Das Nifundel - oder die Jagd nach Glück

Ich weiß, auch du suchst es, das Nifundel. Vielleicht trägt dieses Etwas in deiner Welt nur einen anderen Namen. Doch so, wie ich einst von ihm hörte, so hörtest auch du davon. Und du begannst vor gefühlten Unendlichkeiten schon seiner Spur zu verfolgen, aus Neugier und Sehnsucht, ebenso wie ich.

Ich hörte vom "Nifundel" zum ersten Mal im Jahr 2009. Damals wurde es auf einen fernen, freundlichen Planeten namens Fulmina Tauri gesichtet. Und auf Erden erreichte mich die Nachricht, dass das Nifundel in der Lage wäre, deprimierte Seelen von ihrer Apathie und Resignation zu befreien.


Jene Apathie, die still und heimlich sich aller Erwachsenen im Laufe der Jahre zu bemächtigen schien. Jene Resignation, die diese Menschen veranlasste, ihr Herz zu verschließen. Niemand kannte diese schleichende Krankheit genau. Keiner wusste, woher sie kam und was genau sie verursachte. Doch war sie einmal ausgebrochen, gab es, lange Jahrhunderte lang schon, kein Zurück und keine Heilung mehr. Nach dem Ausbruch der Krankheit führten die Betroffenen kein Leben mehr, sondern siechten, in einer Art Dämmerschlaf, mehr oder weniger nur vor sich hin.

Also machten sich vor allem die kleinen, noch jungen Seelen auf den Weg, dieser Krankheit rechtzeitig zu entrinnen. Viele dieser tapferen Seelchen hatten diese merkwürdige Seuche wohl bemerkt: Sie machten die Erwachsenen zu gefühllosen, abwesenden Zombies, vor denen sie sich fürchteten. Also beschlossen sie, niemals zu werden, wie sie. Und waren ihre eigenen Eltern von der Seuche befallen, so schworen sie, alles zu tun, damit diese wieder gesund und munter wurden.

Einige derjenigen, die selbst aus dieser Seuche noch Kapital zu schlagen hofften, machten sich an diese entschlossenen, tapferen, aber verlorenen Seelen heran. Sie versprachen ihnen ein Heilmittel. Sie versprachen ihnen, dass ihre Eltern ganz die alten, liebevollen Erwachsenen werden würden und dass sie zu ihnen zurückkehren würden, wenn...

Ja, wenn...

Die Liste dessen, was sie dafür tun mussten, war endlos. Doch weil die kleinen, tapferen Seelchen so sehr ihre herzensguten Eltern vermissten und so manche Nacht hindurch nach ihnen weinten, blieb ihnen nichts anderes, als am Tag alle diese Bedingungen auf der Liste abzuarbeiten. Das war ihre einzige Hoffnung, dass die Sehnsucht irgendwann gestillt würde. Tief im Herzen hofften  sie Tag um Tag, ihre liebevollen Eltern einstmals gesund und munter wiederzusehen.

Also schufteten und schufteten sie, ohne Pause, ohne Zeitgefühl. Und es vergingen Jahrhunderte, in denen sie nicht alterten und die Arbeit nicht weniger wurde.


Immer gab es jemand, der sie an die Bedingungen erinnerte, die sie sklavisch treu erfüllen mussten. Immer wurde ihnen Hoffnung gemacht. Und immer dann, wenn eine Aufgabe erledigt war, gab es eine neue.

2009 nun kam in meiner Welt erstmalig das Gerücht über das Nifundel auf. Etwas an dieser Geschichte war ganz und gar neu. Denn es hieß, dass man dieses Heilmittel für verschlossene Herzen unbedingt finden musste, wollte man der Seuche entkommen.

Die spannendsten Geschichten kursierten, über Wesen, die das Nifundel gesehen hatten. Manche tollkühnen Erzählungen gingen sogar so weit, zu verkünden, dass selbst das Gerücht, dass das Nifundel gefunden werden muss, nicht wahr wäre. Merkwürdigerweise waren einige von ihnen auf das Nifundel getroffen, ohne es je gesucht zu haben! Doch befragte man jene Zeugen der Existenz des sagenumwobenen Nifundels, was genau es denn sei und wie es anzuwenden war, so konnten sie nichts Rechtes erzählen.

Neugierige Suchende machten sich auf, um mehr darüber zu erfahren und die Augenzeugen zu treffen. Unter anderem auch ich. Und befragte man diese Zeugen näher, so schien es tatsächlich so, als hätten sie keine Sprache, um das Nifundel zu beschreiben. Und doch war das Nifundel bei diesem und jenem tatsächlich aufgetaucht - und, scheinbar unbemerkt, wieder verschwunden. Bei solchen Wesen nämlich, die ohne sichtbaren Grund glücklich waren. So viel war darüber herauszufinden.

Die tapferen, jungen Seelchen nun, die ihrem Herzen von Natur aus so nahe waren und daher so sehr suchten und so viel vermissten, die waren zuerst enttäuscht, als sie allmählich vom Nifundel hörten. Sie waren empört. Sie fühlten sich verraten und verkauft. Sie waren eingeschnappt und störrisch, denn sie fühlten sich ausgenutzt und betrogen, von allen denen, die aus ihrer Sehnsucht Jahrhunderte lang Kapital geschlagen hatten.

Sie fühlten sich egoistisch missbraucht, von allen denen, die ihnen eine gefühlte Ewigkeit lang erzählt hatten: "Wenn du das (für mich) tust, dann öffnen sich die Herzen derer, die du vermisst. Und du wirst zu ihnen zurückkehren und für immer glücklich sein!"


Als sie den Betrug erkannten, begannen die kleinen, treuen, hungrigen Seelchen, ihre Peiniger aus tiefsten Herzen zu hassen. Sie begannen, sich gegen sie aufzulehnen und sie anzuklagen. Sie wollten sich endlich aus ihrem Sklavendasein befreien.

Doch weil niemand wusste, wo genau nun jenes Nifundel, das wahre Heilmittel für verschlossene Herzen, zu finden ist, blieben sie erst einmal dort, wo sie waren. Im Laufe der Jahrhunderte war ihnen ihr arbeitsames Leben nah und vertraut geworden. Die Arbeit und der ungestillte Hunger nach warmherzigen Wesen verhieß ihnen mehr Sicherheit, als die Fremde. Und in diese müssten sie gehen, wollten auch sie ihr Glück mit dem Nifundel versuchen.


Als mir berichtet wurde, das Nifundel sei auf Fulmina Tauri gesichtet worden, verkündete ich es euch. Und einigen zeigte ich den Weg dort hin. Viele von euch haben dort das Nifundel auch gefunden, ohne davon gewusst zu haben. Und viele von euch kehrten mit dem Nifundel zurück, ohne bemerkt zu haben, dass sie es dabei hatten.

Denn das Nifundel kann tatsächlich nie gefunden werden - wie der Name schon sagt! Doch jene, die von ihm heimgesucht werden, kehren nie wieder in die frühere Dunkelheit und Kälte, Depression und Resignation zurück, die sie, trotz aller Fluchtversuche, eben doch eingeholt hatte.


So gibt es in Wahrheit inzwischen nicht mehr nur das Gerücht vom Nifundel, sondern ganz viele warme, leuchtende, prickelnde und unsichtbare Nifundels in vielen von euch. Jetzt besteht keine Notwendigkeit mehr, in die Ferne zu schweifen oder irgendetwas nachzujagen! Ihr habt inzwischen alles jetzt und hier mit euch, was ihr braucht.

Und wenn einer von euch vom Nifundel umfassend gefunden und infiziert worden ist, so ist dieser in der Lage, auch andere Wesen unversehens vom Nifundel infizieren zu lassen. So sei es!

Vorbei ist es, mit allem "Wenn..., dann...!" Vorbei ist alle Quälerei, aller Lug und Betrug und alle vor euch, wie die Möhre vor dem störrischen Esel, her getragene Sehnsucht! Niemand wird mehr aus eurem Leid Kapital schlagen und euch für dumm verkaufen! So sei es.
 

Und wenn das Nifundel in euch sprechen würde und ihr es hören könntet, so würdet ihr es diesen einfachen Spruch sagen hören, der jedem Poesie-Album zur Ehre gereichen würde: "Das allerhöchste Glück auf Erden, ist lieben und geliebt zu werden!" Dessen bin ich sicher. 

Manch einen von Euch wird auch heute noch das Nifundel nach Fulmina Tauri entführen, jenem phantasievollen, gutherzigen Stern, wo das Nifundel einst zum ersten Mal gesichtet wurde. Manch einer von Euch bleibt, mit dem unauffindbaren Nifundel in sich, hier. Das Nifundel erkennt genau, was ihr braucht. So lasst euch jetzt, vom Nifundel selbst, in die Sehnsucht eurer Herzen befreien. So sei es.

Und was die Erwachsenen betrifft? Auch diese kann gelegentlich mal das Nifundel befreien. Doch sie haben es weitaus schwerer, als ihr - ihr jungen, treuen, fleißigen Seelchen!



Die erwachsenen Seelen sind zu anfällig, für alle faulen Versprechungen, die aus dem "Wenn..., dann..." aller kapitalträchtigen Anleihen an ihren Seelen entstehen. Lieber machen sie faule Verträge, für Ansehen, ein gemachtes Nest und ein sanftes Ruhekissen. Und sie sind es, die das Nifundel nie finden, weil sie den Wert des Nifundels nicht ermessen können. Diese Erwachsenen haben vergessen, woran man erkennt, wer es aufrichtig und ehrlich mit ihnen und ihren leidenden Herzen meint.

Ich hoffe sehr, sie verzeihen sich dies irgendwann einmal.

Denn sich selbst alle Irrungen und Wirrungen zu verzeihen, macht das Herz  wieder rein und unschuldig - und damit dem Nifundel zugänglich.

Rein und unschuldig, wie eure Herzen sind - und immer waren!

So rein und unschuldig, wie eure Herzen ab sofort wieder ungetrübt strahlen werden, dank des Nifundels. Und dank des Abschieds von der Jagd nach einem fremdversprochenen, unbestimmten, unerreichbaren "Glück". So sei es!
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Dieser Beitrag ist von Herzen allen, sowohl mir bekannten als noch unbekannten, fleißigen "Fussvölkern" gewidmet (und jenen, die wissen, wer damit gemeint ist). Weil ich von einigen von euch darum gebeten wurde, schrieb ich diese Worte.
Möget ihr alle sofort befreit und glücklich sein.
Möget ihr voller unverbrüchlicher Zuversicht und stets vom Nifundel gesegnet sein.
Möget ihr behütet sein und wachsen und gedeihen!
Und möget ihr einstmals selbst, wie das Nifundel, verschlossene Herzen befreien!
So sei es - und möge es ab sofort für immer so sein!

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