Die Schwere in meinem Herzen

In meinen Augen ist der tibetische Buddhismus in Deutschland zu einem selbstreferenziellen System geworden - rein nach den eigenen, gewohnten Strukturen vielleicht sogar weltweit. In den Ländern, wo das Geld sich leichter für buddhistische Zentren generieren lässt, werden sie groß aufgezogen. In anderen hingegen, dümpelt die Institution "Dharmainstitut" leise vor sich hin, irgendwo, am Rande des ständig drohenden Ruins.

Ich habe mir stets mehr davon erhofft und erwartet. Sehe ich das einmal ganz pragmatisch, so sollte ich mir eine andere Religion suchen, die eher meinen gesellschaftlich-sozialen Ansprüchen genügt. Das aber gelingt mir nicht. So sollten alle diejenigen, die meines Jammerns müde sind, sich lieber jetzt als später entschließen, diesen Beitrag nicht weiter zu lesen. Ansonsten erleben sie ein unwillkommenes Déjà-vu an Kritik.

Einige halten meinen kritischen Blick vielleicht für ein Jammern auf hohem Niveau. Ich hingegen bin der Meinung, dass der Buddhismus, wie er hier, in meiner Welt, präsentiert und gelebt wird, weit hinter dem eigenen Anspruch  zurück bleibt. Und der tibetische Buddhismus besonders weit hinter seinem Anspruch, als Mahayana-Buddhismus das Bodhisattva-Ideal in den Mittelpunkt zu stellen.


Viele tibetische Lamas verstehen diese Welt nicht, in die ich hinein geboren wurde. Sie finden die Menschen und ihr Verhalten seltsam, beschweren sich vielleicht untereinander darüber, wir könnten hier einfach nicht "normal" und "natürlich" sein. Wahrscheinlich reden sie uns gegenüber nicht darüber. Doch derlei Einstellungen brechen sich früher oder später Bahn, denn die ursprünglichste Form der Kommunikation miteinander ist  definitiv nicht die verbale Kommunikation. Und darüber hinaus klingt eine solch wunderliche Einstellung dieser Lehrer uns gegenüber auch "zwischen den Zeilen" durch.

Als ich vor mehr als einem Jahrzehnt zum ersten Mal davon erfuhr, dass sich viele Lamas über uns Westler beinahe lustig machen, hat mich das sehr getroffen. Ein Tibeter aus der Schweiz schwatzte mit mir auf Deutsch auf einer Bank in Semkye Ling. Und kommentierte das, was zwei Lamas, die extra für die Yamantaka-Unterweisungen meines Vajrameisters angereist waren, zueinander auf Tibetisch sagten, als sie an uns vorbei über den Hof flanierten.

Wörtlich weiß ich es nicht mehr, jedoch sagte er, dass sie demnächst nach Frankreich reisen wollten und dort nur einen schlechten Übersetzer zur Verfügung hätten, der nichts verstünde. Und der Tibeter neben mir ergänzte freimütig, dass er so etwas oft mitbekäme, dass westliche Übersetzer und westliche Schüler für etwas blöd gehalten würden. Ich weiß nicht mehr, was ich darauf erwiderte. Jedenfalls gehöre ich nicht zu den Menschen, die ihre Betroffenheit nach außen deutlich zeigen. Doch ich habe diesen Moment wohl nicht umsonst so bildhaft in Erinnerung.

Meinem Wurzellehrer habe ich eine solche geringschätzende Haltung uns westlichen Schülern gegenüber niemals angemerkt. Ich konnte ihm oft genug aufrichtig in die Augen schauen und fand stets Präsenz, Liebe und Wertschätzung darin, wenngleich wir nie groß miteinander sprechen konnten. Und meine Dankbarkeit für die ehrliche Chance und den Halt, den er mir damit bot, der mir erlaubte, mich tiefgründig mit dem Buddhadharma zu verbinden, kennt keine Grenzen. Auch deswegen habe ich niemals bei einem anderen Lehrer Zuflucht genommen, obwohl mein Wurzellehrer nun schon so lange nicht mehr lebt.

Ich hatte den Eindruck, dass er bewusst diese Aufgabe, uns merkwürdigen Menschen Dharma zu lehren, voll und ganz angenommen und sich absolut damit identifiziert hatte. In dieser Aufgabe nahm ich ihn als hoch professionell wahr, denn er drückte sein tiefes Verständnis von Dharma, seine hohe Ethik und seine Geduld und Beständigkeit in allem aus, was er tat. Und das war, weiß Buddha, nicht einfach.
Sicher akzeptiere ich, dass für tibetische Lehrer es ganz und gar nicht einfach ist, uns zu knacken. Was als nicht normal und natürlich empfunden wird, manchmal sogar als menschliche Dummheit oder Eingeschränktheit, das mag stimmen. Doch wer, der wahrhaftig versucht, Bodhichitta zu entfalten, würde uns dafür ernsthaft schuldig sprechen wollen? Und wer, der ernsthaft Bodhichitta übt, würde jemals übersehen, dass viele von uns sich genau deshalb dem Buddhismus zuwenden: Auch wir spüren ja, dass wir etwas verkorkst und verdreht sind und deswegen händeringend nach einem Ausweg suchen.

Mich hat die Beichte jenes Tibeters auf dieser Bank im Sommercamp von Semkye Ling deshalb so betroffen gemacht, da ich nicht nur die leichte Verachtung darin spüren konnte, sondern ebenso keimte in mir der Verdacht auf, dass viele der Lehrer meinen, wir würden sowieso keinen tiefgreifenden Zugang - und damit tiefgreifende Wandlung - durch Buddhismus finden. Und im Grunde scheint das dann auch vielen Lehrern egal zu sein, was aus uns wird. Aus uns - und dem oberflächlich überlieferten Dharma.

Wenn ich diesen Blickwinkel zulasse, drängt sich als nächstes gleich eine gravierende Frage auf: Warum reisen die Lehrer dann überhaupt durch die Welt? Warum folgen sie den Einladungen und geben Unterweisungen? Einen Verdacht äußerte ich hierzu vor Monaten und Wochen schon: Sie wollen Geld für ihre Projekte in Asien sammeln.

Hart, das einfach mal so zu schreiben, stehen zu lassen und auf mich wirken zu lassen, nicht wahr? Damals, in jenem Sommer, hätte diese Sicht mich dermaßen am Boden zerstört, dass ich zum eigenen Schutz mich von derlei Erwägungen sofort abgewandt habe. Doch heute, beinahe genau 14 Jahre später, da weiß ich, dass sich an dieser Situation nichts tiefgreifend verändert hat.

Ich nehme nicht an, dass diese Sicht jedem Lehrer gerecht wird, geschweige denn gefällt. Doch gehe ich rein von den pragmatischen Tatsache aus, so ist die tibetisch-buddhistische Landschaft in Deutschland für mich eine Wüste. Und solche Gedanken zu hegen, liegt nahe.

Mein Wurzellehrer bleibt für mich stets ein Vorbild eines wirklichen Resident Lama: Obwohl wir ihm fremd und unsere Sprache nie die seine geworden ist, so lebte er mitten unter uns. Und in jahrelanger Kleinarbeit entwickelte er ein Studienprogramm, was gemäß der Gelug-Tradition jedem Studierenden die Möglichkeit bietet, buddhistische Grundlagen von der Pike auf zu lernen.

Er hat alles gegeben, was er hatte, bis zu seinem letzten Atemzug. Und er tat es mit einer großzügigen Geduld für uns und unsere vollkommen andere Weltsicht. Er zeigte Unerschütterlichkeit darin, uns noch die blödeste Frage immer wieder zu beantworten. Und er widmete uns soviel Zeit, dass er sogar auf seinen Herzenswunsch, ein 3-Jahres-Retreat zu machen, verzichtete. Chapeau!


Er reiste nicht durch die Weltgeschichte, einmal hier ein paar Worte lehrend und mal da. Und er weigerte sich standhaft, uns irgendwelche Übertragungen oder Einweihungen zu geben, zu denen er sich nicht qualifiziert sah. Nochmal Chapeau!

In meinen Augen war sein Vorgehen, seine Ausrichtung und seine Strategie genau das, was wir brauchen. Tatsache ist, dass wir die einfachsten buddhistischen Grundlagen nicht verinnerlicht haben. Was will ich dann mit all den Retreats im geheimen Mantrayana? Hoffen, dass mich das Visualisieren und Mantrazählen über Nacht und wie von Zauberhand verwandelt und die Erleuchtung erlangen lässt?

Ohne Verständnis der Grundlagen wird uns das nicht gelingen, weil wir dann auch keine sichere Zuflucht nehmen und unser alltägliches Leben gemäß der universalen Gesetze, die Kern allen buddhistischen Verständnisses sind, verwandeln werden. Und wenn wir keine festen, heilsamen Gewohnheiten ausbilden, kann uns auch das intensive Retreat einmal im Jahr nicht wirklich tiefgreifend und schnell nützen. Davon bin ich überzeugt und ich behaupte, dass mein Wurzellehrer es auch war.

Ja, in gewisser Weise ist es richtig, uns wie die Kinder zu behandeln und ganz von Anfang an und systematisch zu lehren, was die essentiellen Grundlagen des Buddhismus sind. Doch dies wird nur von wenigen Lehrern systematisch und tiefgründig umgesetzt. Wie auch, wenn sie immer auf der Durchreise sind? Wir haben keinen Grund und keine Kontinuität in unserem Zugang zum Buddhismus und legen daher viel ungerechtfertigte Hoffnungen in die so genannten fortgeschrittenen Praktiken. Das funktioniert nicht und wird nie funktionieren.


Das wiederum liegt jedoch nicht daran, dass wir dumm sind, sondern am tibetisch-buddhistischen System, das im Verhältnis 1:1 bei uns gelehrt wird, wie es über Jahrhunderte hinweg in Isolation in Tibet entstanden ist. Dieses System ist so eng verzahnt mit der tibetischen Kultur, dass es wohl nicht kopierbar und nicht übertragbar ist. Darin liegt die Ursache unserer Dummheit: Wir finden den richtigen Kontaktpunkt nicht. Jedenfalls nicht sofort und ohne weiteres.

Wir finden den richtigen Kontakt zu den Lehren des Buddhismus nur auf der Grundlage eines qualifizierten, mitfühlenden, verständnisvollen und offenen Lehrers oder einer Lehrerin. Und diese zu finden, ist Mangelware. Sie richtig kennenzulernen und sich ihnen im traditionell rechter Weise anzuvertrauen, ist unmöglich, da sie gleich wieder verschwinden. Ebenso wenig können wir zweifelhafte Punkte diskutieren und klären, weil uns dazu der zuhörende, anwesende und aufmerksame Lehrer fehlt, der unsere Sprache spricht und unsere Kultur kennenlernen möchte.

Dharma wird bei uns niemals so funktionieren, wie im alten Tibet. Und die Lehrer, die zu stark an ihrer Tradition haften und diese für die einzige, rechtschaffende und mögliche Lebensweise halten, werden hier nie glücklich werden. Und wir werden auch nicht glücklich mit ihnen. Eine unfassbare Schwere im Herzen wird immer bleiben, auf beiden Seiten. Denn beiden Seiten ist bewusst, dass da etwas nicht funktioniert und nicht so weitergehen kann. Oder nicht?

Mir ist dies sonnenklar. Und als ich damals leicht verwirrt von jener Bank im Sommercamp aufstand, um weiter den Yamantaka-Unterweisungen meines Vajrameisters zuzuhören, begleitete mich erstmalig sehr deutlich diese Angst, den Dharma wieder zu verlieren, nachdem ich ihn gerade gefunden und die bisher glücklichste Zeit meines Lebens verbracht hatte.

So merkwürdig es ist, so begann damals langsam die Fassade meines vorgestellten Dharma-Paradieses zu bröckeln. Und seit damals hat der Zerfall nicht aufgehört. Ich sehe den Zerfall überall. Ich spüre ihn, wann immer ich buddhistische Unterweisungen besuche.

Weil der Dharma meine Herzensangelegenheit ist, schreibe ich so häufig darüber. Und über die ungesunden Versuche, tibetisch-buddhistische Paralleluniversen zu errichten, um zu bewahren, was dennoch dem Untergang geweiht ist. Und über die Traurigkeit im Herzen, die daraus ebenso entsteht, wie eine unverbrüchliche, innere Haltung des "Trotzdem".

Und ich sehe in mir sehr oft, wie ich den Untergang akzeptieren würde und könnte, wenn doch jemand die universale, zeitlose Essenz des Dharma einfach retten und in eine neue, für uns im Westen zugänglichere Form gießen würde. Doch das wagen wenige, tibetische Lehrer. Und wenn sie es wagen, sind sie oft nicht konsequent genug.



Der eine oder andere mag fragen, wie ich dies zu beurteilen wage? Ich wage es aufgrund dessen einzuschätzen, was ich bisher über Dharma gelernt habe, aufgrund meiner persönlichen Wahrnehmung dieser Lehrer und wie sie auf mich wirken. Das ist die einzige Möglichkeit, in Kontakt zu gehen, um zu entscheiden, ob mir dieser Lehrer dort etwas zu geben hat, oder nicht.
Einen Lehrer traf ich beispielsweise im Mai, von dem ich annehme, dass er wirklich in Kontakt mit uns Westlern gehen möchte. Dafür hat er schon seine Art, Meditation und Dzogchen Belehrungen zu geben, angepasst. Wenn ich ihm aber längere Zeit zuhöre, ist bewusstes Üben von Geduld mit ihm und seinen Worten sehr schnell gefragt. Manchmal werden für mich zwei Stunden zur Qual, die ich mich zwinge, weiter höflich zuzuhören und nicht einfach aufzustehen und den Raum zu verlassen.

Die Beispiele, die er anbringt, über "unsere" Macken im Westen, haben rein gar nichts mit mir und meinem Alltag zu tun. Da sind so viele Vorurteile und Verallgemeinerungen drin, dass mir jedes Wort physisch weh tut. Als er zum Beispiel darüber sprach, dass wir eine verkehrte Sicht auf unseren Alltag hätten und wie wir kleine Einheiten regelmäßiger Praxis darin integrieren können, erzählte er von einer reichen Schülerin, die zahllose Angestellte zu Hause hatte, höchstens ein, zwei Stunden am Tag arbeitete und dennoch ständig behauptete, keine Zeit für Praxis zu haben und deswegen seinen Rat suchte.

Was hat das Beispiel mit mir und meinem gewöhnlichen Alltag zu tun? Gar nichts! Und wenn dieser Lehrer das Gefühl hat, wir machten nicht die Fortschritte, die er sich vorstellt, die wir machen könnten und müssten und hat daher ein Problem mit seiner Geduld, dann hat das auch nichts mit mir zu tun. Denn ich gehöre nicht in die Welt der Reichen und Privilegierten, mit der sich weltberühmte buddhistische Lehrer umgeben. Ich spare mir jede buddhistische Unterweisung, die ich besuche, vom Mund ab oder bin öfters auf finanzielle Unterstützung anderer angewiesen, um teilnehmen zu können.


Dass in vielen Dharmazentren Buddhismus immer noch oberflächlich und hauptsächlich für Reiche und Akademiker unterrichtet wird, liegt auch am tibetisch-buddhistischen, traditionellen System. Dieses System ist und war immer auf großzügige Mäzene angewiesen. Und deshalb wird es wohl aussterben, je weniger Reiche es gibt, die im großen Stil Zentren stiften und arme Interessierte und Praktizierende unterstützen können. Dort, wo Buddhismus nicht bereits in der Kultur verankert ist, wird diese Religion eine Angelegenheit intellektueller und gut betuchter Menschen bleiben.

Dieser erwähnte Lehrer, den ich im Mai traf, ist auch einer der Rinpoches, die fleißig um die Welt jetten, um Gelder für ferne Projekte zu sammeln. Doch ein wirkliches, tief ergriffenes Herz für uns hier und unsere Welt, spüre ich bei ihm nicht. Er kratzt maximal an der Oberfläche unserer Persönlichkeiten und den Ursachen, die uns zu den Menschen werden ließen, die wir eben sind.

Um uns wirklich mit dem Herzen zu entdecken, müsste ein solcher Lehrer sich viel mehr Zeit nehmen, uns kennenlernen und mit uns leben. So, wie es mein Wurzellehrer einst tat. Doch einen solchen Lehrer zu finden, der so viel Mut, Respekt und Durchhaltevermögen beweist, ist kostbar und erschreckend selten zu finden.


Kommentare

  1. Liebe Josefine

    Ob diese Gruppe in München, siehe Link
    http://deutschland.nalandabodhi.org/about-this-community/groups/munich/
    für dich in Frage käme? Ich kenne Dzogchen Ponlop Rinpoche nicht persönlich, war nie an einem Seminar von ihm. Doch die Bücher, die ich von ihm gelesen habe, waren für mich hilfreich, das neueste, das in Deutsch nun herausgekommen ist, werde ich mir nächstens bestellen.

    So viel ich weiss, lebt Dzogchen Ponlop Rinpoche schon lange in Amerika, hat auch dort studiert, und dürfte, so nehme ich an, mit den westlichen Gegebenheiten vertrauter sein.
    Aber wie geschrieben, ich habe ihn nie getroffen. Auf You Tube gibt es auch einige Videos mit ihm.

    Ich verstehe, was du meinst wegen dem Geld, ich kann mir vorstellen, dass nicht wenige dieser Lehrer selbst unter Druck stehen ihre Klöster in Indien finanziell zu unterstützen. Und von Asien her sind sie wahrscheinlich viel mehr an Unterwürfigkeit und auch Gebefreudigkeit gewohnt. Hier im Westen ist es schon so, wenn die Kurse gratis wären, würde möglicherweise kaum jemand genügend bezahlen. (so habe ich es auf jeden Fall schon von jemandem gehört, der solche Kurse auf Spendenbasis anbot).

    Für mich sind diese Seminare schon lange nicht mehr erschwinglich, wobei die buddhistischen direkt noch günstig sind, was andere für spirituelle oder ähnliche Kurse verlangen ist einfach horrend, wenigstens hier in der Schweiz. Ich nehme mal an, dass wahrscheinlich doch genügend viele Teilnehmerinnen das nötige Geld dazu haben, sonst könnten diese Seminare ja nicht stattfinden.

    Wenn du möchtest, kannst du mir auf E-Mail schreiben, du findest es auf meinem Blog unter „über mich“.

    Liebe Grüsse und alles Gute wünscht dir
    Elfe

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  2. Hier habe ich auf YouTube ein Interview mit Ponlop Rinpoche gefunden, das dich vielleicht interessiert
    https://www.youtube.com/watch?v=PPuxBkbvvY0
    Gute Nacht und schönen Sonntag morgen
    Elfe

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  3. Hier habe ich noch "The relevance of Buddhism in 21st century" gefunden. Schaue es mir gerade an, scheint mir echt interessant zu sein.
    https://www.youtube.com/watch?v=_gk6qLzFdSQ

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  4. Liebe Elfe, herzlichen Dank, so viele Infos! Vielen Dank, für deine Mühe und dass du mich in deine Recherchen einbeziehst.

    Ich habe Dzogchen Ponlöp Rinpoche schon vor Jahren erlebt - auch er ist einer von den Herumreisenden.

    Ich würde mir da etwas Solideres wünschen, ortsansässig und nicht aus Amerika importiert. Einen Lehrer, der vielleicht kein berühmter Tulku ist, aber anwesend, deutsch sprechend, nicht furchteinflössend und kein Franchise-Dharmazentrum, die weltweit alle gleich ticken. Die Möglichkeit, Dharma bodenständig mit unseren Leben hier zu verknüpfen. Unspektakulär und ohne Guru-Hype. Ich weiß, ich bin da anspruchsvoll und werde hier keine Kompromisse machen.

    Ich suche auch nicht einen neuen Lehrer, wünsche mir aber, das grundsolider Dharma und Schulung in Meditation für möglichst viele auf einer alltäglichen Ebene, frei von jeglichem Sektierertum und falsch aufgesetzter Guru-Hingabe möglich wird. Wo Lieschen Müller von nebenan gerne hingeht, womöglich sogar im Dirndl, wenn sie mag.

    Und solange das nicht möglich ist, praktiziere ich lieber und sehr gerne allein.

    Es bricht mir nur das Herz, zu sehen, dass so vielen Menschen vorenthalten bleibt, was mir so viele innere, positive Veränderung gebracht hat. Vorenthalten bkeibt, weil Buddhismus heute noch immer eine elitäre Angelegenheit ist. Sehr, sehr schade.

    Es gibt schon ein paar interessante Rinpoches, denen ich intuitiv vertraue und auch schon gute Übertragungen erhielt, die mir sehr am Herzen liegen. Ohne jetzt Namen nennen zu wollen, fühle ich mich intuitiv zugehörig. Doch die Zentren dieser Tradition haben in Abwesenheit der Rinpoches nichts zu bieten, ausser regelmäßige Rituale, Gebete und oberflächliche Vorträge. Das reicht mir nicht und den wirklich am Dharma neu Interessierten nützt es nichts. Sehr, sehr schade.

    Da ließe sich viel mehr daraus machen, als immer nur darauf zu warten, dass mal ein angesehener Lehrer dieser Tradition vorbei schneit.

    Da liegt so viel positives Potential brach - und das ist traurig. Dementsprechend schlecht läuft es auch.

    Aber wirklich, liebe Elfe, ich bin da ganz bodenständig und mag mich nicht einklinken in den Mainstream des Lama- Tourismus und mich abhängig machen von einem dieser Organisationren, die ein weltweites Netzwek pflegen und das ganze Programm immer nur um diesen einen Event bauen, wo der Guru zu Besuch kommt..

    Und natürlich werden die Events alle vom entsprechenden, elitären Publikum bezahlt. Und weil Lieschen Müller von nebenan das nicht zahlen kann ist sie eben auch nicht da. Genau das sorgt dafür, dass es elitär bleibt.

    Wie immer denke ich bei meinen Beiträgen nicht nur an mich, sondern an eine idealere Welt für möglichst Viele.So bin ich halt und werde das nie abstellen. Diese Eigenschaft war die Kraft, die mich bisher am weitesten auf meinem Weg getragen hat und weiter tragen wird. Indem ich mich nicht einfach mit dem Bestehenden zufrieden gebe, bleibe ich wach und entwickle mich stetig weiter über bisher für wahr gehaltene Begrenzungen hinweg.

    Vielen Dank auch für den Link, den werde ich mir noch in Ruhe anschauen. Jetzt erst einmal wünsche ich dir eine geruhsame Nacht und sei herzlichst gegrüßt von
    Josephine

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  5. Liebe Josefine

    Dann habe ich dich falsch verstanden. Ich dachte du suchst einen Lehrer, dem vor allem die Essenz von Buddhas Lehre eine Herzensangelegenheit ist, nämlich das mit „dem Geist (mind) arbeiten.

    Verstehe ich es richtig, dass du einmal den idealen Zustand Lehrer/Schülerin genossen hast und diesen Zustand verlorst (Tod des Lehrers). Und nun schon länger darüber trauerst und jammerst, dass du diesen Idealzustand in Deutschland nicht mehr finden kannst?

    Vergänglichkeit, Wandel, Anhaftung waren wichtige Lehrinhalt von Buddhas Dialogen mit seinen Zuhörern und Zuhörerinnen (Mönchen, später auch Nonnen und Laien aus allen sozialen Schichten).

    Das ehrt dich, dass du an das Wohlergehen anderer denkst. Ob sich Lieschen Müller (auch ich bin so ein Lieschen) für deinen Traum von grundsolidem Dharma und Schulung in Meditation für möglichst viele auf einer alltäglichen Ebene, frei von jeglichem Sektierertum und falsch aufgesetzter Guru-Hingabe, interessiert? Vielleicht, wer weiss. Träume können sich erfüllen, wenn wir dazu die Anlagen sammeln und entsprechend handeln, um sie wahr werden zu lassen. Das weißt du ja besser als ich.

    Mir als Lieschen Müller helfen im Moment die Worte einer Schamanin, zwar keine Buddhistin, doch für eine kleine Wegstrecke meine (mind-) Begleiterin. Dharma (Buddhas Erkenntnis) ist an vielen Orten zu finden, für den der Augen, Ohren und Herz immer weiter öffnet, still wird, tiefer sieht, tiefer hört und sein Herz sprechen lässt. In mystischen Erzählungen wird sogar darüber berichtet, dass Buddhas und Bodhisattvas in jedem Atom anwesend sind. Jetzt.

    Na ja, ich habe wohl eine etwas abgehobenen Einstellung zum Dharmastudium, für mich passt es – im Moment. Hier ein Video über das Jammern von der oben erwähnten Schamanin, das mir sehr geholfen hat. https://www.youtube.com/watch?v=FgG4qQ4PR-E

    Von Herzen alles Gute für dich, du bist die Schöpferin deines Lebens (soll auch der Buddha gesagt haben).

    Friede sei mit dir liebe Josefine.
    Herzliche Grüsse
    Elfe

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  6. Liebe Elfe,

    und mit dir! :-)

    Aus gutem Grund habe ich ja auch die Warnung meinem Blog eingangs vorangestellt, dass diejenigen, die mein Jammern nicht lesen wollen, auch lieber nicht lesen sollten ;-) Denn dem einen oder anderen mag es Jammern auf hohem Niveau sein! :-)

    Ja, jeder muss sich und seinem Weg treu sein. So ich meinem Idealismus. Und damit geht es mir erstaunlich gut. Wenn auch die manchmal geäußerte Kritik suggeriert, dass ich mich ganz verloren fühle. Aber sie zu äußern, ist gesünder, als zu schweigen und alles in mich hinein zu fressen. Und in meiner Praxis sind die Buddhas tatsächlich für mich spürbar. Ich habe aber immer wieder tausend gute Gründe, über meine persönliche Praxis hinaus zu denken. Und dafür nutze ich diesen Blog.

    Eine gute Zeit für dich und vielen Dank für deine Sicht der Dinge,
    herzlichst
    Josephine

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