Selbst ist die Frau

An einem Tag, wie diesen, kann ich nur glücklich sein. Ich bin dankbar für eine neue Klarheit, die aus meinem Herzen aufscheint. Und dafür, dass es mir heute gelingt, die Essenz aus meinem Leben mit mehr als 19 Jahren Meditation und fast 16 Jahren meines Weges als Buddhistin zu ziehen. Die Essenz, die nötig ist, um mein eigenes Wohl zu erlangen, ohne dafür das Wohl anderer aus dem Blick zu verlieren.

Ich freue mich sehr darüber, dass heute der Tag ist, an der endlich die kritische Masse des inneren Pro für nächste Schritte das stets gefühlte und gedachte Kontra in den Hintergrund treten lässt. Und ich würdige dafür jeden Tag eines jeden dieser zurückliegenden Jahre.

Voller Staunen beobachtete ich heute, wie sich in mir alles zusammenfügte, wie sich jede Erfahrung als nützlich in das innere Puzzle einreihte, wie ich jedes bisher angedachte und gescheiterte Projekt brauchte, um den heutigen Tag so zu erleben, wie ich es gerade tue.

Zugegeben, ich wartete viele Jahre auf diesen Tag - und aufgrund aller meiner Irrwege befürchtete ich viel zu oft, er würde nie eintreten. Und doch wusste ich, dass ich erst an diesem Tag tiefgründig spüren würde, dass alles einen Sinn ergibt. Vor allem würde das, was ich von diesem Tag an in den Hauptfokus meiner Aufmerksamkeit rücken würde, zutiefst Sinn ergeben.


Und das will in meinem Fall einiges heißen: Ich bin mit dem Drang zu Sorgfalt und Tiefgründigkeit mein Leben lang schon geplagt. Mir ist nicht gegeben, leichtfüßig und oberflächlich dahin zu eilen. Im Stillen nannte ich mich schon oft "Maulwurf" und "Wühlmaus", weil ich mich immer tief hinein in eine Sache, in mein Denken, Fühlen und Erleben wühle, es auslote und stets auf der Suche nach dem gemeinsamen, tiefsten und endlich verlässlichen Grund des Ganzen bin. So rang ich auch um den konkreten Sinn meines Lebens.

Heute nun spüre ich die Freiheit, diesem schon immer sich ankündigenden Sinn zuzustimmen. Denn heute erkenne ich nicht nur das, was mir am meisten am Herzen liegt und daher Sinn ergibt, an meinem Weg und meinem Leben, sondern ich erlebe erstmals, dass das Pro stärker ist, als das Kontra.

Die Waage ist endlich irreversibel zugunsten meines Herzens umgeschlagen. Zum ersten Mal spüre ich eine gesunde, verlässliche Basis von innerer Freiheit in mir, endlich zu tun, was zutiefst Sinn ergibt. Früher waren es nur vorübergehende innere Phasen und Zeiten.

Sinn ergibt zutiefst, dass ich mir das gebe, was ich vermisse, dass ich an dem arbeite, was ich mir ersehne und dass ich es in tiefster Dankbarkeit für das tue, was ich bis dato bereits von anderen erhalten habe.

Dies bedeutet, mein eigenes Wohl zu vollenden.
Ich werde nicht allzu viel dazu verraten, denn die Arbeit an diesem zutiefst für mich Sinn ergebenden Vorhaben liegt noch gänzlich vor mir und ist daher top secret. Doch ich weiß alle Mittel, den Weg, das konkrete Vorgehen und habe eine grobe Vorstellung über eventuell auftauchende Hindernisse und Schwierigkeiten. Ich fühle mich erstmals gut gerüstet, das Vorhaben anzugehen.

Das einzige, was ich erwähnen will, ist, dass es immer noch mit Schreiben zu tun hat. Und es hat diese langen Monate gedauert, dass es endlich sich konkret in mir gezeigt hat.

Als ich diesem Wunsch, zu schreiben, erstmals innerlich zustimmte, fehlten noch so viele Erfahrungen, die ich in den letzten Monaten machen durfte. Manchmal bedarf es einfach unvermuteter Zutaten, bis das Vorhaben reif ist, erkannt zu werden. Und das Herz führt einem zu diesen Ereignissen, Begegnungen und Einsichten hin, wenn man es zulässt. Ich tat es. Nun ist es so weit. Und ich weiß, dass ich nicht die geringste Ahnung habe, wie lange dieses Vorhaben dauern wird.

Zum ersten Mal akzeptiere ich in diesem Zusammenhang den sehr buddhistischen Spruch, der in mir immer nur ein genervtes Augenrollen sowie Kopfschütteln verursacht hat: "Der Weg ist das Ziel." Ich konnte diesen Satz einfach nicht hören, weil er vollkommen sinnlos ist. Es sei denn, du weißt, was dein Weg ist und warum du ihn überhaupt zurücklegen willst.

Erst einmal diesen Punkt der wirklich tiefgründigen, detaillierten Klarheit zu erreichen, bedurfte bei mir diese erwähnten 19 Jahre Meditation und 16 Jahre Leben als Buddhistin.

Hier und heute erkenne ich das eigene, innere Mandala dieses meines Lebens, kann beginnen, es in allen Aspekten zusammenzuschauen und aktiv anzunehmen und aus dessen Mittelpunkt heraus ein wirklich in alle Ebenen meines Seins sinnvolles Leben zu beginnen. Alles andere davor überließ ich meinem Herzen, lernte mühsam, mit diesem Herzen zu kommunizieren, um es auch zu verstehen. Erst heute treffen Verständnis, Akzeptanz, gefühlter Schmerz und daraus entstehende Sehnsucht, sowie deshalb bewusst gesetzte Akzente und anzugehende und zutiefst bejahte Vorhaben wirklich zusammen. Alles andere war Zerrissenheit, Stückwerk, Irrwege und falsch gesetzte Prioritäten.

Vielleicht kann der eine oder andere die Erleichterung ermessen, die ich heute empfinde, verknüpft mit einer tiefen Freude an der erkannten Unabhängigkeit von bisher unbeeinflussbaren Faktoren.

Zum ersten Mal ermesse ich wirklich den ganz persönlichen, inneren Raum der Freiheit und wie ich aus ihm heraus mein unmittelbar vor mir liegendes Leben angehen muss und werde.


Und das typisch Weibliche daran wird sein, dabei immer in der unmittelbaren Gegenwart meines Lebens zu wandeln, alle Theorie in die Lebenspraxis zu erden, alles allzu hoch gestochene Blabla, das mit hier und heute nichts zu tun hat, zum Schweigen zu bringen und unmittelbar einen Fuß vor den anderen zu setzen. Tag für Tag. Stunde für Stunde und Minute für Minute. Und ich werde es unabhängig von männlich zementierten Strukturen tun, ganz nach der Prioritätensetzung meines eigenen Herzens.

Ich freue mich so wahnsinnig darauf, dass ich mich zwischendrin in diese überschäumende Freude zugleich wieder zu entspannen und innerlich zu setzen beginne, um eben nicht in nächster Sekunde doch wieder die Bodenhaftung zu verlieren.

Ab sofort werde ich nicht mehr davon abhängig sein, dass andere mir geben, was ich zu brauchen meine. Ich werde dies für mich selbst tun, in täglicher Kleinarbeit. Und ich werde dies so lange tun, wie es möglich und nötig ist.

Ich werde dies gemäß meines Anspruches an mich tun und gemäß meines Gespürs und Verständnisses von Sorgfalt, Achtsamkeit, Respekt und Tiefgründigkeit tun.

Und ich erkenne heute endlich die Freiheit, mich dabei überhaupt nicht an den Maßgaben und Vorstellungen anderer orientieren zu müssen. 
Dies so genau zu spüren, zu wissen - diese felsenfeste Gewissheit darüber - das ist der besondere Glücksmoment, den ich heute erlebe.

Wundern macht mich, wie erwähnt, dass ich auf einmal die Präzision sehen kann, die zu diesem Moment, die bis zum Erreichen dieser kritischen Masse, notwendig war. So kleine Details, so kurze Augenblicke persönlicher Begegnung, so unscheinbar scheinende Zitate, die sich dennoch tief eingebrannt und meine Zustimmung oder meine Empörung herausgefordert haben, so viele Stunden des darüber Nachsinnens und tiefgehendes Nachspürens, so viele Zeiten, in denen ich alles sich innerlich setzen ließ, so viele Stunden des Nichtwissens und der Depression, so viele kurze Zeitfenster freudigen Erkennens, so viel klitzekleine Details fügten sich über einen schier unendlich lang scheinenden Zeitraum in mir zusammen...


Natürlich wird dieser Tag, dieser Moment wieder vorbeigehen, sich verflüchtigen, von anderen abgelöst werden. Und dennoch gleicht er endlich dem kurzen Verweilen auf einem Berggipfel, den ich erklommen habe, ohne bisher erkannt zu haben, dass ich ihn mir ausgewählt und zu ersteigen begonnen habe. Und während ich kurz, da oben, im gleißenden Sonnenlicht verweile, erspähe ich, einen Augenaufschlag entfernt davon, schon den nächsten Berg.

Der Berg dort ist höher, als der eben erklommene. Und ich kann ihn eben nur deswegen sehen, da ich intuitiv, jedoch unbewusst, den momentanen Berg bestieg. Und diesen dort, den anderen Berg zu ersteigen, werde ich bewusst, mit mehr Vorbereitung tun. Er wird schwieriger sein und nicht weniger Kraft kosten, als der bisherige. Doch nunmehr will ich ihn bewusst erklimmen, will mir jeden  Moments zu ihm und auf ihn hinauf gewahr sein, will jede Schwierigkeit, jedes Geröllfeld, jedes Schneebrett und jeden dichten Wolkennebel bewusst und gezielt durchwandern.

Möge aus diesem persönlichen Wohlergehen, was ich daraus erlangen werde, auch das Wohl für andere erwachsen.

Und selbst, wenn ich scheitern und die Reise bis zum Gipfel nicht vollenden sollte, so habe ich alles dieses Mal bewusst gewollt, habe mir das nötige Knowhow und Equipement dafür persönlich angeeignet. Was gibt es denn da noch zu zögern oder zu bereuen?

Denn endlich wird der Weg, diesen neuen Berg hinauf, mein Ziel sein. Das habe ich mir erarbeitet, erkannt, dessen Notwendigkeit verstanden und mich bewusst dafür entschieden. Alle Zweifel sind in den Hintergrund getreten, alle Verwirrung durch jahrhundertelang ausgetretene, aber zu mir nicht passende Pfade, ist zur Ruhe gekommen und alle falschen Erwartungen, im Innen und Außen, wurden durch mich und mit Hilfe anderer aufgelöst.


Nun kann das Voranschreiten nur besser werden. Ein Stillstand, ein Zögern oder Angst vor dem Aufgeben gibt es nicht mehr.

Nun kann meine Reise endlich auf einem neuen, stets nahen spürenden, jedoch bisher unerreichten Niveau weitergehen... So sei es.


Diesen Moment im Leben zu bewirken, wo du vom Erleidenden zum Gestalter deines Lebens wirst, ist die Essenz, die Macht und die Kraft unserer erwachenden Herzen.




Kommentare

  1. Liebe Josephine,
    ich freue mich mit Dir und wünsche Dir gutes Gelingen!
    Liebe Grüße!
    Anke

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    1. Liebe Anke,

      vielen Dank! Ich bin sehr gespannt, wohin diese Reise geht. Ein Sprichwort trifft hier auf jeden Fall zu: Gut' Ding will Weile haben.

      Herzliche Grüße zu dir und einen schönen, restlichen Sommer für dich!
      Josephine

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