Die Komfortzone verlassen

Vielleicht leben wir oft auf Sparflamme, weil wir unser Leben so bequem eingerichtet haben. Doch das Leben auf Sparflamme ist auf die Dauer unbefriedigend. So steht jeder von uns wieder und wieder an einem Scheideweg, an dem er oder sie sich entscheiden muss, ob er der Bequemlichkeit weiterhin den Vorzug gibt, oder endlich bereit ist, sein Potential bis zur Neige auszuschöpfen.

Für diese Entscheidung ist nicht so sehr relevant, ob wir für oder gegen etwas sind. Vielmehr geht es darum, seiner wahren Identität zuzustimmen. Und um dies zu können, findet innerlich eine Auslese statt, aus all der Vielfalt, die wir in uns tragen.


Vielfältig sind wir alle, mag auch unser gesellschaftliches Bild immer auf Eindeutigkeit und Geradlinigkeit getrimmt werden. In Wahrheit hat jeder von uns sehr viele Seiten. Und manch einer lebt diese in der Breite aus - und ist damit durchaus zufrieden.

Ich persönlich gehöre zur menschlichen Gattung der Arbeitstiere. Und darunter zur Gattung derjenigen, die gerne Löcher in undurchdringbar scheinende Wände bohren. Natürlich meine ich das hier im übertragenen Sinne: Ich lebe weniger in die Breite und in der Vielfalt, als vielmehr als jemand, der seine Kräfte bündelt, um auf ein spezielles Ziel hinzustreben.

Das macht mich innerlich unaufhaltsam ruhelos. Denn die breite Masse entspricht mir nicht: Lieber mache ich eine Sache richtig, nachhaltig und mit großer Kraft - oder gar nicht. Wenngleich mich viele nach außen hin als sehr ruhig, mütterlich, duldsam und liebevoll empfinden, strebt der wichtigste, mich antreibende Anteil von mir unaufhörlich voran. Manchmal mit einer wahrhaft kriegerischen, kritischen und schneidenden Energie. In Momenten, wo ich nicht spüre, in dieser Vorwärtsbewegung begriffen zu sein, fühle ich mich unwohl und unzufrieden.

Ich kann und will nicht stehen bleiben. Deshalb bin ich gezwungen, innere Konflikte, die mich im Stillstand einer Patt-Situation halten, zu lösen. Und dies geht eben nur, indem ich stets von Neuem Entscheidungen treffe und eine innere Auslese beginne.


Manchmal können Situationen des inneren Stillstands oder des Sitzens zwischen zwei Stühlen, nahezu unerträglich lang sein. Dies insbesondere dann, wenn Informationen, Einsichten und Energien fehlen, die mir eine Entscheidung ermöglichen würden. Denn im Entscheidungen treffen bin ich, obwohl voranstrebend, dennoch sehr umsichtig. D.h. ich analysiere und spüre sehr intensiv und tiefgründig in eine Situation hinein, bis der Kompass meines Herzens sehr klar und eindeutig in eine Richtung weist. Ist diese Klarheit und Gewissheit nicht da, harre ich weiter aus, um keine voreilige und unüberlegte Entscheidung zu treffen.

Ich vertraue darauf, dass ein bestimmter Zeitpunkt kommen wird, wo alle Faktoren gegeben sind, die Klarheit und Eindeutigkeit ermöglichen. Und ich  bleibe dann mit einem erstaunlichen Maß an Geduld in der inneren Konfliktsituation, obwohl ich nichts lieber möchte, als wilden Herzens aufzubrechen. Die Kriegerin in mir ist eher bereit, mein imaginäres Schwert zu zücken und mich durch ein Dickicht zu kämpfen, um für meine Entscheidungen einzustehen, als stillschweigend in einer Situation zu verharren, die ich mit meinen Paradigmen und Wahrheiten nicht vereinbaren kann.

Doch die Kriegerin in mir agiert oft hinter den Kulissen.


Gute Entscheidungen zu treffen, die mich vorankommen lassen, erfordert, wieder und wieder die Komfortzone zu verlassen. Und hier tut sich die Gattung Mensch, die auch ein Gewohnheitstier ist, nun einmal spürbar schwer. Nicht nur das, sondern als darüber hinaus soziales Wesen, tendiert ein gutherziger Mensch dazu, andere mit seinen Sichtweisen und Entscheidungen nicht vor den Kopf stoßen zu wollen.

Zugleich liegt aber bei der Spezies der Arbeitstiere und undurchdringbar scheinende Wände Zerstörer noch eine andere innere Anlage vor: Die Neigung, unerbittlich Missstände und Ungerechtigkeiten zu thematisieren. Und dies nicht darum, sich stets wieder die Nase neu an der Wand zu stoßen, sondern um wieder und wieder den Laser an einer Stelle der Wand anzusetzen, bis da hinein ein Loch gebrannt ist, aus der abgestandene Energien entweichen können und frische Luft herein strömen kann.

Ein Konflikt in mir spielt sich schon allein zwischen dem Gewohnheitstier und dem kriegerischen Arbeitstier ab. Nicht zu vergessen das Anstandstier in mir, das andere nicht brüskieren und vor den Kopf stoßen möchte.


Ich bin wieder einmal an diesem Scheideweg, in dem ich mich entscheiden muss, welchen Anlagen in mir ich den Vorzug in diesem Leben geben sollte: Dem Gewohnheitstier, was so gerne in seiner bequemen Komfortzone verharrt, in der alles watteweich, sicher und geruhsam erscheint. Jene Komfortzone, die auch bereitet wurde, damit das Arbeitstier und die Kriegerin in mir ausruhen und erholen kann. Oder ist das anständige Frauchen in mir wichtig, die weiterhin die Wahrnehmung der ruhigen, lieben, duldsamen und mütterlichen Seite in mir den Vorzug gibt? Diese Wahrnehmung von mir scheint bei anderen Menschen derzeit noch zu dominieren.

Ich befinde mich am Scheideweg, weil mein kriegerisches, vorwärtsdrängendes Ich so wenig aktiv sein darf. 

Zu dieser Klarheit und Gewissheit zu gelangen, erforderte viel Zeit. Viele Jahre, um genau zu sein. Lange habe ich mit anderen Optionen gespielt, ohne mich recht festlegen zu können. Ich habe den wichtigsten Anteil in mir wohl gesehen, auch erstarken sehen. Doch mich ganz rückhaltlos zu dieser Seite in mir zu bekennen, die andere manchmal recht rau und unerbittlich aus der Komfortzone lockt und darin die größte Hingabe und Kraft entfaltet... das wollte ich nicht. Denn diese Seite sorgt dafür, dass unbemerkt unter der Oberfläche vor sich hin siedende Konflikte plötzlich sichtbar werden und manchmal zur Explosion gelangen. Diese Seite sorgt dafür, dass innere Kriege, die verdrängt wurden, im Inneren plötzlich offen zutage liegen.

Die gute Seite daran ist - und nur diese Seite ist für mich interessant und wichtig: Weil diese inneren Schlachtfelder nun nicht mehr verborgen sind, können sie betrachtet, beschritten und befriedet werden. Weil diese Konflikte nun dem Bewusstsein zugänglich sind, können auch andere zur Auslese dessen übergehen, was nicht wirklich ihrem innigsten Wesen entspricht. Und anhand dessen können diese Wesen klare Entscheidungen treffen und ihren Weg, der vielleicht schon lange unerträglich stagniert, erleichterten Herzens weiter gehen.

Die gute Nachricht daran ist: Ein jeder möchte auf dem Weg sein. Alle Menschen, alle Wesen, sind dazu bestimmt, sich weiterzuentwickeln. Nur ein jeder in seine ganz spezifische Richtung, in seiner ganz persönlichen Gangart und Geschwindigkeit. Zu lange in einem Zustand ohne Entwicklung zu verharren ist unnatürlich, ungesund und macht unglücklich. Jemandem also Fortschritt zu ermöglichen, indem man ihn aus Zuständen der Stagnation holt, ist ein Akt der Liebe und des Wünschens von Glück.


Die schlechte Seite oder Nachricht daran ist: Nicht jeder entwickelt sich gerne oder freiwillig, wenn dies bedeutet, durch Schwierigkeiten und Konfliktsituationen zu gehen. Und manch ein Wesen, dem ich sein inneres Schlachtfeld sichtbar mache, reagiert nicht gerade freundlich darauf.

Dass andere mir gegenüber aggressiv oder negativ reagieren, weil ich sie aus ihrer Komfortzone schubse, ist unangenehm für meine Komfortzone. Und aufgrund meiner Komfortzone vermeide ich deshalb allzu oft, in meinem wahren, vorwärtsdrängendem Wesen zu sein. Und aufgrund meines erlernten Sinnes von Anstands, halte ich mich oft dezent zurück und im Hintergrund und mische mich nicht ein.

Mein wahres Herz jedoch lechzt danach, einfach geradlinigsten Weges auf die Sache, die ich als unhaltbar empfinde, zuzugehen und direkt und unverblümt das Unhaltbare anzusprechen.

Ich tue es oft genug auch nicht, weil ich eine Frau bin. Und weil mich alle gern weiterhin als lieb, freundlich, duldsam, aufmerksam und mütterlich sehen wollen. Weil sie sich nicht vorstellen können, dass ich manchmal sehr scharf und kritisch sein kann und um keinen verbalen Schlagabtausch verlegen bin. Weil ich befürchte, dem Gegenangriff eventuell nicht gewachsen zu sein und meine Komfortzone die Vorstellung der Empörung und Niederlage nicht zulässt.

So lebe auch ich auf Sparflamme. Ich fühle oft den Selbstbetrug daran, zugleich habe ich aber auch tausend aufzählbare Gründe, daran nichts ändern zu wollen. Dass diese nicht stichhaltig bleiben, wenn ich  mich mit der mir eigenen Verstandesschärfe und Analysefähigkeit sowie vollen Herzblutes an deren Überprüfung mache, das ahne ich wohl.


Das ahne ich wohl, aber... Wer kennt das nicht, dass das Wörtchen "Aber" alles zunichte macht, was vor dem "Aber" gesagt wurde?

Entscheidend ist, was denn eigentlich nach dem "Aber" käme. Und insofern ich "käme" schreibe, so weiß ich wohl, dass danach eben nichts Stichhaltiges mehr kommt. Das "Aber" hängt derzeit im luftleeren Raum, im Vakuum. Und dort soll es auch bleiben.

Ich nähere mich der eingangs erwähnten Klarheit und Gewissheit, die Entscheidung möglich macht: Es gibt kein "Aber" zu meinem wahren Ich. Es gibt nur erlernte Wahrnehmungs- und Beurteilungsweisen, die sich wie ein Schleier, manchmal sogar wie eine Schraubzwinge um mein wahres Herz legen und ein Vorankommen unmöglich machen.

Die erlernten Wahrnehmungs- und Beurteilungsweisen sorgen dafür, dass ich mich in einer Stagnation fühle und mein wildes, voranstrebendes Herz nicht bis zur Neige auskosten kann.


Dazu gehören Vorurteile, wie ich wohl wäre und wie andere mich wohl wahrnehmen, wenn ich ganz und gar ich bin. Und diese Vorurteile sind negativ dominiert. Obwohl erfahrene Kriegerin im Geist, scheue ich den Konflikt mit anderen.

Ich will es kuschelig haben, obwohl mich diese Gemütlichkeit auf die Dauer langweilt. Ich ziehe mich zurück, um alte Wunden zu pflegen und sogar von neuerlichen Wunden bewahrt zu bleiben. Doch will das Arbeitstier in mir lieber sich die Hände blutig arbeiten, anstelle in irgendeiner gut temperierten Glas-Vitrine eine gute Figur zu machen. In Wahrheit aber ziehe ich mich zurück und versuche, daran zu arbeiten, eine gute Figur zu machen.

Ich spreche sehr diplomatisch freundlich, um andere nicht zu verletzen, zugleich aber sehe ich klar und deutlich, dass diese Freundlichkeit an manchen Stellen falsch ist, weil sie zugleich das Aufrechterhalten veralteter Strukturen bedeutet. Und das eintönige Verharren in diesen alten Strukturen deprimiert mich dann zu Tode.

Eigentlich bin ich dazu bestimmt, genau diese zu dicken Wänden erstarrten Strukturen verbal und geistig einzureißen. Das spüre ich. Doch ich tue es nicht.


Ich bin dazu bestimmt, anderen auf die Nerven zu gehen, wenn sie sich um ihren Fortschritt betrügen. Doch ich tue es nicht. Manchmal schon, aber nicht immer, wenn es doch eigentlich spürbar angebracht wäre.
Was für eine zum Himmel schreiende Inkonsequenz, mir selbst gegenüber!
Ab sofort muss damit Schluss sein. Denn wann immer ich nicht in meinem wahren Wesen stehe, habe ich kein Recht zum Mitreden.
Wer bin ich denn, dass ich vom Leben des innigsten Herzens rede, wenn ich vor mir selbst zurückscheue? Und wer wäre ich, wenn ich es ab sofort nicht mehr täte?

Genau darauf kommt es an: Auf das Verlassen der Komfortzone.

Ja, ich will.









Kommentare

  1. Wer mit weitem Herzen die Komfortzone verlässt, der tut gut daran die Dosis seinem Vermögen und dem Vermögen der Anderen anzupassen. Die Menschen dort abzuholen, wo sie stehen, öffnet deren Herzen (möglicherweise) eher für Neues. Beharrlichkeit ist meine Antwort darauf, wenn Menschen überfordert sind, die ihr eigenes Tempo und ihren eigenen Weg gehen, nur sie sollten "GEHEN" in jeder Lebenslage.

    Herzlichen Gruß aus dem Oberfränkischen
    Beate

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    1. Liebe Beate,

      mir geht seit heute morgen, als ich deinen Kommentar freigab, eine Frage nach, die ich jetzt gerne teilen möchte: "Ist es möglich, auf das Vermögen der Anderen einzugehen?" Und eine Frage, die dieser folgt: "Wenn sich jemand dadurch überfordert fühlt, wo ich gerade stehe oder gehe - welche Gründe kann das haben?"

      Das sind zwei Fragen, an denen ich in den letzten Jahren schon oft gestrandet bin, bevor ich mich entschloss, weiterzugehen.

      Mit folgenden Gedanken bin ich weitergegegangen:

      Das Vermögen der Anderen, mit meiner Wahrnehmung der Komfortzone konform zu gehen und mit meinem Verlassen derselben, kann ich in den seltensten Fällen aus ihrer Position beurteilen. Vor allem dann nicht, wenn ich die Person kaum kenne. Das hat ein bisschen mit Realativitätstheorie zu tun, wie sie Einstein formulierte. Darauf machte mich gestern erst eine Freundin aufmerksam, als sie im übertragenen Sinne ein Zitat Einsteins aufgriff: Eine Stunde mit der Liebsten oder dem Liebsten kann einen wie eine Minute vorkommen. Wenn man hingegen auf der heißen Herdplatte sitzt, dann erscheint einem eine Stunde wie eine Minute.

      Was also an dem, was ich erlebe, ist für mich (im übertragenen Sinne) die heiße Herdplatte und was wie eine Stunde mit einem mir lieben Menschen? Das kann von Mensch zu Mensch verschieden sein. Und so meine ich, dass ich auf das Vermögen anderer schon deshalb nicht wirklich eingehen kann, weil unsere Wahrnehmung verschieden und von ganz unterschiedlichen Eindrücken im Geist gefärbt ist.

      Dennoch versucht jeder von uns im zwischenmenschlichen Austausch, etwas über die Wahrnehmung des anderen zu erfahren und diese zu verstehen. Und das daraus resultierende Verständnis der Situation, Sichtweise und den daraus getroffenen Entscheidungen ist wiederum stark vom eigenen Erleben geprägt.

      Was ich also am deutlichsten wahrnehme, ist alles in mir. Und (nur!) aus diesem Erleben heraus kann ich offenen Herzens handeln. Was ich für richtig halte, als gerecht und angemessen empfinde - danach handele ich. Und dies schließt ein, dass ich mein Gegenüber offenherzig wissen lasse, wenn er sich, meiner Wahrnehmung nach, gerade auf der heißen Herdplatte befindet. Nur diesem Anderen dies nicht zu sagen, weil er mir die ganze Zeit signalisiert, dass dem nicht so ist, wäre für mich quasi unterlassene Hilfeleistung.

      (...)

      Löschen
  2. (...)

    Ich habe schon oft in meinem Leben genau dies nicht getan, sondern manches Mal sogar aus Rücksichtnahme mit diesem Anderen dort weiter auf der heißen Herdplatte verbracht. Obwohl alles in mir sagte: "Das ist so nicht richtig." Und wenn dann das Schlimmste eintrat, was ich befürchtet hatte und dem Anderen gerne erspart hätte, habe ich bereut, es nicht getan zu haben.

    Mein Herz offen zu halten, bedeutet also ebenfalls, es spontan und offen auszusprechen und meine Wahrnehmung offen zu teilen. Egal, ob es sich um etwas Positives oder scheinbar Negatives handelt. Ob der anderen dies dann annimmt oder nicht, diese Entscheidung liegt natürlich ganz beim Anderen. Und so muss es auch sein - das gebietet der Respekt vor dem Anderen.

    Von Fall zu Fall kann es vorkommen, dass sich Wege eben auch trennen, weil die Wahrnehmung, die Schrittgeschwindigkeit, die Paradigmen und der Weg nicht konform gehen. Und das ist richtig so. Ein Verrat am Herzen wäre es jedoch, weiter dort (auf der Herdplatte) zu verharren, nur weil ich meine Konfortzone nicht verlassen will. Nur, weil ich befürchte, der Andere könnte auf meine Sicht rüde reagieren.

    Mitunter meint "Komfortzone" eben auch, Veränderung zu wollen und darüber zu jammern, dass es keine gibt. In einem ganz anderen Blickwinkel betrachtet (Re-Framing), kann sich jedoch herausstellen, dass die gewünschten Alternativen offen zutage liegen, der Andere nur nicht in deren Umsetzung investieren will...

    Überforderung, in diesem Kontext betrachtet, stellt sich dann schnell als pure Bequemlichkeit oder Angst oder Trägheit heraus. Und dies offen anzusprechen und nichts zu beschönigen, kann Hilfe und Erlösung sein.

    Das dachte ich mir, während ich deinen Kommentar las und ihn den Rest des Tages in mir bewegte. Und das wollte ich gerne teilen.

    Ich wünsche dir eine gute Zeit in deiner "alten Heimat" Deutschland.

    Liebe Grüße
    Josephine

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  3. Liebe Josi,
    unter Komfortzone verstehe ich die Bequemlichkeit des Daseins zu akzeptieren, obwohl ich meine Träume wahrnehme und auch die darausfolgende Lebensvision. Der Fortgeschrittene aber hat es irgendwann erkannt und übt sich in Wachsamkeit, damit er diese Komfortzone(-n) überwindet.
    Der liebe Einstein hat durch seine Relativitätstheorie bewiesen, dass der Raum sich krümmt. Wenn der Raum sich krümmt, kann das davon abhängige Element Zeit auch unterschiedlich gemessen = wahrgenommen werden. Also, bei jedem - aber wirklich jedem Individuum! - tickt die (innere) Uhr anders! So verstehe ich das. Daher geht jeder auf seinem Lebensweg mit unterschiedlicher Geschwindigkeit voran und das soll gemäß dem Naturgesetzt auch so bleiben. Wenn wir nicht wachsam genug sind, dann verleben wir unser Leben, also, leben wir einfach so in den Tag hinein, bis das nächste Leben eintritt usw. Was ist wenn ich diesen (Lebens-)Weg bewußt abkürzen möchte und die Geschwindigkeit erhöhe?! Dann muss ich meine Komfortzone-(n) verlassen, und zwar immer wieder, bis ich die Vollkommene Freiheit erlangt habe, bzw. von allen Zwängen frei geworden bin!. Also, die Komfortzone zu verlassen bedeutet für mich in Umkehrschluss mehr ENERGIE, mehr von mir SELBST, als von den anderen und deren Zwängen. Aber, keine Angst: ich persönlich bin auch noch so weit, ich bin mir vielen inneren Abhängigkeiten bewußt. Das ist schon mal die halbe Miete!
    In Liebe Deine Jampa

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  4. Liebe Jampa,
    danke für deine Worte.

    Ja, was dem einen zuviel ist, kann dem anderen notwendiger Fortschritt sein. Und genau so betrachte ich mein Leben auch und verallgemeinere meinen Anspruch nicht.

    Du sprichst ein wichtiges Thema an: Das nächste Leben! Dem Buddhisten ist es wichtig, sich bewusst zu machen, dass so gute Umstände für Persönlichkeitsbildung für das nächste Leben nicht garantiert sind. Also heißt das, in diesem Leben Gas zu geben.

    Ich sehe das genau so wie du, dass es dafür hinderlich sein kann, sich von den Sichtweisen anderer abhängiger zu machen, als vom eigenen Herzen. In diesem Herzen ist soviel Großzügigkeit und gute Wünsche für andere drin, die von allzu viel Zweckdenken, das vom bereits Vorhandenen ausgeht, eingefroren wird. Meiner Meinung nach kann man nicht großzügig genug denken, denn das Leben stutzt uns von allein die Flügel. Je weiter wir bis dahin unbeschadet geflogen sind, desto besser.

    Mir gefällt es nicht, mich mit dem Gegebenen zufrieden zu geben, wenn ich es noch besser machen könnte und akzeptiere nicht, wenn mir jemand beibringen möchte, dass es nicht anders geht. Das finde ich dann schon selbst heraus. Manchmal kommt es mir so vor, als wollten mich manchmal Menschen dazu anhalten, mich gerade nicht weiter zu entwickeln, weil sie sich ein Verlassen der Komfortzone nicht vorstellen können. Manches Mal zögere ich aber auch lange selbst, bis der Knoten wieder platzt.

    Ich wünsche dir immer ausreichend Wind in Rücken, der dich über die Grenzen deiner unsinnig gewordenen Komfortzonen weht. Und sollte er mal fehlen, so bin ich ja nicht weit, um dir kräftig auf die Zehen treten. Das weißt du ja. Schön, dass wir die Möglichkeit haben, uns gegenseitig zu motivieren und in unserer Wahrnehmung zu stützen.

    Alles Liebe,
    die andere Jampa

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    1. Liebe Josi,
      ich denke an viele andere Orte dieser Welt, wo so vieles nichst selbstverständlich ist: Freiheit zu denken und zu leben, was man/frau will! Allein diese Freiheit erlaubt mir, nein, es verlangt von mir, so weit (innerlich) zu gehen, wie es nur möglich ist! Ansonsten bist du nur um deine Freiheiten am Kämpfen, statt dich weiter zu entwickeln. Diese Dinge gehen mir oft durch den Kopf auch bei der Arbeit, wenn mir Zickigkeit oder Streit um Kleinigkeiten begegnet, lasse ich diese absurde Dinge am besten durch mich durchgehen... Diese Übung allein hat einige Jahre in Anspruch genommen. Verstehst du, es gibt so viele gewollte und ungewollte Ablenkungen, die uns wichtig erscheinen. Aber mein Inneres, mein persönliches Glück, meine Irdisches und mein Höheres Ich fordern von mir Fortschritte, um jeden Pres der Bequemlichkeit!
      Übrigens, sollte es gemeint sein bei Einstein - eine Minute auf dem heissen Herd kommt dir so lang wie eine Stunde?
      Bis dann, Deine Jampa

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  5. Liebe Jampa,

    mit dem Beispiel mit der Minute hast du vollkommen recht, natürlich ist es so richtig, wie du es schreibst. Vielen Dank.

    Wie du weißt, bin ich ganz bei dir: Das Land, in dem wir leben, bietet viele kostbare Freiheiten. Ebenso viele, wie Ablenkungen. Gerade deshalb ist mir wichtig, extrem darauf zu achten, welche Bindungen und Kopromisse ich eingehe. Sonst sind die Freiheiten sehr schnell dahin. Und aufgrund der Vielfalt, die aus den Freiheiten für alle erwächst, ist es selten möglich, die Sichtweisen anderer immer einzubeziehen, geschweige denn, die eigene verständlich zu machen.

    Manchmal ist es zielführender, Nichtigkeiten zu ignorieren oder durch das eigene Herz gehen zu lassen und den inneren Focus zu halten. Das auf eine liebevolle Art zu tun, um es zu befrieden unf aufzulösen, anstelle Stellung zu beziehen, ist dabei wichtig und die höchste Übung.

    Möge sie uns immer besser gelingen.

    Herzlichst,
    Jampa

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