anstrebt, ist ein gutes und sehr menschliches Zeichen.

Als Coach lebe ich täglich neu von den Überraschungen, die sich in meinen Coachings einstellen, wenn ich anstrebe, dieses faire, respektvolle Gespräch mit meinen Kollegen zu führen. Indem ich das Gespräch suche und an der Sicht meines Gegenübers interessiert bin, darf ich meine manchmal voreingenommene Sicht über den anderen auch heilsam korrigieren. Und daraus erwächst ein gutes Miteinander auf Augenhöhe.

Diese asiatische Art, dem direkten Gespräch auszuweichen, ist dieser Entwicklung diametral entgegen gesetzt. Ich empfinde eine solche Art der Kommunikation immer als direktiv, weil derjenige, der mir "von hinten, durch die Brust, ins Auge" etwas mitteilen will, niemals fragt. Er fragt nicht danach, wie es mir geht, wie meine Sicht ist, was ich für Gründe habe, so und nicht anders zu reagieren. Warum ich dieses und jenes nicht tue oder weshalb ich mich ärgere.

Diese Art der Kommunikation schließt mich in meinem Erleben generell aus. Ich habe keine Chance, mich auseinanderzusetzen und daran zu wachsen. Sie versagt mir die aufrichtige Möglichkeit, meine Sicht durch Nachfragen und Austausch gegebenenfalls zu erweitern und zu korrigieren. Dies ist keine Kommunikation, sondern eine Einbahnstraße.

Mich stimmt so etwas immer verärgert, denn ich fühle mich nicht gehört, nicht gesehen und als "niederes Fußvolk", was generell zu tun hat, was man ihm sagt. Ich empfinde eine solche Kommunikation als Ausübung von Macht und Kontrolle, die genau davon lebt, sich keiner direkten Konfrontation und Auseinandersetzung stellen zu wollen. Ich spüre darin die Verachtung für das "niedere Volk". Wer so mit mir kommuniziert, wird in mir nie einen Freund gewinnen. Ganz im Gegenteil: So jemanden will ich in meiner Welt der fairen, respektvollen Auseinandersetzung auf Augenhöhe (also der Welt der Demokratie) nicht haben.

Ich erlebe eine solche Art der Kommunikation immer gepaart mit mangelnder Offenheit, die typisch für das Ausüben von Macht ist: Nur wenn ich auf die  richtige Art reagiere, erhalte ich die Chance auf Anerkennung. D. h., das Gegenüber hat bereits einen Katalog von Verhaltensregeln, nachdem er oder sie entscheidet, wann ich Gnade unter seinen Augen finde.

Offenheit für unterschiedliche Herkunft, Temperamente, Erziehung oder auch emotionale Verfassungen fehlt in dieser Verweigerung des direkten Gesprächs. Wer nicht angemessen reagiert, prallt ab. Und das ist in unserer multikulturellen, globalisierten Welt ganz und gar nicht zeitgemäß. Menschen sind verschieden. Und ich persönlich finde, dass ich mit Bodhichitta im Herzen offen sein kann und muss, auch für denjenigen, der einmal nicht wie erwartet reagiert. Denn die Welt ist bunt und es gibt eben mehr als eine subjektive Wahrheit. Wenn ich gleich von Anfang an bestimme, wie jemand zu kommunizieren hat, damit ich ihn anhöre und Respekt erweise, habe ich kein Bodhichitta im Herzen.

Denn was weiß ich schon darüber, warum der andere dort genau so reagiert, wie er im Moment reagiert, solange ich ihm nicht zugehört habe? Täglich erlebe und erfahre ich, dass vielfältige Faktoren, über die ich nichts weiß, mein Gegenüber dazu veranlassen, manchmal zornig zu sein und in Tränen auszubrechen. Wer bin ich denn, dass ich von vornherein über ihn (oder sie) urteile, ohne etwas vom Gegenüber erfahren zu haben? Und dazu gehört nun einmal der Mut, auch starke Emotionen auszuhalten oder sich einmal ganz ordentlich zu streiten, um danach vielleicht herauszufinden, dass man tief im Herzen gar nicht weit voneinander entfernt ist?

Doch wenn wir über das sprechen, was jemand hinter aller Emotionalität, Aggression, Strenge oder Weinerlichkeit im Herzen trägt, reden wir über etwas nicht Offensichtliches. Wir reden über etwas Verborgenes, was manchmal schwer zu fassen ist, was sich aber in einem Gespräch auf Augenhöhe zeigen kann: die dem Verhalten zugrunde liegende Motivation. Wir können die Motivation eines Menschen eben nicht sehen, nicht hören, nicht fühlen oder schmecken, solange wir uns nicht mit ihm auseinander gesetzt haben.

Wenn jemand meint, er wisse etwas über die Motivation seines Gegenübers, ohne jemals in Kommunikation gegangen zu sein, der erstellt Diagnosen. Und dem anderen ungefragt und unreflektiert eine Diagnose für sein Fehlverhalten zu stellen, ist respektlos, unfair, anmaßend und grausam.

Wer mit einem solchen Gestus die zehn unheilsamen Taten predigt, hat für mich als Lehrer schon verloren. Er führt einen Monolog über seine eigene, einsame Sicht des Lebens und der Lehre und ihm werde ich ganz sicher keinen Respekt erweisen. Denn seine Diagnosen, was mit mir oder jemand anderen nicht in Ordnung ist, verletzt mein Herz, oder das Herz des anderen Wesens oder Menschen. Für mich kann es keinen größeren Verrat an der Buddha-Natur geben.

Sicher, wir irren uns alle in der Sicht des anderen. Daher erachte ich es als Stärke, immer das direkte Gespräch zu suchen: Dieses Verhalten transportiert meine gute Motivation, mich in meinen Ansichten nicht für die höchste Instanz zu halten, sondern lernen und mich gegebenenfalls korrigieren zu wollen.

Und die Motivation, mit der jemand etwas tut, ist letztlich ein entscheidender Faktor dafür, ob eine vermeintlich schlechte Tat wirklich schlecht ist. Weil die Motivation dem Betrachter des bloß äußeren Verhaltens jedoch verborgen ist, erachte ich persönlich es als schwierig, dem anderen wirklich gerecht werden zu können, ohne offene und direkte Kommunikation.

Wenn mir jemand diese offene und direkte Kommunikation verweigert, mir also nicht die Chance gibt, im Dialog mehr über den anderen zu lernen und zu erfahren, tut mir das immer sehr leid. Doch oft kann ich es nicht ändern und investiere dann in eine solche zwischenmenschliche Beziehung auch keine Energie mehr.

Ich bin dankbar dafür, dass ich dies inzwischen gelernt habe. Früher habe ich mich immer erpressen und dazu hinreißen zu lassen, dem Diagnose stellenden Gegenüber das erwünschte Verhalten zu zeigen, um wieder "gut Freund" zu sein. Viele verwenden für die Situation, in der sich scheinbar alle lieb haben, gerne das Wort "Harmonie". Doch wenn die "Harmonie" darin besteht, entweder sein zu müssen, wie der andere mich haben will, oder ausgeschlossen zu werden, so sind wir wieder bei Macht und Kontrolle, nicht aber bei Kooperation und positiver Resonanz.

Inzwischen habe ich gelernt, einer solchen Macht ausübenden Person einfach den Rücken zu kehren und meiner Wege zu gehen. Denn nun verstehe ich, dass so jemand nicht an mir, meinem Herzen und der grundlegend guten Motivation darin, interessiert ist. Was sollte es also bringen, mit ihm zu interagieren?


Und ich verlasse mich dabei auf eine der Lojong**-Anweisungen, die ich für grundlegend wichtig erachte. Sie lautet: "Stütze dich auf den verlässlicheren der beiden Zeugen". Und der verlässliche Zeuge ist eben nicht derjenige, der mir "von hinten, durch die Brust, ins Auge" meine vermeintlichen Fehler aufzeigt, sondern die eigene Übung der Selbstreflektion und Selbstprüfung, die ich in meiner täglichen Praxis ausübe. Solange ich keinen dunklen Fleck in meinem Herzen finde, der für eine schlechte Motivation sprechen würde, lasse ich mir auch von Außen keinen dunklen Fleck in meinem Herzen einreden.

Schwierig, nicht zeitgemäß und Unmut erzeugend finde ich daher Lehrer, die, auf dem Thron sitzend, von ihren persönlichen Vorstellungen der Lehre und eines heilsamen Lebens sprechen und nicht uns, als Schüler, überlassen, sorgsam in unseren eigenen Herzen zu prüfen, was gut und richtig für uns ist.


Nehmen wir zum Beispiel das Rauchen. Ich schätze mal, dass 70 - 80% der Mitarbeiter, die ich als Coach betreue, rauchen. Würde ich dem folgen, was ein Lehrer über das Rauchen sagt und dessen Einstellung übernehmen, dürfte ich mit keinem dieser Kollegen arbeiten - oder müsste ihnen ständig Vorträge über die Schädlichkeit des Rauchens halten. Warum mache ich das nicht? Weil ich es als Eingriff in ihre Privatsphäre erachte. Wer bin ich denn, dass ich sie verurteile, weil sie rauchen? Meine Beziehung zu ihnen davon abhängig zu machen, ob sie rauchen, oder nicht, verletzt sie nur.

So etwas steht mir nicht zu. Niemanden steht so etwas zu. Schließlich handelt es sich um erwachsene Menschen. Sie haben in der heutigen Gesellschaft alle Infos darüber, was Rauchen dem Körper antut. Sie sind für ihren Körper und die Gestaltung ihres täglichen Lebens selbst verantwortlich. Mir steht es nicht zu, sie dafür, wie sie ihren persönlichen Umgang mit ihrem Körper gestalten, auszuschließen.

Wenn einige buddhistische Lehrer so weiter machen, wird irgendwann die Zeit kommen, wo kein normaler Mensch mit normalen Problemen sich mehr traut, Buddhist zu werden. Und, schlimmer noch: Diejenigen, die ganz andere, heftigere Probleme haben, weil sie trinken und Drogen nehmen, aus schlechten, sozialen Verhältnissen stammen oder eine kriminelle Vergangenheit haben, werden sich von vornherein ausgeschlossen fühlen.


Dann ist das Dharma-Zentrum zwar schön "harmonisch steril" und "clean", aber der Dharma bleibt jenen versagt, die ihn vielleicht gerne annehmen würden, um ihr Leben wieder auf die Reihe zu bekommen. So viel zur heutigen Relevanz des gerne zitierten Bildes vom wunderwirkenden Milarepa (und diesmal spreche ich schon gar nicht davon, dass solchen Menschen schon aufgrund der Kosten, die mit Buddhadharma-Belehrungen verbunden sind, der Zugang oft versagt bleibt ...).


Befremdlich finde ich auch die Einstellung einiger Lehrer, die man im Deutschen "mitgehangen, mitgefangen" nennen würde: Vor einiger Zeit hörte ich einen renommierten Lama ernsthaft sagen, dass es nicht richtig ist, sich von dem Lehrer, bei dem man Zuflucht genommen hat, wieder abzuwenden. 

Auch hier verärgert mich sofort, dass dieser Lama denjenigen, die sich abwenden, wohl keinen gesunden Menschenverstand und achtsame Selbstprüfung zutraut. Fertig ist von vornherein das Urteil, dass diese Schüler etwas Unheilsames tun, ohne dass jemand die Situation geprüft hätte. Vielleicht haben die Schüler sehr gute Gründe, sich abzuwenden. Aber von dem Thron da oben spricht es sich leicht herab, wieder einmal direktiv und ohne in den Dialog gehen zu müssen.

Ich akzeptiere solche Direktiven nicht.

Die Regeln sind nämlich nicht um der Regeln willen da.

Immer wieder erachte ich es als meine Schuldigkeit, meiner eigenen Menschlichkeit gegenüber, jede Situation in aller Ausführlichkeit zu erforschen und zu prüfen, bevor ich Diagnosen stelle und "von der Kanzel predige". Ja, ich schulde das meiner Menschlichkeit. Und mehr noch, ich schulde das meinem wünschenden und wirkendem Erleuchtungsgeist, den ich versprochen habe, auszubilden.


_____________________
*Dieses Verhalten nennt man im Berufsleben auch "Mobbing".
** Lojong: Mit Slogans arbeitendes, tibetisch-buddhistisches Training des Geistes. Z. Bsp. hier zu finden. 



Kommentare

  1. Liebe Josi,
    ich lebe seit mehr als 20 Jahren in Deutschland und bin wahrscheinlich mehr deutsch als manche Deutsche!;-) Selbst aus Asien stammend habe ich einer Kultur den Rücken gekehrt, in der der Respekt vor den Älteren und vor Männern substanziell selbstverständlich ist. Mag sein, nicht in dem Maße wie in einigen sehr traditionellen Ländern, aber noch ausschlaggebend für die zwischenmenschliche Kommunikation.

    Hier in Deutschland habe ich mich sehr anstrengen müssen, um die hiesige europäische Kultur des Miteinanders kennen und schätzen zu lernen (dazu gehört auch die Streit- bwz. Diskussionskultur). Ich bereue es nicht,dass ich mich dieser Lebensart ganz geöffnet und meine anerzogene Kultur (fast-) abgelegt habe. Daher weiß ich zu gut, das wir Deutsche oder Europäer nicht alles tolerieren sollten, was irgendwie "gut" verpackt und "gut" gemeint ist, aber uns letztendlich ausnutzt. Dazu gehören m.E. auch die (meisten) tibetischen Dharmalehrer mit einer Ausnahme - Seiner Heiligkeit des Dalai Lama! Diesen Lehrern fehlt schlicht und einfach die ganz normale Lebenserfahrung. Diese wiederum kann man erlernen, indem man vom Thron runter steigt und sich auf intensivster weise mit Menschen unterschiedlicher Herkunft beschäftigt und dharmaspezifisch versteht!

    Dein Beitrag könnte ich heute beliebig kommentieren, wenn die Zeit dies auch zuließe - z.B. über Multi-Kulti (bin selbst ein lebendes Beispiel dafür), oder über dei Gewaltfeie Kommunikation nach Marshall Rosenberg (die eben auf Augenhöhe und sehr direkt stattfindet), oder aber auch über die tibetische Geschichte der Rime-Bewegung, die schon im 19. Jahrhundert angestrebt hat, das Gedankengut der Demokratie anzuwenden, indem die Vielfalt der Traditionen gleiberechtigt anerkannt wird - m.E. hätte das in der tibetischen Geschichte ähnliche Folgen bewirkt wie Martin Luther damals im Mittelalter für die katholische Kirche!

    Nun frage ich mich mittlerweile, ob die tibetischen Lehrer den Dharma wirklich herzlich verstehen, wenn sie von Respekt vor dem Lehrer sprechen, dabei aber den Gehorsam meinen?! Wie ich beobachte, schaffen die tibetischen Lehrer hier typische Parallelgesellschaften, indem sie uns konventieren, aber nicht wirklich dabei sind, uns den Dharma zu erklären.
    Diese Thematik ist gewiss sehr komplex. Auf jeden Fall muss der autentische Lehrer über seinen eigenen Schatten springen und die Menschen lieben, so wie wir sind. So wie wir bereits beruflich unsere Kunden und Kollegen behandeln. hier kann ich aus eigener Lebenserfahrung sprechen! Ich erkenne sofort, ob jemand mir Margarine aufs Brot schmiert und behauptet, dies wäre Butter! Ich hatte Kommunismus mit Breznew erlebt, dann Perestroika mit Gorbatschow, dann die konservativ katholische Familie meines deutschen Ehemannes bei der Kohlähra und vermutlich werde ich den Untergang der EU als 60igjährige erleben! (ha-ha-ha) Liebe Josi, in vielen Zentren begegnet uns Macho-tum, Besserwisserei, Fremdbestimmung und BigBusiness mit Dharma. Ich möchte, dass das endet.
    Liebe Grüße
    Deine Jampa

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  2. Liebe Jampa,

    ja, ich möchte auch, dass das endet. Vielleicht könnten viele dieser Lehrer viel mehr von unserer Lebens- und Berufserfahrung
    profitieren, als sie meinen. Natürlich funktioniert das nur, wenn grundsätzliches Interesse von Mensch zu Mensch
    besteht.

    Mit den Jahren finde ich es zunehmend auffällig, dass es nur wenige Lehrer / Ordinierte mit tibetischen Background gibt, die geerdet genug sind, den Kontakt auf Augenhöhe von sich aus zu suchen und zu gestalten. Ich finde das sehr merkwürdig.

    Was wäre aus dir geworden, wenn du nicht bereit gewesen wärst, dich voll und ganz auf unsere Sprache und Kultur einzulassen? Nichts. Ich denke nicht, dass du wie heute auf eigenen Beinen stehen und dich selbst versorgen würdest. Du musstest dafür hart lernen und arbeiten. Davor habe ich wirklich Respekt und Achtung, wie du weißt.

    Was rechtfertigt aber eigentlich, dass diese Lehrer das nicht müssen und wir dennoch von unserem hart verdienten Geld ihr Leben finanzieren?

    Solche Gedanken zuzulassen und auszuloten, bedeutet, demokratisch zu denken. Und egal, welche Antworten sich durch die Analyse ergeben würden: Sie bilden auf jeden Fall die Wirklichkeit unserer (Streit-)Kultur ab. Und dieses Nachdenken hat als solches Relevanz und Bedeutung in unserer Welt - auch in der aktuellen Diskussion über F*lüchtlinge in Europa... Man kann das nicht wegdiskutieren oder mit Macht ausschließen wollen. Sonst entsteht eine Sekte - oder, anders gesagt - Parallelwirklichkeit, die keiner will.

    Danke dafür, dass du dir Zeit genommen hast, zu schreiben.

    Einen schönen Sonntagabend noch für dich.
    Liebe Grüße
    Josephine

    AntwortenLöschen
  3. Liebe Josi,

    noch eine interessante Geschichte am Rande, die mir von einem Luftfahrtingeneur erzählt wurde.

    In einem asiatischen Land (ob Malaisia oder Indonesien- weiß ich leider nicht mehr) hat man eine Reihe von simulierten Abstürzen der Passagierflugzeuge untersucht und kam zu einem erstaunlichem Ergebnis: Diese Abstürze hingen in erster Linie damit zusammen, dass die Co-Piloten aus Respekt vor ihren Chefs am "Steuer" auf technische Fehler seitens der Piloten nicht hingewiesen haben und so kam es - zumindest im Training - zum Absturz. Dabei sollte dies gar nicht sein, weil diese Co-Piloten ihre Ausbildung beim Militär absolvierten und extrem professionell und diszipliniert sind, mehr als die staatlich geprüften Piloten.

    So kann ein blinder Gehorsam trotz Professionalität dumm sein :-) Was will ich damit sagen? - Manchmal ist es besser, unhöflich zu sein, aber selbst Verantwortung zu tragen und nützlich zu sein.

    Im Dharma gibt es keine Unfälle, aber Menschenschicksale werden mit falscher Höflichkeit manipuliert. Es schadet uns, weil wir lernen, gehorsam zu sein, anstatt an der richtigen Stelle berechtigte Kritik zu üben. "Berechtigt" meint hier, dass wir aus unserer Lebenserfahrung sprechen.

    Gute Nacht!
    Deine Jampa

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  4. Liebe Jampa,

    Recht hast du. Doch solange auch Übersetzer aus blindem Gehorsam sich weigern, berechtigte Kritik dem Lehrer zu übersetzen, der nicht genug Deutsch kann, werden die demokratischen Ungehorsamen kein Gehör finden.

    Eine Schande ist das.

    Dies hat mit dem Buddhadharma gar nichts zu tun. Aber ob der Buddhismus sich von solchem Machtmissbrauch wird jemals rein waschen können?

    Ich bitte darum und bete dafür. Das ist jedoch ein spärliches Unterfangen.

    Gute Nacht!
    Liebe Grüße
    Josephine

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