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Es werden Posts vom 2016 angezeigt.

Die Bedeutung des Fühlens

Im Buddhismus ist der Aspekt (der Skandha) des Fühlens mit dem Element Erde verbunden, und nicht, wie im Westen üblich, mit dem Element Wasser. Das ergibt, meinen Erfahrungen gemäß, durchaus Sinn. Wann immer ich den Aspekt des Fühlens anspreche, hat er für mich genau diese, nutzbringende Funktion: Das dezidierte Fühlen erdet mich und mein Denken in die Realität des momentanen Augenblicks.

Diesen Aspekt des Bodenhaftung herstellenden Fühlens zu üben, stabilisiert die Anbindung an mein Herz. Und das Imperium des Herzens, was ich auszubilden wünsche, versteht sich stets als ein Reich, das dem momentan Machbaren zugewandt ist. Im Augenblick wünscht mein Herz, das Bestmögliche zu verwirklichen. Nicht morgen oder in ein paar Jahren. Wenn ich meine gegenwärtigen Erkenntnisse mit meiner augenblicklichen Realität verknüpfen will, prüfe ich fühlend, was praktikabel ist.
Wenn das Herz also jede Theorie und Philosophie eindampft, bis nur noch das übrig ist, was Bezug zu meiner derzeitigen Wirklic…

Schwarzes Rauschen - oder der Fluch der Dunkelheit

Wintersonnenwende. Heute begann der Tag mit dichtem weißen Nebel und einer konstanten Kälte von einem Grad Minus. Ein Tag, der alle dafür Anfälligen in Dumpfheit versetzen würde. Während ich des Morgens kurz auf dem Balkon ein paar frische Atemzüge nahm, musste ich innerlich lachen, als ich die Munterkeit der Vögel sah. Völlig unbeeindruckt von der Trübheit, schwirrten sie mit munterem Zwitschern umher, als wäre das tollste Wetter und strahlender Sonnenschein.

Jetzt, am Beginn dieser längsten Nacht des Jahres, schreibe ich noch einmal über sie: die Dunkelheit. Diese Dunkelheit, die ein nebliger Tag und eine früh beginnende Nacht zu spiegeln scheint, doch in Wahrheit in unseren Seelen wohnt. Und alle, die diese äußere Dunkelheit als Sinnbild der inneren fürchten, atmen heute sicher erleichtert auf, bei dem Gedanken, dass ab sofort die Tage wieder länger werden.


War ich jemals dafür anfällig, mich von trüben Tagen in innere Trübsal versetzen zu lassen? Das fragte ich mich, während ich a…

Die Tür nebenan oder das "fremde Zimmer"

Manchmal reicht ein kleiner Auslöser, ein unvermutetes Zusammentreffen diverser Umstände und Begebenheiten - und schwupps, bin ich wieder der Mensch, der ich nie mehr sein wollte. Der Mensch, den ich hinter mir lassen wollte. Der Mensch, der mich zurückwirft, auf all die Verzweiflung und das Entsetzen, das ich transformiert glaubte.

Der Mensch, der mich zugleich auch aufstehen und neue Lebenswege suchen ließ.


In einem Augenblick war ich eine andere. Und dieser Augenblick dauerte fast 14 Tage.

Ich war in meinem Inneren in ein anderes Zimmer gegangen. Das Zimmer, dass mir inzwischen schon fremd geworden ist. Doch plötzlich war ich dort, gefangen, den Ausgang nicht mehr findend. Und so wurde mir klar, dass dieses Zimmer eben nichts ist, was ich hinter mir lassen werde. Dessen Tür ich abschließen und den Schlüssel dazu so ohne Weiteres wegwerfen kann.

Dieses Zimmer nehme ich immer mit mir, wohin ich auch gehe. Und noch bin ich nicht so weit, dass ich vollkommen freiwillig entscheiden kan…

Das kalte Herz - Die Neuverfilmung jetzt in deutschen Kinos

Am Sonntag habe ich mir "Das kalte Herz" angeschaut, in einem Münchener Kino - und auch einem kurzen Gespräch mit Regisseur Johannes Naber beigewohnt.

Mein Prädikat für den Film: Uneingeschränkt empfehlenswert!

Das 1827 erstmals erschienene Märchen von Wilhelm Hauff wurde in diesem Film sehr zeitgemäß, dicht und leicht abgewandelt verfilmt. Die Rollen der Frauen wurden zum Beispiel, dem Original gegenüber, erweitert und Elemente aus anderen Kulturen herangezogen. Dies hebt das Märchen und dessen klaren Bezug zur Zeit des beginnenden Kapitalismus, sehr angenehm aus der Historie und dem rein deutschen Kontext heraus. Geschichtlich geprägte Seherwartungen werden nur teilweise erfüllt. Für mich ist das sehr stimmig und sehr gut gelungen.

Falls dem einen oder anderen dann doch die Frage unter den Nägeln brennt: Wusste ich schon,  als ich im Juni meinen Beitrag über "Das kalte Herz" schrieb, dass demnächst eine Neuverfilmung dieses Märchens in die Kinos kommt? Nein, wus…

Ernüchterung als Vorbote des Handelns

Bin ich wirklich zu weit gegangen, indem ich schrieb, was sich richtig anfühlte? Wer oder was ist es denn, der dieses Urteil fällt, was »zu weit« oder »nicht weit« ist? Wo positioniere ich mich, wenn ich »zu weit« als Wahrheit akzeptiere? Und wo stehe ich, wenn ich diese Position aufgebe? Außerhalb der Wahrheit? Oder nur außerhalb dieser spezifischen Realität eines, auf bestimmte Art und Weise definierten Bezugsrahmens? Wo fängt dieser Rahmen an und wo hört er auf?

Und - letztlich die Wichtigste aller Fragen: Was hat das alles mit mir zu tun?


Ja, das sind philosophische Fragen, die auch Immanuel Kant sicher gut geheißen hätte. Er, als Verfechter der  so genannten »reinen Vernunft«, die letztlich unser Abendland so zielsicher eroberte, irgendwann über die Stränge schlug und »zu weit« ging. Ja. Dieses in diesem Kontext geäußerte »zu weit« definiere ich. Einer mag dieser Definition folgen, der andere dies vollkommen anders sehen.

Wenn das eigene Herz bei der Sache ist, so hat es uns allen…

Das verlorene Imperium - oder die Macht der Bilder

Die letzten Beiträge zu verfassen, ist mir schwergefallen. Ich quälte mich selten so, alles Wahrgenommene schreibend offenzulegen. Obgleich ich wusste, ich muss es tun, fühlte ich mich permanent so, als ginge ich zu weit. Und das alles nur, weil ich mir erlaubte, über die Geisteshaltung des »verlorenen Imperiums« zu schreiben. Des verlorenen und verborgenen Imperiums meines innigsten Herzens.

So viele äußere Imperien sind entstanden und wieder vergangen. Die Geschichte ist voll davon und viele gerieten in Vergessenheit. Einige ihrer gesellschaftlichen, kulturellen Errungenschaften blieben erhalten und begleiten uns bis heute, alles andere zerfiel zu Staub.

Jene, die sie aufbauten, waren stets äußerst geschickt darin, diese auf bestimmten Heldenmythen und Legenden zu gründen. Etwas oder jemand wurde verherrlicht und mit überirdischen Befugnissen versehen. Und alle lagen diesem Helden zu Füssen, sich treu ergebend und setzten seine Wünsche und Ziele in allen Lebensbereichen um.

Jeder,…

Mitten durch das eigene Herz

Der Weg wird nur echt, wenn er vollkommen vom eigenen Herzen durchdrungen ist. Dies intuitiv verstanden habend, gab ich mir vor vielen Jahren dieses Versprechen, nur noch den Impulsen folgen zu wollen, die aus meinem Herzen kommen.

Am Anfang des Weges steht ganz sicher die Nachahmung. Wir machen uns vertraut, mit etwas, was wir intuitiv als dasjenige erkennen, was uns befähigen wird, ein authentisches Leben zu führen. Wir hören Erklärungen, investieren Vertrauen und Lernbereitschaft, folgen den Anweisungen, wie wir zum Beispiel eine spirituelle Praxis anwenden sollen. Und dann kommt die lange Zeit des nachahmenden Übens. Doch wir verstehen noch nicht und wir erfahren nicht.

Wenn ich mich zurückerinnere, kostete mich meine Kennenlernphase einiges an Zeit und Geduld. Sie war aber vergleichsweise kurz. Ein, zwei Jahre lang hielt ich mich für vollkommen unfähig, diese Visualisationen durchzuführen. Die Bilder und Symbole des tibetischen Vajrayana erschienen mir so fremd. Ich musste Kraf…

Von meinem augenblicklichen Weg des Herzens

Vieles, worüber ich schreibe, klingt manchmal so »fertig«. So, als gäbe es da einen geheimen Plan, mit abzuarbeitenden Teilschritten. Und dann kommt da der Tag X, an dem alles perfekt ist. Ein Tag, an dem ich mir plötzlich gewahr werde, mein Herz ganz verwirklicht zu haben.

Diesen Tag gibt es nicht.

Das ist das Trügerische an allem, was ich in Worte fasse: Worte geben nicht den Raum, diese beständige Weiterbewegung meines Herzens darzustellen. Ich schreibe da eine Momentaufnahme, dort eine weitere. Vielleicht böte Lyrik den besseren Raum, um dieses Unfertige abzubilden. Meine Beiträge tun dies mit Sicherheit nicht. Sie sind Bruchstücke, Metaphern, Verweise, Möglichkeiten ...

Für den Moment des Schreibens bin ich ganz im Fluss. Spätestens, wenn ich grob Korrektur lese, merke ich, wie das lineare Beschreiben immer wieder scheitern muss, an der eigentlichen Vielschichtigkeit und Komplexität meines inneren Erlebens. Und doch kann dies hier manchmal ein Fingerzeig sein.

Worauf auch immer…

Wenn der Boden nachgibt

Ich schrieb oft von Grenzerweiterung, von Fortschritt, Entwicklung und Zuversicht. Davon, in die zunehmende Weite des Herzens hinein zu leben und dafür Barrieren sprengen zu wollen. Ich berichtete davon, warum dies für mich essentiell ist. Doch ich fasste nicht in Worte, was jedem Hinauslangen über eine Grenze unmittelbar folgt und dem erst später spürbar erweiterten Territorium vorangeht.

Dies ist die Zeit der Verwirrung, ein Zwischenzustand, in dem der Boden nachzugeben scheint, wo nicht nur diese eine Schranke verschwindet, sondern sich dadurch plötzlich innere und äußere Bezugspunkte auflösen. Womit ich mich bisher auf selbstverständliche Weise in meinem Reich in Beziehung setzte, erscheint unvermittelt in einem anderen Licht. Die Wertigkeiten und Bedeutungen, die ich bis dato der Welt beimaß, passen nicht mehr und ich frage mich verwundert, wieso ich diese Zuschreibungen nur für real und gewiss hielt.


Ja, nicht nur der Boden unter mir gibt nach, sondern ich empfinde diese Bewegung…