Sanfte Güte und innere Gewissheit

Sanfte Güte und innere Gewissheit - dies ist der Weg des Herzens. Oder buddhistisch formuliert: Liebe und Weisheit - das ist der Weg Buddhas. Und Buddha hat nichts anderes gemacht, als diesen Weg durch sich selbst zu gehen. Durch sich selbst, meint, dass er ihn in seinem Körper, im eigenen Tun, im eigenen Geist ging. Er gründete keine Religion, sondern vermittelte anderen aus dem Fundus eigens gemachter Erfahrung, wie sie innerlich frei werden.

Der Weg des Herzens ist immer individuell. Er lässt sich den Gesetzen nach, dem er folgt, sicher verallgemeinern. Sonst könntest du dich in deinem inneren Erleben nicht in manchen meiner Blogbeiträge wiedererkennen. Doch die Erfahrungen, die du machst und die Erlebnisse, die du brauchst, um deinen Weg zu gehen, sind immer persönlich, individuell erlebt und daher nicht verallgemeinerbar.


Deshalb ist Religion oft trügerisch. Sie verleitet uns allzu oft dazu, zu denken: Wenn ich diese und jene Regeln einhalte, bin ich aus dem Schneider und auf der sicheren Seite. So wird Religion unsere Versicherungspolice, die uns bescheinigt, ein guter, strebsamer, ethischer und rechtschaffener Mensch zu sein. Manche Menschen verbringen ihr Leben in dieser Illusion. Insbesondere dann, wenn so genannte Vertreter der betreffenden Religion die eigenen Schäfchen nicht aus dieser Illusion aufwecken.

Ganz ehrlich: Ich sehe die Verantwortung für den wirklichen Weg genau bei den Menschen, die sich als Religionsvertreter öffentlich zeigen. Diese Religionsvertreter, im Falle des Buddhismus also diejenigen, die sich zum Weg Buddhas bekennen, müssen ihre Schüler darüber aufklären, dass der Weg Buddhas keine Religion ist.

Letztlich kann ich einen guten Lehrer daran erkennen, ob er sich dessen bewusst ist und danach spricht und handelt, oder nur dem jahrhundertelang entstandenen, religiösen System das Wort redet. Und nur den Lehrer nenne ich öffentlich meinen Lehrer, der dies wirklich tut. Nur zu diesen Lehrern bekenne ich mich als Schülerin.

Buddhismus ist für mich im Übrigen auch keine Philosophie, sondern ein Weg innerer Erfahrung. Und Buddha sprach nur aufgrund innerer Erfahrung zu seinen Anhängern. Sicher ist es sehr menschlich, diese kostbaren Erkenntnisse irgendwie festhalten, systematisieren und möglichst vielen Bedürftigen nahebringen zu können. Nichts anderes taten die dankbaren Anhänger Buddhas. Doch zugleich erzeugten sie damit diese Illusion, dass es ausreichend sei, die dadurch festgeschriebenen Regeln einhalten zu müssen, um ein guter Mensch zu sein oder die eigene Buddha-Natur zu verwirklichen.

Wenn du jemand bist, der den Weg aufrichtig geht, wirst du wahrscheinlich an diesen Scheideweg gelangen, wo du diese Illusion durchschaust. Einen Moment lang wirst du dich merkwürdig orientierungslos fühlen, denn plötzlich spürst du, siehst du, hörst du und weißt du ganz sicher, dass der Weg des Herzens nicht buddhistisch ist.

Das kann im ersten Moment sehr befremdlich sein. Das Sicherheit vermittelnde Gerüst an Regeln, denen so viele Menschen über Jahrhunderte gefolgt sind, ist in deinem Bewusstsein von einem Moment zum anderen plötzlich weg. Völlig unerwartet befindest du dich in einem großen, leeren Raum und du stehst, winzig klein, mittendrin. Haltlos. Im ersten Moment bemerkst du gar nicht die Freiheit, die damit verbunden ist. So regellos dazustehen, macht im ersten Moment Angst.

Diese Freiheit und Wahrheit an sich heranzulassen, sie im Inneren gelten zu lassen und sich mit ihr zu befassen, braucht Geduld und Zeit. Und in diesem Prozess werden sich viele, vermeintliche Sicherheitsstrukturen zu erkennen geben und du wirst sie endlich loslassen können.

Ich bete dafür, dass du und viele andere diesen Moment noch in diesem Körper erleben werden. Denn diese manchmal beängstigend großartige Freiheit wird dich das Vermögen entfalten lassen, dich ab sofort auf das Wesentliche zu konzentrieren und deinen Weg bis zum Ende zu gehen. Dieses Vermögen ist dein Herz und das Wesentliche erkennt nur dein Herz. Dieser Moment des Erkennens ist ein Augenblick größter Gnade.

Von diesem Raum regelloser Freiheit dann wieder zurückzukehren, zum Buddhismus und allem, was du an ihm liebst, bewunderst und was dich an ihm jahrelang überhaupt am Leben gehalten hat, ist richtig. Alles, was du dann aus deinem buddhistischen Bekenntnis heraus tun wirst, wird äußerst kostbar, fruchtbar und unendlich liebevoll sein. Dein Weg des Herzens wird nun einzig getragen von sanfter Güte und innerer Gewissheit.

Vielleicht wirst du einige Regeln aufgeben, weil du spürst, dass sie ihren Nutzen erfüllt haben und sie nicht länger, für dich persönlich, wichtig sind. Letztlich wirst du diesen Schritt tun müssen, willst du dein Herz nicht verraten. Und in diesem Stadium deines Weges käme es quasi einem Selbstmord gleich, würdest du jetzt wider dein Herz handeln. Denn dein Herz folgt sicher universalen Gesetzen, nicht jedoch "dem Buddhismus".

Im Buddhismus spiegeln sich dennoch diese universalen Gesetze, dies steht ganz außer Zweifel. Sie hervorzuheben, zu betonen und ihnen gemäß zu leben, das ist die Aufgabe eines guten, verantwortungsbewussten, in der Öffentlichkeit stehenden Lehrers. Oder einer überzeugten, im Verborgenen lebenden Yogini oder eines Yogis. Meinst du nicht auch?

Dein Tun und Lassen einzig danach zu bewerten, ob es buddhistisch ist, oder nicht, ist in meinem Augen ziemlich dumm.

Ich folge der Spur meines Herzens. Und dies bedeutet, das zu tun, was aus meinem sanften Herzen heraus gütig und richtig ist. Und ich bitte dich: Was aus deinem sanften Herzen heraus dir persönlich gütig und richtig erscheint, bitte tue es! Das ist der Weg deines Herzens. Nichts an diesem Weg könnte jemals konträr zum Weg Buddhas sein.

Ich bitte dich, nimm dir Zeit, alle diese Regeln zu überprüfen, die du glaubst, einhalten zu müssen. Prüfe sie danach, ob sie wirklich deinem Herzen entsprechen. Bitte übersetze diese verallgemeinerten Regeln und wende sie allein auf dich an. Auf dein Leben, deine Sehnsucht, dein Herz. Das ist deine Vision und deine Mission. Das ist dein Herz. Und Buddha ging einstmals seinen Weg nicht aus dem Kopf theoretischer Überzeugungen heraus. Er ging seinen Weg auch mit ganzem Herzen.

Hier geht es nicht um deinen Lehrer, die Lehre und um andere. Der Weg deines Herzens dreht sich zuerst einmal um dich. Und ich wünsche aus meinem ganzen Herzen, dass du glücklich bist. Und wenn du glücklich bist, wirst du gar nicht mehr anders können, als ganz viele andere Wesen glücklich zu machen. Ist nicht viel mehr damit gewonnen, wenn möglichst viele Wesen gleichzeitig ihr Herz befreien? Dich inbegriffen?

Ich glaube nicht daran, dass es richtig ist, beim Weg des Herzens Kompromisse zu machen und anderen dabei den Vortritt zu lassen. Aus meinem Herzen heraus bin ich überzeugt davon, dass das nicht funktionieren kann. Denn wenn du meinst, diesem und jenem zuliebe dich zurücknehmen zu müssen, verkümmert dein Herz. Und kein Buddha würde wirklich wollen, dass du deinen ganz persönlichen Weg der Verwirklichung des Herzens sinnlos verzögerst. Aus irgendwelchen moralischen Begründungen heraus, die von deinem Kopf kommen, weil du dich gut an die Regeln halten willst.

Die Mittel und Methoden, die du anwenden wirst, um den Wunsch deines Herzens zu verwirklichen, dass andere glücklich sein werden, kommen aus dem Herzen und nicht aus einem Buch. Sie schlummern schon in dir und wollen sich aus dir entfalten. Es wird Zeit, nicht immer nur von anderen zu reden, die vor Jahrhunderten ihr Herz verwirklicht haben und große Namen tragen. Und solltest du in diesem Leben einen großen Namen tragen, so lass dir doch bitte keine falschen Ansprüche zutragen und in fremdbestimmte Verantwortung nehmen.

Sanfte Güte und innere Gewissheit. Das ist der Weg des Herzens. Dafür brennt dein Herz. Und ich bin wirklich davon überzeugt, dass daneben alles andere vollkommen unwichtig ist.


Je mehr ich mein Herz zulasse und der meinem Herzen entsprechenden Wahrnehmung folge, desto mehr spüre ich wie stark mein Herz alles durchdringt und mich mit allem Beseelten verbindet. Gütig, sanft und liebevoll. Und das ist wichtiger, als die regellose Haltlosigkeit, die mich anfangs noch ängstigte.

Die Regeln aufzugeben, die doch so offensichtlich nicht zu mir passen, erschreckte mich anfangs. Ich meinte lange Zeit, dass ich somit aufgeben würde, ein rechtschaffender Mensch zu sein. Nach und nach verstand ich, dass ich eigentlich nur die Fremdbestimmung aufgab. Diese Fremdbestimmung, die mich äußerlich und oberflächlich sichtbar zu einem guten Menschen macht. Die mich zu einem Menschen machte, den die Menschen in meiner Umgebung das Gütesiegel "guter Mensch" aufprägen würden.

Je mehr ich die Fremdbestimmung in mein Herz hinein auflöse, desto weniger Angst spüre ich, die aus der fatalen Vermutung erwuchs, Fehler zu machen. Soziale, gesellschaftliche und kulturell bestimmte, festgeschriebene Fehler.

  • Keine Angst vor Fehlern haben zu wollen, ist gütig und fühlt sich richtig an.
  • Spontan und ohne Angst vor Regelverletzung für jemanden da zu sein, fühlt sich gütig und richtig an.
  • Niemals daran zu zweifeln, ein gutes Herz zu haben, egal was ich tue, fühlt sich gütig und richtig an.
  • Dich auch mit den Wesen in innerer Gewissheit verbunden zu fühlen, die sich nicht an die gleichen gesellschaftlichen Regeln halten, fühlt sich gütig und richtig an.
  • Sein Leben zu ändern, wenn es derzeit zu viel Schmerz bereitet, fühlt sich gütig und richtig an.
  • Die Liebe, Güte und Verbundenheit mit dem anderen zu suchen, fühlt sich gütig und richtig an.
  • Den Schmerz nicht länger zu dulden, den andere mir zufügen, selbst wenn sie es unwissentlich und unwillentlich tun, fühlt sich gütig und richtig an.
  • Ein Leben anzustreben, was auf allen  Ebenen für mich selbst von Liebe und Weisheit getragen ist, fühlt sich gütig und richtig an.
  • Und dieses Leben dann mit anderen teilen zu wollen, fühlt sich gütig und richtig an.

Bitte, schau genau hin, spüre genau nach: Welche deiner im Kopf festgelegten Regeln läuft dem zuwider? Welche Regeln versklaven dich, fügen dir Schmerz und Depression zu? Welche Regeln sind für dich und deinen Weg schon lange veraltet? Welche Regeln machen dich schon lange nicht mehr frei?

Bitte, gib diese Vereinbarungen mit dir und mit anderen endlich auf! Sei gütig und gerecht zu dir. Das ist der Weg deines Herzens.


Sanfte Güte und innere Gewissheit - dies ist der Weg des Herzens.

Ich wünsche mir von Herzen sehr, dass du deinen persönlichen Weg des Herzens gehen wirst. Denn dann, so bin ich mir sicher, wirst du endlich glücklich sein.

Und für mein Herz gibt es nichts Wichtigeres als dies: Mögest du glücklich und frei sein!







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