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Es werden Posts vom September, 2015 angezeigt.

Der "Guru" und ich

Vor genau 16 Jahren habe ich Zuflucht genommen. Ich erinnere mich noch an diesen Moment, als ich mit mehreren anderen im Zimmer meines Lehrers saß, um die Zufluchtsformel zu sprechen. Aufgeregt und glücklich war ich, als ich mit Feuereifer mich dreimal vor dem Altar meines Lehrers niederwarf.

Ich schmiss mich mit gefalteten Händen auf die Knie, bevor ich mit der Stirn den Boden berührte. Und weil ich mich beim in die Knie gehen nicht mit den Händen abstützte, verursachte ich einen irritierten Blick bei meinem Wurzellehrer. Meine Knie waren mir egal - und ich merkte erst später, dass alle anderen das anders gemacht hatten.


Diese Inbrunst, mit der ich damals Zuflucht nahm, kennzeichnete meine ersten Jahre mit dem Buddhismus. Und ebenso die Unsicherheit, die ich spürte, wenn ich den Blick meines Lehrers auf mir mit einer besonderen Aufmerksamkeit ruhen spürte. Sofort analysierte ich, was ich denn falsch gemacht hatte, dass er mich jetzt so musternd ansah... Ich hatte zutiefst gelernt, da…

Halt die Klappe!

Wir haben alle unterschiedliche Toleranzbereiche. Und diese Toleranzbereiche ändern sich ständig, je nachdem, was wir für Erfahrungen machen. In diesen Toleranzbereich fällt, was wir an Meinungen, Einstellungen, Weltsichten akzeptieren können, ohne uns davon in unserer Existenz und Einstellung bedroht zu fühlen. Alles andere lehnen wir kategorisch ab.

Je toleranter und weltoffener wir sind, desto stabiler in unserer Persönlichkeit sind wir in der Regel auch. Selbstunsicherheit führt dazu, dass wir weitaus weniger abweichende Einstellungen akzeptieren, als jemand, der sich aufgrund innerer Gewissheit über sich und die Welt nicht so leicht umwerfen lässt.

Dies im Hinterkopf habend, bin ich der Ansicht, dass der spirituelle Weg hin zu Offenheit und Weite auch stets stark gekoppelt ist, an die Arbeit an der eigenen Person, an der Selbst- und Fremdwahrnehmung und den eigenen Kräftehaushalt. Sind wir beispielsweise erschöpft, flüchten wir uns in die eigene Welt, stecken die Grenzen des Er…