Wenn die Zeit reif ist ...

Wenn die Zeit reif ist, wird alles seinen rechten Platz finden. Noch ist es nicht so weit. Noch reichen die Möglichkeiten und Kräfte nicht, doch klar und deutlich sehe und fühle ich, wie es wäre, wenn die Zeit reif wäre.

Ach, wenn die Zeit doch reif wäre! Wie gütig wäre die Welt und wir darin und wohlbeschaffen alle Umstände. Ach, wenn diese Zeit gekommen wäre, fände mein Herz Ruhe!


Sehenden Auges alles zu erdulden, was diesem lichtvollem Bild einer gütigen Zeit widerspricht, ist manchmal schwierig. Doch ich bin mir klar darüber, dass ein Haus nicht über Nacht erbaut werden kann. Und die Kräfte, die ich sammle, um mit diesem Bild im Herzen und seiner Verwirklichung zu sein, werden zugleich benötigt, um einen Stein auf den anderen zu setzen.

Bevor der innere Palast nicht entstanden ist, kann nichts im Äußeren geschehen. Bevor die Mitte des Mandalas nicht betreten ist, kann kein zielgerichtetes Wirken beginnen.

Eine zeitlang sind wir nicht mehr als Zwischenwesen: Das Neue und das Licht kündigt sich an, während alles das, was uns abhält, dieses Licht wirklich zu verkörpern, daneben existiert. Wir sind weder Fisch noch Fleisch, einzig weiter voran getrieben, von der Sehnsucht im Herzen, vollkommen eins und inmitten des eigenen Palastes zu sein.

Wir wissen nicht, wann die Zeit reif sein wird. Deshalb verlieren wir die Geduld, mein Herz. Manchmal möchten wir einfach alles hinwerfen. Wenn da nicht im Herzen dennoch die manchmal absurd anmutende Gewissheit wäre, dass einfach nur die Zeit noch nicht reif ist! Unsere Zweifel, die Ungeduld, der Schmerz ringen mit dieser Gewissheit im Herzen und rauben uns den Schlaf.

Uns bleibt nichts anderes, als uns zu gedulden, bis die Zeit reif ist.

Uns bleibt nichts anderes, als weiter unseren inneren Weg zu gehen, bis die Zeit reif ist.

Was gibt es da Unerlöstes, Unerkanntes, Ungeheiltes, Unvollkommenes, Ungesehenes, Ungehörtes, das noch Schleier um unser Herz bildet? Schleier, die uns immer davon ablenken, direkt in die Mitte dieses Mandalas zu treten. Wir umrunden die Mitte wieder und wieder, lenken uns ab, verlieren die Geduld, anstelle uns auf das zu fokussieren, was im Moment im Bereich des Machbaren liegt.

Ich möchte meine Zeit jetzt weiter für den inneren Weg nutzen, und nicht damit hadern, dass die Zeit noch nicht reif ist. Ich möchte alles loslassen, was mich daran hindert, immer eins mit der Mitte meines Mandalas zu sein.

Ich wünschte, du tätest es auch. So gut es geht. Lass uns auf die Erfüllung unserer Wünsche vertrauen. Doch bevor sie Wirklichkeit werden können, gibt es noch einiges zu erledigen.

Wir sehen das, was nicht im Einklang mit der Welt der Herzen ist. Was dieser gütigen Zeit, die wir uns für uns alle wünschen, widerspricht. Manchmal verzweifeln wir, weil keiner uns erklären kann, wie das möglich ist. Doch was ich mir, mit aller Bodenhaftung, irgendwann sage, das sind zwei Sätze:

1. "Wer kann etwas ändern: Derjenige, der erkennt, dass es etwas zu ändern gibt oder der, der alles für richtig befindet?"

2. "Irgendwer muss die Arbeit machen."

Und klar ist, dass nicht derjenige etwas unternehmen wird, der nicht bemerkt, dass es etwas zu tun gibt.

Alles dies in meinem Herzen bewegend, will ich weitergehen. Immer meinen Weg entlang, der Sonne entgegen und aufmerksam darauf gerichtet, was es in mir noch zu ändern gilt. Denn eines Tages werden innere und äußere Ursachen und Umstände zusammen kommen. Und dann wird die Zeit reif sein.

Was, wenn dem nicht so ist? Was, wenn die Zeit niemals kommt, weil die Ursachen und Umstände nicht zusammenfinden? Ja, dies sagt angstvoll unser kleines Ich. Und mein Herz mag nicht daran glauben, dass diese Zeit der Reife nicht kommen wird. Sie muss kommen, denn so viele Ursachen sind schon vorhanden. Sie wird kommen, weil mein Herz es aus tiefer Liebe und mit großer Kraft will.


Ist es nicht so, dass wir in unserem Kopf zu oft beschließen, dass es nicht so weiter geht? Wie oft stampfen wir wütend mit dem Fuss auf und verschränken unsere Arme vor der Brust. Wie oft verweigern wir uns den Naturgesetzen, nur weil unser Kopf die Abwesenheit dessen, was wir lieben, nicht ertragen kann? Ja, der Kopf ist es, der das beschließt. Das Herz macht trotz des Schmerzes des Getrenntseins immer weiter. So sei es.

Das Gesetz von Ursache und Wirkung scheint manchmal vollkommen unerbittlich zu sein. Doch andererseits ist es von so viel Liebe und Geduld beseelt. Wenn unser Kopf sich wünscht, dass jetzt die rechte Zeit für unser Glück gekommen sei, kann unser Herz manchmal verstehen, dass es gütig ist, noch ein wenig zu warten. Manche Wesen brauchen mehr Zeit, als du und ich, um die rechte Einsicht und Herzenswärme in sich zu erwecken. Nur meistens denken wir nicht daran.


Wenn die Zeit reif ist, werde ich viele kleine Tode gestorben sein und viele Ängste ausgestanden haben. Wenn die Zeit reif ist, werde ich viele Einsichten errungen und unendliche Weiten in meinem Herzen eröffnet haben.

Wenn die Zeit reif ist, werde ich mit dir sein.





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