Die Rast und der lange Atem

Keine Reise geht ununterbrochen. Irgendwann wird es Zeit, inne zu halten, zu regenerieren, die Vorräte zu kontrollieren. Und vielleicht, wenn es notwendig ist, die Reiseroute ein wenig zu korrigieren.

Manchmal gibt es auch so etwas, wie das retardierende Moment, wo man sich kurzzeitig in einer wiederkehrenden Schleife befindet. Und so kommt es, dass ich heute hier schreibe, während ich wenige Wochen zuvor beschloss, es voraussichtlich nicht mehr zu tun.


Ich startete voller Zutrauen in die neue Richtung, nun voller Enthusiasmus und Gewissheit, dass ich neu Fahrt aufnehmen werde, mit frischen Wind im Rücken, der mich mühelos den Weg voran treibt. Doch letztlich bleibe auch ich immer wieder in meinen alten Mustern hängen und beobachte mich dabei, wie ich mich im Kreis bewege.

Als Resümee zum Jahresende soll nunmehr auch eine wichtige Zutat Erwähnung finden. Niemals wollte ich den Eindruck erwecken, dass ich allein aus eigener Kraft den Weg in jedem Falle zu Ende gehen werde. Eingebunden sind wir in viele Umstände, die sich unserem direkten Einfluss entziehen. Und manchmal kann man so klar die eigenen Herzenswünsche sehen - und ebenso klar den Mangel an günstigen Umständen.

Beides existiert derzeit parallel in meiner Wahrnehmung: Wünschen und Wollen vs. Gelegenheit und Umstände. Ich bewege mich nur minimal und mühsam voran. Gefühlt bewege ich mich gar nicht. Es ist, als duldete ich mein Leben und die Abwesenheit der Erfüllung meiner Herzenswünsche.


Anders gesagt: Mein Herzenswunsch bedeutet viel Arbeit. Das ahnte ich immer und so drehe ich Schleifen, weil ich versuche, einen leichten, kurzen, ergebnisorientieren Weg zu finden. Einen Herzenswunsch zu verwirklichen, ist jedoch ein Prozess. Und ich will das Ergebnis aber leichten Herzens sofort.

Zeitschleifen sind also Prozesse, in denen sich ein Teil von uns der Realität entziehen möchte, oder dazu neigt, aufgrund der sich ankündigenden Mühen und der Notwendigkeit, umzudenken, auf die Verwirklichung des Wunsches lieber zu verzichten. Wir sehen, dass etwas anders läuft, als wir willens sind, zu leisten. Plötzlich findet sich hunderte von scheinbar stichhaltigen Begründungen, warum es richtig ist, unter diesen Umständen den Wunsch aufzugeben.

Das Drehen im Kreis wird um so spürbarer und unangenehmer, je mehr man eins mit seinem persönlichen Weg geworden ist. Auf der einen Seite weiß ich genau, dass kein Weg an der Verwirklichung des Wunsches vorbei führt, es sei denn, ich verrate mein Herz. Und als jemand, der sein Herz immer vermisst und nun gefunden hat, ist es unmöglich, sein Herz zu verraten.

Auf der anderen Seite wird mein Vertrauen in mein Vermögen herausgefordert: Schaffe ich das, obwohl alles auf harte Arbeit hindeutet und ich mich jetzt schon hoffnungslos überfordert fühle?

Und so ist die Frage berechtigt und angebracht: Hängt denn wirklich alles an mir?


Ob die Antwort auf diese Frage eine gute oder schlechte Nachricht ist, hängt jetzt ganz vom derzeitigen Standpunkt ab. Fakt ist: Nein, so, wie mein Weg bis hierher nicht allein von mir abhing, so hängt auch die Erfüllung des Herzenswunsches nicht allein von mir ab. Sie ist abhängig von der gütigen Unterstützung durch andere, durch gute Umstände, durch den richtigen Proviant, durch ein günstiges Reiseklima.

Und wenn die Zeichen derzeit nicht locker flockig günstig stehen, so gilt es, auszuharren, von meiner Seite aus das Beste zu tun und darauf zu vertrauen, dass ich zur rechten Zeit, am rechten Ort das richtige tun  und die rechte Hilfe finden werde. Deshalb schrieb ich, dass keine Rolle spielt, wie lange es dauert, bis sich die wahren Herzenswünsche erfüllen.


Ich setze mich derzeit unter Druck und drehe mich dadurch hoffnungslos im Kreis. Denn das habe ich zutiefst verinnerlicht: Wenn sich meine Wünsche nicht erfüllen, liegt das allein an mir. Und das ist eine ungütige Denkgewohnheit.

Die Zeichen stehen oft nicht günstig. Die Macht der Einflüsse, denen wir in dieser Gesellschaft unterworfen sind, ist massiv und hartnäckig Druck erzeugend. Sich immer wieder aus diesem Druck herauszunehmen, auf Distanz zu gehen, sich seines Herzens zu versichern und dieses nicht aufzugeben, ist ebenfalls harte Arbeit. Daher ist es wichtig, sich für die Erfüllung der Herzenswünsche keine Deadline zu setzen.

Egal, wie alt du bist: Manchmal kommen die Umstände für die Erfüllung eines Herzenswunsches unvermutet zustande. Meistens dann, wenn du am wenigsten damit rechnest. Meistens sogar dann, wenn du die Hoffnung schon fast aufgegeben hast. Und in diesem Moment wirklich absolut locker zu lassen, dich in die Gelegenheit hinein zu entspannen und auf die Resonanz deines Herzens zu achten, ist fundamental.

Und letztlich lebt und stirbt dieses kostbare Zusammentreffen dann nur noch mit deinem Wollen oder dem Versagen. Dass du zutiefst "Ja" sagst, mit allen Konsequenzen, oder dass du dir selbst die Erfüllung deines Wunsches versagst. Dass du beschließt, dass du nun zu alt bist und die Erfüllung zu spät. 


Soll ich dir was sagen: Ich bleibe dabei, dass Herzenswünsche in Erfüllung gehen müssen, will ich meinen Pfad bis zu Ende gehen. Sie verkörpern das eigene Wohl, welches vollendet sein muss, neben dem Wohl der anderen. Es geht nicht, das eigene Wohl zu überspringen, will man zum Wohle aller das höchste Ziel erreichen.

Und wenn ich also erkenne, dass die Erfüllung meines Herzenswunsches naht,  womöglich unter unerwarteten Bedingungen, so werde ich diese Bedingungen nicht in Frage stellen, sondern von Herzen "Ja" sagen. Denn nichts ist mühsamer, als sich selbst so unvollkommen zu fühlen, wie jeder sich fühlt, dessen Herzenswünsche unerfüllt blieben.

Der eine Herzenswunsch (von zweien) also, der mich veranlasste, nicht mehr zu bloggen, erfordert jede Menge Arbeit. Unerwartete Arbeit, die notwendig ist, um mein eigenes Wohl zu vollenden. Bin ich bereit, da hinein zu investieren, komme was wolle?

Die Wahrheit ist: Ich drehe mich im Kreis, weil ich zögere. Weil ich mir das weiterhin nicht zutraue, obwohl ich mir selbst eingangs die Erlaubnis dafür gab, es mir zuzutrauen.

Die Wahrheit ist: Jetzt entscheidet sich, ob ich meinen eigenen Einsichten treu bleibe, oder kneife. Und das sind die wahren Herausforderungen im Leben, die mich weit über mein bisheriges Ich mit allen Begrenzungen hinaus führen. Und das macht nun einmal Arbeit.

Diese Arbeit aber will ich leisten, weil nur sie dazu führen wird, dass ich irgendwann reif genug bin, vom gewünschten Nutzen für andere zu sein. Diese Arbeit will ich leisten, egal wie lange sie dauert.

Egal, wie lange die Erfüllung meiner Herzenswünsche dauert: Sie sind der Pfad, der in mein Herz geschrieben steht und niemand auf dieser weiten Erde sollte allein die Umstände dafür verantwortlich machen, ob er oder sie sich die Erfüllung ihrer Wünsche gestattet. Und ebenso wenig sollte er oder sie die Notwendigkeit günstiger Umstände vergessen, wenn es um die Verwirklichung der eigenen Wünsche geht.

Sich irgendwo inmitten dessen gesund zu positionieren, beschert den langen Atem, den unser Leben manchmal von uns zu fordern scheint. Und richtige Antwort auf die Herausforderungen des eigenen Lebens kann niemals sein, auf seine Wünsche zu verzichten, denn dies bedeutet, sich zum Märtyrer zu machen.


Günstige Umstände: Ihr seid mir willkommen!

Spontane Gelegenheiten für das Erfüllen meiner Wünsche: Ihr seid mir willkommen!

Notwendige Arbeit für das Erfüllen meiner Wünsche: Du bist mir willkommen!

Und wenn keines von diesen dreien im Moment gegeben ist, so harre ich aus, bis der Wind sich dreht und erweise mir die Güte und das Vertrauen, genau darin bereits sehr geübt zu sein!


Ich versuche gerade, mit einer Vogelfeder einen Felsen abzutragen, will mir scheinen. Woran erinnert mich (oder euch) das? :-)

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