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Es werden Posts vom 2015 angezeigt.

Wenn alles erlaubt ist, was menschlich ist...

Wenn Meditation wirklich fruchten soll und uns tatsächlich mit unserem Inneren authentisch in Kontakt bringen soll, dann brauchen wir einen Schutzraum, in dem alles erlaubt ist. Ich brauchte viele Jahre, um mir diesen Raum wirklich vorbehaltlos zu gewähren.

Von diesem Moment an, wo ich diesen Raum zuließ, begann sich meine Welt komplett zu verschieben: Ich driftete weg von meinem jahrelangen, mich quälenden Bemühen, den Ansprüchen meines Umfeldes, der Familie, der gesellschaftlichen und kulturellen Erwartungen zu genügen - hin zu einem unersättlichen Wunsch, mir grundlegendes Gutsein und grundlegende Gesundheit zu erlauben sowie andere dazu zu ermuntern. Und von dieser Grundlage aus gestattete ich mir auch irgendwann eine gänzlich andere Idee davon, wie mein Leben zu verlaufen hat. Mit diesem Ankommen bei mir, stellte sich zunehmende innere Leichtigkeit ein.


Meine Voraussetzungen, unter denen ich Kind war, waren sehr weit entfernt davon. Dass dies nicht anders sein konnte, reicht weit…

Das Maß aller Dinge

Das Maß aller Dinge ist unser inneres Erleben. Nicht die äußeren Gegebenheiten und Stimuli sind entscheidend dafür, wie wir etwas wahrnehmen oder wie wir das Wahrgenommene deuten. Allein unser inneres Erleben, unser  Denken und das Verhältnis zu den diesem Denken zugrundeliegenden Empfindungen, unsere Erfahrungswerte, unser verinnerlichtes Wissen sind das Maß, mit dem wir jedes äußere Erleben messen. 

Dies für mich erkannt und verstanden zu haben, ermöglichten mir langjährige Meditation und die Grundlagen des Buddhismus. Sicher wurden grundlegende Fragen zur menschlichen Wahrnehmung auch in philosophischen Kursen abgehandelt, die ich in der Universität besuchte. Doch wirklich zu begreifen, was das für mich, mein Leben, meine Werte und meinen Anspruch an mich und ans Leben bedeutet, lernte ich nur im Eigenversuch. Und Zutrauen in diesen Selbstversuch fasste ich durch buddhistische Grundprinzipien.

Ich schrieb im letzten Beitrag, dass ich dem Buddhismus und Meditation verdanke, dass es &q…

"Cross the border, close the gap"

Heute kommt der Titel meines Blogs nicht von mir, sondern von Leslie Fiedler, der einst die literarische Postmoderne ausrief. Und die Postmoderne spielte eine große Rolle für mich, als ich Literaturwissenschaft und Kulturwissenschaften studierte. Selbst wenn die sogenannte Postmoderne meines Wissens nicht allzu viel Folgen hatte, so hinterließ sie doch Spuren in meiner Welt.

Gerade dieser programmatische Titel hat sich im Laufe der Zeit quasi zu meinem Lebensmotto entwickelt. Unwillentlich, aber stetig. Und so platziere ich ihn hier, weil er einem Aufruf ähnelt, einer Ermunterung an mich selbst, beim status quo nicht stehenbleiben zu wollen
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Nachdem ich vor etlichen Jahren mein Studium beendete, stürzte ich in eine herbe Identitätskrise. So sehr ich gehofft hatte, dass ich im Zuge des Studiums die Orientierung finden würde, die meinen Lebensplan offenbaren und mich entschlossen dem Horizont entgegen gehen lassen würde, so sehr entpuppte sich das ganze Gegenteil.

Teil meiner Welt ist s…

Das persönliche Drama und der Weg

Das, was uns am meisten im Leben motiviert und zugleich Leiden schafft, gründet meiner Wahrnehmung nach in einem ganz persönlichen Drama. Selbst wenn wir uns hehren Zielen widmen, tun wir das aus persönlich schmerzhafter Erfahrung. Gerade dann bleiben wir hartnäckig dabei und sind bereit, trotz vieler Hindernisse den Weg zu unserem Ziel hin, fortzusetzen.

Ich versuche sehr sachlich meinen Weg zu gehen, versuche mich nicht allein von den Folgen eines emotionalen Disasters leiten zu lassen und die ausgewogene Mitte zu finden. Doch gerade dann, wenn ich meinen Herzensweg ein wenig aus den Augen verliere oder von ihm abgelenkt werde, obwohl ich das nicht möchte, spüre ich die Rückkehr des Dramas. Und das ist gut so.

Denn weil ich litt und immer noch leide, traf ich die Entscheidung zu meinem Herzensweg. Und weil ich litt und leide, wünsche ich so sehr, den Herzensweg zum Ende meines Leidens durchzuhalten, komme, was wolle. Und weil ich Leid so gut kenne, wünsche ich, niemand leiden zu se…

Der "Guru" und ich

Vor genau 16 Jahren habe ich Zuflucht genommen. Ich erinnere mich noch an diesen Moment, als ich mit mehreren anderen im Zimmer meines Lehrers saß, um die Zufluchtsformel zu sprechen. Aufgeregt und glücklich war ich, als ich mit Feuereifer mich dreimal vor dem Altar meines Lehrers niederwarf.

Ich schmiss mich mit gefalteten Händen auf die Knie, bevor ich mit der Stirn den Boden berührte. Und weil ich mich beim in die Knie gehen nicht mit den Händen abstützte, verursachte ich einen irritierten Blick bei meinem Wurzellehrer. Meine Knie waren mir egal - und ich merkte erst später, dass alle anderen das anders gemacht hatten.


Diese Inbrunst, mit der ich damals Zuflucht nahm, kennzeichnete meine ersten Jahre mit dem Buddhismus. Und ebenso die Unsicherheit, die ich spürte, wenn ich den Blick meines Lehrers auf mir mit einer besonderen Aufmerksamkeit ruhen spürte. Sofort analysierte ich, was ich denn falsch gemacht hatte, dass er mich jetzt so musternd ansah... Ich hatte zutiefst gelernt, da…

Halt die Klappe!

Wir haben alle unterschiedliche Toleranzbereiche. Und diese Toleranzbereiche ändern sich ständig, je nachdem, was wir für Erfahrungen machen. In diesen Toleranzbereich fällt, was wir an Meinungen, Einstellungen, Weltsichten akzeptieren können, ohne uns davon in unserer Existenz und Einstellung bedroht zu fühlen. Alles andere lehnen wir kategorisch ab.

Je toleranter und weltoffener wir sind, desto stabiler in unserer Persönlichkeit sind wir in der Regel auch. Selbstunsicherheit führt dazu, dass wir weitaus weniger abweichende Einstellungen akzeptieren, als jemand, der sich aufgrund innerer Gewissheit über sich und die Welt nicht so leicht umwerfen lässt.

Dies im Hinterkopf habend, bin ich der Ansicht, dass der spirituelle Weg hin zu Offenheit und Weite auch stets stark gekoppelt ist, an die Arbeit an der eigenen Person, an der Selbst- und Fremdwahrnehmung und den eigenen Kräftehaushalt. Sind wir beispielsweise erschöpft, flüchten wir uns in die eigene Welt, stecken die Grenzen des Er…

Die Schwere in meinem Herzen

In meinen Augen ist der tibetische Buddhismus in Deutschland zu einem selbstreferenziellen System geworden - rein nach den eigenen, gewohnten Strukturen vielleicht sogar weltweit. In den Ländern, wo das Geld sich leichter für buddhistische Zentren generieren lässt, werden sie groß aufgezogen. In anderen hingegen, dümpelt die Institution "Dharmainstitut" leise vor sich hin, irgendwo, am Rande des ständig drohenden Ruins.

Ich habe mir stets mehr davon erhofft und erwartet. Sehe ich das einmal ganz pragmatisch, so sollte ich mir eine andere Religion suchen, die eher meinen gesellschaftlich-sozialen Ansprüchen genügt. Das aber gelingt mir nicht. So sollten alle diejenigen, die meines Jammerns müde sind, sich lieber jetzt als später entschließen, diesen Beitrag nicht weiter zu lesen. Ansonsten erleben sie ein unwillkommenes Déjà-vu an Kritik.

Einige halten meinen kritischen Blick vielleicht für ein Jammern auf hohem Niveau. Ich hingegen bin der Meinung, dass der Buddhismus, wie e…