Hallo Echo... ?

Einen Stolperstein gibt es noch, der der Erwähnung wert ist: Wenn du dein Herz zu leben und nach außen zu manifestieren beginnst, wirst du sehr selten auf ein Echo stoßen. Dein Herz wird strahlen und andere berühren, du wirst viel Herzblut an andere geben, weil das dein Herz befreit. Sehr selten wirst du auf ein Herz treffen, dass die Impulse deines Herzens sofort erwidert.

Das ist im ersten Moment keine positive Nachricht, nicht wahr? Dies wirklich an sich heranzulassen, hat etwas zutiefst Entmutigendes. Auch ich fühlte mich jahrelang deswegen nicht sonderlich glücklich. Wenn dies aber unserer augenblicklichen Situation entspricht, dann gilt es, sich einmal dieser Wahrheit zu stellen.

Fakt ist: Wären wir alle von Geburt an offenen und freigiebigen Herzens, wäre uns mancher Irrweg und mancher Schmerz erspart geblieben. Dann hätten wir die Offenherzigkeit mit der Muttermilch aufgesogen, dann wären wir in Güte und Nächstenliebe aufgewachsen und die Gesellschaft und sozialen Strukturen würden uns genau dies spiegeln. Und wir müssten jetzt nicht so viele Mühen auf uns nehmen, um unser authentisches Herz zu befreien.

Ich bin kein Freund von spirituellen Wegen, die Fata Morganen erzeugen, mir rosarote Brillen auf die Nase zaubern und eine Parallelwirklichkeit erschaffen, in der alles scheinbar gut ist. Ich schrieb darüber schon sehr häufig. Ich möchte als spiritueller Mensch mit beiden Beinen auf der Erde leben und mich nicht in einer Traumwelt einspinnen. Deshalb muss ich zu mir und anderen ehrlich bleiben. Genau das fordert mein Herz von mir.

Deshalb sagte ich sehr häufig zu mir: "Josephine, wenn du Fortschritte auf deinen Pfad machst, wird niemand plötzlich mit einem Strauß Blumen vor dir auftauchen und dir mit den Worten aufwarten: Herzlichen Glückwunsch! Du hast es geschafft! Ganz im Gegenteil: Vieles von dem, was du verstanden, geheilt und ins rechte Licht gerückt und befriedet hast, wird ganz und gar bei dir bleiben und keiner außer dir wird es bemerken".

So etwas sagte ich sehr häufig zu mir, auch wenn ein Teil von mir, der nicht recht erwachsen werden wollte, immer noch auf diese Art von frontaler Bestätigung hoffte. Jener andere, erwachsene Anteil behielt stets Recht.

Ich erlebte stattdessen im Außen häufig massives Unverständnis für meine Einstellung und die Schritte, die ich entschied, zu unternehmen, um mich weiter zu entwickeln. Irgendwann gab ich es daher auf, überhaupt jemandem mein Leben, Tun und Lassen erklären zu wollen. Je weiter ich meinem Herzen folgte, umso verschwiegener wurde ich sogar.

Doch dann gab und gibt es diejenigen am Rande des Weges, denen man ansieht, wie verzweifelt sie ihr Herz vermissen und einen authentischen Weg im Leben suchen. Und aus reinem Mitgefühl und aus der Erinnerung heraus, dass man einst selbst an diesem Punkt in seinem Leben war, beginnt man, aus seinem Herzen heraus viel Kraft und Liebe an eine solche Person zu geben... . Wieder und wieder gibt man sein Herz hin und hinweg... . Und sei dir sicher: Dafür wirst du im Moment des Gebens ebenfalls kein Echo erfahren. Vielleicht wird das, was du aussendest, niemals ein Echo erleben.

An diesem Punkt nichts zurück zu erwarten, ist wichtig. An diesem Punkt des Weges dieses anderen, bedürftigen Wesens ganz und gar kein Echo zu erwarten, ist von fundamentaler Bedeutung. Hier ganz loszulassen ist das Einzige, was zählt. Nur dann kann sich das Gute, was du aus deinem Herzen geschenkt hast, wirklich sinnvoll im anderen entfalten.


Als ich anfangs diese Beobachtung machte, war ich äußerst irritiert. Ich erwartete ein Echo und fand es in meiner Wahrnehmung irgendwie logisch, dass das Herz des anderen ganz natürlich reagieren und mir antworten würde. Doch so einfach ist es nicht. Und von Wesen zu Wesen vollkommen unterschiedlich. Und so empfand ich meine Herzensoffenheit manchmal einfach von Gegenüber sang- und klanglos weggeschluckt, als sei das Gegenüber gar kein fühlendes Wesen, sondern ein schwarzes Loch. Das, was ich von Herzen gab, wurde einfach rückstandslos absorbiert und dann gingen wir wieder unserer eigenen Wege.

Oft verführte mich dieses Erleben zu dem Gedanken, dass das, was ich tat, umsonst gewesen sei. Doch ich hing zu sehr in meinen Erwartungen fest, wie das alles funktionieren sollte. Ich weiß und wusste viel zu wenig darüber, wie mein Gegenüber in seinem Inneren beschaffen war und was es erlebt hatte, als wirklich ermessen zu können, wie das Herz meine Fürsorge aufnahm. Und weil mich die Aussicht entmutigte, dass meine Hingabe umsonst gewesen sei, lernte ich, ab sofort kein Echo zu erwarten.

Diese Gesellschaft ist nicht auf offene Herzen ausgerichtet. Sie wurde nicht aus der Offenheit des Herzens geboren. Und so bedarf es für einen jeden von uns einiges an Arbeit, um das eigene Herz zu erkennen, vor sich selbst und anderen gelten zu lassen und sich letztlich zu ihm zu bekennen. Ihm gemäß zu leben, ist dann die größte aller Herausforderungen.


Wirklich Veränderungen einzuleiten und nach außen sichtbar, spürbar und hörbar dem Herzen zu folgen, erfordert viel Kraft. Viel Gegenkraft zu den gewohnten Strukturen, die man als wenig gütig und gerecht erkannt hat. Und jeder von uns wird sich eine gewisse Zeit wie ein Einzelkämpfer fühlen.

Dieser Weg muss ein ganz persönlicher Weg sein, will er nachhaltig und tiefgründig beschritten werden. Da wir in keiner Gesellschaft des offenen Herzens leben, können wir nicht mit vielfältigem Echo rechnen. Erst später, wenn wir aus dem Gröbsten heraus sind, werden wir hier und da ein paar Gleichgesinnte treffen.

Der Weg des Herzens muss immer dicht am Leben und der wirklichen Realität dran sein, wenn er wirklich gütig und gerecht sein soll. Niemand, der sich irgendwann für sein Herz nachhaltig entschieden hat, wird eine Parallelgesellschaft gründen wollen, sondern jedem Wesen wünschen, dass es sein Herz befreien möge. Und dafür ist jenes offenherzige Wesen bereit, mitten unter jenen zu sein, die das Erkennen ihres wahren Herzens noch vor sich haben. Und so wird dein offenes Herz zuerst einmal kein Echo spüren. Denn noch sind die meisten Herzen verschlossen.

Der wahre Weg des Herzens wird für mich immer der Weg der Bodhisattvi oder des Bodhisattvas sein, der immer bereit ist, sich selbst die Finger schmutzig zu machen, als in der goldenen Oase des Lichts zu verweilen. Dein wirkliches, gütiges und gerechtes Herz kann gar nicht ruhig mit ansehen, dass andere ihr wahres Herz vermissen. Und deshalb stelle dich darauf ein, das die Impulse deines Herzens oft absorbiert werden, ohne ein Echo zu erfahren. Genau so muss es sein.

Am Anfang meines Weges hat mich die Abwesenheit eines Echos oft deprimiert und entmutigt. Insgeheim hoffte ich auf das Echo, als Bestätigung dafür, auf den richtigen Weg zu sein. Mir ging es damals nicht wirklich darum, mein Herz gewähren zu lassen, sondern ich lebte noch in Furcht und in Zweifel darüber, das Richtige zu tun.

Damals balancierte ich in meinem Wünschen und Wollen noch auf Messers Schneide. Ich war meines Herzens noch nicht sicher und ließ quasi die Reaktionen meiner Umwelt über meinen Weg entscheiden. Oft meinte ich, die Bestätigung von Außen als letztgültiges Urteil zu brauchen, den rechten Weg gewählt zu haben.

Je öfter mir jedoch von Außenstehenden davon abgeraten wurde, dieses oder jenes zu tun, was sich in meinem Herzen so freudig und richtig an fühlte, verstand ich. Jene Außenstehenden konnten gar nicht mein Herz bestätigen, weil sie selbst nicht freien Herzens waren. Und jene, die meine Impulse absorbierten, wie Schwämme, ohne etwas darauf zu erwidern, brauchten noch jene Bestätigung, die ich selbst oft vermisst hatte.

Deshalb ist es gut und richtig, auf deinem Weg auf kein Echo zu hoffen und keine Bestätigung. Jetzt ist es einfach an der Zeit, dir selbst zu vertrauen, ohne irgendwen um Erlaubnis zu fragen. Indem du selbst deine Erfahrungen machst, wirst du große Klarheit und Gewissheit finden, was deinem Herzen entspricht. Und dann wird die Zeit kommen, indem du dein Herz einfach verschenkst, ohne ein bestimmtes Echo zu erwarten.

Nur so wird sich alles wandeln: Einer muss den ersten Schritt tun.

Und was dich, dein Herz und dein Leben betrifft, so wirst immer du es sein, der den ersten Schritt tun wird.
 

Viele deiner Schritte werden deshalb ohne Echo sein, weil außer dir diesen Schritt niemals jemand genauso gegangen ist.

Die Sicherheit und Gewissheit, deinen Weg des Herzens betreffend, erwächst nicht aus dem Echo und der Bestätigung von außen. Sondern aus dem Schatz an Erfahrungen, der in deinem Inneren entsteht, indem du den Weg des Trial and Error gehst. 











Kommentare

  1. Liebe Josi,
    schon seit einigen Tagen möchte ich Dir eine Antwort schreiben. Auf den Beitrag über die Freundschaft. Über " Die Musik des Herzens"
    Als ich Dir vor ca. 12 Jahren begegnete, befand ich mich in einer persönlichen und familiärer Krise. Ich hatte keine Erklärung dafür, was mir gefehlt hat: ich war mehr oder minder glücklich verheiratet. Es hat mir materiell nichts gefehlt, zumal ich mir auch keine großen Ansprüche stellte und lebte wohlbehütet in einem Dorf mittig in Deutschland.
    Je länger, desto depressiver und irgendwann erstellte mir eine tibetische Astologin ein Horoskop, das mir entweder einen frühen Tod oder eine Obhut einer sozial hoch gestellten Frau prophezeite... Dann begebneten wir uns bei einer buddhistischen Unterweisung in Schneverdingen.
    Diese Begegnung veränderte mein Leben um 180°! In Dir habe ich das Ideal eines Menschen gesehen, die ich mein Leben lang (bis dato) werden wollte. Denn meine spirituellle Suche, aus der Tiefe meiner Seele nach Oben gespült, wollte keine weltlichen Antworten, sonder diese besonderen mystischen...
    Erinnerst Du dich daran, am meine berühmte Frage im Imbiss "Was ist Leerheit?" und "Warum funktioniert nicht die zwischenmenschliche Kommunikation?" Du hast nicht geantwortet, nur freundlich zugehört und genickt. Ich offenbarte Dir meine Sehnsucht.
    Kurze Zeit später - im Dezember 2004 folgte ich Dir nach Süden, um mit Dir alle Antworten des Lebens zu bekommen. Dieser Traum wurde mir erfüllt, sogar mehr als einer es erträumen kann!
    Nun, nach Ankunft hier hat mich aber zunächst die harte Realität eingeholt. Es gab nur Steine und Berge von Steinen zu überwinden. Für mich, die eher schüchtern und durch die Fürsorge des Ehemannes etwas verwöhnt, begann die Phase der Selbstständigkeit wie z.B. Job- und Wohnungssuche, städtischer Stress, unbezahlte Rechnungen und Ausbildung im Versicherungsbereich... Es gab absolut keine Möglichkeit mehr wieder in die sichere Vergangenheit zurückzugehen und obwohl ich von meiner Vision getragen wurde (Vision einer erfüllten und patenten Frau, die mit beiden Beiden auf der Erde steht), wurde ich teilweise nur durch deine ununterbrochene, mit keinem Gold der Welt bezahlten Unterstützung und Aufmunterung am Leben gehalten. Du warst mein einziger Strohhalm und Fels in der Brandung!
    Dir ging es selbst nicht gut. Ich wusste es, konnte deine Anteilnahm an meinem Leben aber nicht würdigen. Wir haben immer wieder zu allen Lebensthemen gemeinsam unsere "Meetings" abgehalten: was ist dran, was gibt es zu tun, wie fühlt es sich an etc. Einiges habe ich heimlich anders organisiert und meine Unternehmungen endeten oft in einem Desaster und Du musstest wieder gerade biegen bzw. einen Rat geben... Manchmal haben wir uns gestritten und ich habe meistens - zu 99,9 % in meiner "Wolfsargumentation" verloren, denn so gut und klar wie du die Dinge gesehen hattest, war für mich unmöglich, das eigene Leben zu organisieren.
    Egal wie schwer und aussichtslos mein Leben und egal wie kompliziert unsere Beziehung teilweise gewesen ist, hatte ich am Ende des Tunnels das Licht gesehen und immer etwas wichtiges gefühlt, etwas viel größeres und mächtiges, als die ganze Welt - die Kraft meines Herzens! Woher es kam - für mich ein Rätsel, aber es wurde damals in Hamburg durch die Musik deines Herzen irgendwie aktiviert. Oder einfach geöffnet???
    Ich erzählte Dir vor einigen Tagen über diese seltsame Sprache oder Musik des Herzens. Deine Worte und deine Briefe haben mich damals tief in meiner Seele berührt und obwohl ich von der Spiritualität und von der Esoterik der heutigen Zeit keine Ahnung hatte, war ich bereit alles herzugeben und diese Musik in mir zu finden.
    Heute kann ich mit Gewißheit sagen, dass dieses Experiment für mich gelungen ist. Selbst in Not, hast du noch die helfende Hand ausgestreckt, um jemanden mit an Bord mitzunehmend.
    Danke.
    Deine beste Freundin, beste Schwester und Zeitgenosse
    Alen

    AntwortenLöschen
  2. Liebe Alen,

    danke für dein Echo :-).

    Wir sind einen interessanten, herausfordernden, anstrengenden und klärenden Weg miteinander gegangen. Auch wenn mir eingangs das Echo deines Herzens vollständig fehlte, so zahlte sich letztlich alle Geduld aus: Sei es die deine, mit den Hindernissen oder die meine, mit dir und den Hindernissen ;-).

    Geduld bedeutet für mich, auch dann weiter fest auf das Herz zu vertrauen, wenn sich das Gewünschte nicht ergibt. Und sei es der Wunsch nach einem Echo. Dass du mir die Tage des Öfteren ein Echo oder Feedback gibst, ist schön und ein gutes Zeichen dafür, dass du nun sicher bist, dass sich alle Anstrengungen gelohnt haben.

    Doch mittendrin, im ganzen, turbulenten Geschehen, da fühltest du dich außerstande, etwas zu erwidern. Und ich weiß auch, warum: Angst, Scham und Schuld lassen uns alle immerzu mit uns selbst beschäftigt sein und wir wissen dann die Hilfe, die uns widerfährt, nicht zu würdigen. Manchmal nehmen wir sie kaum war. Deshalb weiß ich heute, wie fundamental wichtig ist, die eigenen Erwartungen loszulassen und unaufhaltsam weiter dem Herzen zu folgen. Das ist Geduld.

    Ich habe dadurch, dass wir diesen Weg gemeinsam gingen, sehr viel gelernt. Ohne dich hätte ich vieles nicht erkannt und verstanden. Daher denke ich heute, dass kein einsames Retreat in einer abgelegenen Berghöhle, um die Leerheit zu verstehen, ein solches Miteinander ersetzen kann.

    Was wir manchmal in Zwietracht, manchmal in Harmonie aneinander und miteinander lernten, hat uns sehr viele Wünsche erfüllt und Antworten geliefert und das Herz stabilisiert und befreit. Sei es mein Wunsch, herauszufinden, wie sich Buddhadharma wirklich mit unserem westlichen, weltlichen Leben verknüpfen lässt oder deine Fragen nach Leerheit und herzlicher Kommunikation.

    Kaum etwas von dem, was wir erlebten, habe ich in irgendeinem Handbuch oder einer traditionellen Belehrung finden können. Dieser Weg war und ist ganz und gar ungewohnt neu und daher manchmal erschreckend. Doch äußerst fruchtbar und ergiebig.

    Danke auch dir dafür, liebe Freundin, Schwester und Weggefährtin. Ich bereue nichts und würde diesen Weg genauso wieder gehen und dich an Bord holen, egal, wie es mir geht. Denn niemand ist eine Insel.

    Herzlichst
    Josephine

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Schön, dass Du mir antworten möchtest! :-)

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