Alles ist erleuchtet?

Vielleicht ist es sogar legitim, sich über unsere Naivität lustig zu machen. Als der tibetische Buddhismus in den Westen kam, konnte man uns wirklich alles verkaufen. Auch den Mythos, dass alle Lamas erleuchtet wären.

Seid ein paar Tagen denke ich darüber nach, wie selten und kostbar es ist, einen Menschen zu treffen, der authentisch, ehrlich und offenen Herzens ist. Einen Menschen, dem die Selbstprüfung eine Pflicht ist und der deshalb zuerst in seinen eigenen Geist schaut und sein eigenes Gewissen und Verhalten prüft, bevor er sich anderen zuwendet. Einen Menschen, der dem anderen Menschen kein Wolf ist, sondern den anderen so aufrichtig wertschätzt, dass er ihn niemals wissentlich betrügen, belügen oder ausnutzen würde.

Wie oft trifft man so jemanden? Und beziehe ich dies auf die buddhistischen Lehrer, so mag es noch seltener anzutreffen sein. Ich bin so naiv, anzunehmen, dass ein guter Lehrer an sich selbst den Anspruch hätte, so ein Mensch zu sein. Ich bin so gutgläubig gewesen, anzunehmen, dass ein buddhistischer Lehrer es sich selbst nicht leicht macht, um ein authentisches Vorbild zu sein und den Buddhadharma damit Ehre zu erweisen.

Doch weil ich die Tage mich jenen Lehrern widmete, die der Verführung erlegen sind, der Macht und unserer, westlicher Unwissenheit und Legendengläubigkeit, versuche ich gerade diese selbstverständliche Grundannahme zu korrigieren.


Ich hatte schon immer eine gute Intuition, was Menschen betrifft, mochte ich auch früher nicht auf sie hören. Es reicht mir, in die Nähe eines Menschen zu kommen, ihn in die Augen zu schauen und eine Weile zu beobachten und ich weiß, wie weit ich diesem Menschen vertrauen kann. So auch bei buddhistischen Lehrern: Es reichte mir, ihre Bilder zu betrachten oder mich in einen Vortrag zu setzen, um zu entscheiden, ob dieser Lehrer für mich in Frage kommt, oder nicht.

Sobald ein gewisses unangenehmes Gefühl ihnen gegenüber entstand, hielt ich mich von ihnen fern. Im Laufe der Jahre prüfte ich natürlich meine Wahrnehmung. Ein Gefühl ist erst einmal nur ein Gefühl. Ich hätte niemandem erklären können, warum ich nach einer bestimmten Begegnung mit einem Lehrer plötzlich zu meiner Freundin sagte: "Ich trau ihm nicht. Da ist irgendetwas. Irgendetwas stimmt mit ihm nicht!"

Jahre später, als ich schon längst vergessen hatte, was ich gesagt hatte, erinnerte mich meine Freundin daran, dass ich dies gleich bei meiner ersten Begegnung mit diesem Lehrer gesagt hatte. Und letztlich hatte diese Wahrnehmung sich als richtig erwiesen.

Doch wer traut wirklich seiner Wahrnehmung, wenn er sich einem Lehrer anvertraut? Wer geht über die Bedeutung der Worte hinaus, die meistens eher in "Du sollst..."-Sätzen formulierte Anweisungen sind? Wer prüft einen Lehrer wirklich so lange und gründlich, wie es gute und authentische Lehrer empfehlen? Neigen wir nicht alle dazu, uns in unserer Bedürftigkeit und Hilflosigkeit, manchmal auch Verletzlichkeit, dem äußeren Anschein, den ein Lehrer uns vermittelt, selbstvergessen zu Füßen zu werfen?


Im Laufe der Jahre vertraute ich zunehmend meiner Wahrnehmung. Ich überprüfe sie immer noch regelmäßig und habe mich bisher einem für mich intuitiv fragwürdigen Lehrer niemals anvertraut. Und wenn ich über Jahre hinweg an jemandem zweifle und dann schwappt plötzlich ein Skandal ans Tageslicht, wo von sexuellem Missbrauch die Rede ist... wie sollte ich da nicht sagen: "Hab ich es doch gewusst, dass da irgendetwas nicht stimmt!"

Meine gute Intuition hat mich so immer vor blindem Vertrauen bewahrt. Doch was mir wirklich zu schaffen macht, ist das, was solche von sich selbst besessenen Lehrer dem Buddhismus antun, besonders, wenn sie "weltweit berühmt" sind.

Es fällt mir schwer, mit der Tatsache wirklich Frieden zu schließen, dass diese Lehrer eben nicht dem Buddha folgen. Und solche Lehrer sind die ersten, die den Spruch auf den Lippen führen: "Wer seinen Lehrer als Buddha sehen kann, macht die schnellsten Fortschritte auf dem Pfad." Ich wünschte, solche Sätze würden aus allen Schriften restlos getilgt werden, um schamlosen Missbrauch geschäftstüchtiger "Gurus" ein Ende zu bereiten.


Doch dieses Lehrgeld müssen wir wohl zahlen. Solange wir uns und unserem gesunden Menschenverstand nicht vertrauen und solange diese Lehrer die acht weltlichen Dharmas nicht lassen können, obwohl sie vorgeben, sie aufgegeben zu haben. Und solange es zu viele Menschen gibt, die diesen Lehrern in blindem Wahn gehorchen und sie unterstützen.

Ich bin immer auf der Suche nach einer klarem, ethischen Haltung und Offenheit im Herzen. Ich spüre die schwarzen Nebel, die sich bei jemandem sammeln, der darin nicht eindeutig ist. Ich spüre manchmal auch den Kampf, den jemand in seinem Inneren ausficht, wenn er sich nicht für klare Ethik entscheiden kann und in die Dunkelheit abdriftet. Ich beobachtete auch schon, wie jemand sein reines, klares Herz über Bord warf, um die Machenschaften seines Lehrers zu übernehmen. Und ich weiß nicht, wie es kommt, dass ich so etwas so deutlich wahrnehmen kann.

Aufrichtige Lehrer sind selten. Diejenigen, die nicht die "Alles ist erleuchtet"-Strategie der Möchtegern-Tantriker übernehmen. Die oft nichts anderes ist, als der Freibrief, einfach unkontrolliert und ohne Selbstprüfung alle Leidenschaften auszuleben und dies eben als "Crazy Wisdom" zu verkaufen. Ich denke nicht, dass dies im Anuttarayoga-Tantra so ursprünglich angelegt ist. Ich bin zutiefst überzeugt davon, dass ein fortgeschrittener Praktizierender niemals seine Ethik über Bord werfen wird. Tut ein Praktizierender das, outet er sich als eben nicht fortgeschritten.

Ich als Frau reagiere besonders sensibel auf das Thema "Gefährtin", wie es im traditionellen Sinne praktiziert und gelebt wurde. Sicher weiß ich nicht viel darüber, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass Männer bisher viel Rücksicht auf die Frauen genommen haben, die sie als Gefährtin für ihren Weg geeignet befanden. Und dies allein spricht für einen Verfall der Sitten der betreffenden Männer, nicht aber für die Fragwürdigkeit der Tantra-Praxis.

Und dies wiederum entspricht dem patriarchalen Zeitalter. Doch genau dieses ist jetzt vorbei. Jetzt sind die Frauen am Zug. Und kein Mann, der eine passende Gefährtin sucht, die ihm wirklich auf seinem Pfad unterstützen kann, wird eine finden, wenn er nicht zulassen kann, dass diese Frau mit ihm auf Augenhöhe und vollkommen gleichberechtigt ist. Für mich sind die Zeiten unkontrollierten Missbrauchs des so genannten "schwachen Geschlechts" eindeutig vorbei.

Und ich dulde keinen Mann, der unter dem Deckmantel des "Alles ist rein und erleuchtet" Missbrauch an Frauen betreibt. Und Missbrauch meint hier nicht zwangsweise sexuellen Missbrauch, sondern allein schon der Missbrauch, indem er sie für sich arbeiten lässt. Dass er von Frauen Handgriffe erledigen lässt, für die er sich als Mann zu fein ist. Und dass er Frauen mit rüdem Ton und ohne jeglichen Respekt durch die Gegend kommandiert und erwartet, dass sie ohne Bitte und Danke und ohne nachzudenken tun, was er befiehlt. Ich dulde keinen Mann, der die guten Qualitäten von Frauen ungefragt ausnutzt, um seine persönlichen Ziele und Ruhm zu erreichen.

Ein solcher Mann sollte sich lieber von mir fernhalten. Erst recht, wenn er vorgibt, ein buddhistischer Lama zu sein, den als Buddha zu sehen und deshalb zu bedienen für mich angeblich von spirituellem Vorteil wäre.

Ich sehe generell jeden Lama als Mensch mit Ecken und Kanten, Bedürfnissen und Schwächen. Doch wenn ich Einweihungen nehme, nehme ich diese nicht von diesem Menschen dort, sondern betrachte ihn als Vermittler, zwischen mir und den Buddhas. Für den Moment der Einweihung kann ich ihn eins mit den Buddhas sehen. Doch weiß ich wohl zu erkennen, wann es wieder Zeit ist, den Lehrer da vorn auch als Wesen mit begrenzten Einsichten zu sehen. Da vertraue ich meiner Intuition und persönlichen Wahrnehmung.

Für uns Buddhisten wünsche ich mir, dass recht bald die Zeit gekommen ist, wo wir uns von falschen Mythen der Macht verabschieden werden. Wo wir uns auf die wahre Praxis konzentrieren, die im Inneren stattfindet und nicht vorrangig gebunden ist, an den Menschen aus Fleisch und Blut, der dort auf dem Thron vor uns sitzt und "Rinpoche" genannt wird.

Ich wünsche mir, dass wir den Dharma-Lehrer genauso kritisch betrachten, wie wir das mit dem Universitätsprofessor täten, dem Lehrer an der Volkshochschule. Oder einen Arzt, der uns nicht genügend über unsere Gesundheit oder Krankheit aufklärt und uns ehrlich weiter hilft: Würden wir dann nicht den Arzt dringend wechseln?

Ich wünsche mir, dass der ganze Hokuspokus rund um die tibetisch-buddhistische Tradition aus unseren Dharmazentren verschwindet, vor allem die übertriebene Guruverehrung.

Ich wünsche mir, dass sich in den Dharmazentren neue Räume öffnen, in denen wir uns als erstes und ausnahmslos alle als Menschen begegnen, die an sich arbeiten wollen, um anderen von größerem Nutzen zu sein.

Räume, in denen eine Basisdemokratie herrscht, die den Lehrer nicht künstlich erhöht und ausschließt. Räume, in denen wirklich verinnerlichter Dharma sich so äußert, wie es wahren Verwirklichungen entspricht: rücksichtsvoll und bescheiden.

Ich wünsche mir Räume, in denen die Eskapaden einzelner Persönlichkeiten keinen Platz finden, weil die Herzen aller offen sind und den Schwindel erkennen.

Ich weiß, dass ich solche Räume aus mir schaffen muss und nur wünschen kann, dass andere ebenfalls dazu bereit sind. Dass sie jener klaren Ethik, die aus der Gleichwertigkeit allen Lebens entstehen, den Vorrang vor allem Blendertum und aller Schönfärberei geben.

Noch sind wir auf dem Pfad und nichts, rein gar nichts ist erleuchtet. Was  wäre, wenn dies die eigentliche Wahrheit ist?








Kommentare

  1. Das hast du sehr gut geschrieben liebe Josephine. Auch ich war von vielem bewahrt, und wenn ich noch mehr meiner Intuition vertraut hätte, dann müsste ich heute nicht denken, - gerade heute passiert - eigentlich habe ich viel Zeit verloren mit einem gewissen Lehrer. Andererseits weiß ich nun wirklich aus mir heraus, was für mich wichtig ist. Und habe dadurch auch einiges gelernt.

    Heute mittels Internet ist es einfacher an Informationen über einen Lehrer heranzukommen, früher war das eher schwierig. Kürzlich habe ich ein Buch über "Dakini Power" gelesen, da sind mir teilweise die Haare aufgestanden vor Entsetzen und Ungläubigkeit auf was sich westliche Frauen eingelassen haben.

    Andererseits denke ich, wer weiß, wenn ich so festgefügt in einer Gruppe mitgemacht hätte, ob ich mir vielleicht ähnliches hätte bieten lassen. Auch gibt es Lehrer, die verfügen über ein beträchtliches Mass an Charisma mit dem sie den gesunden Menschenverstand einnebeln können. Doch irgendwann kommt immer die Stunde der Wahrheit.

    Ich bin wieder ganz am Anfang angelangt, bei den Vier Edlen Wahrheiten, und staune, was die mir alles zu bieten haben. Ich halte mich nun an das Wort des Dalai Lama "Dharma is the real protector, not Buddha, not Sangha." (Prag 15.9.14 online) und auch an: Dharma soll unser Lehrer sein bis wir einen qualifizierten Lehrer oder eine qualifizierte Lehrerin gefunden haben.
    Liebe Grüsse in den Abend
    Elfe

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    1. Liebe Elfe,

      vielen Dank für dein Feedback!

      Vor etlicher Zeit traf ich einen Bekannten aus dem Dharma-Zentrum, wo ich früher daheim war. Und wir tauschten uns über viele Dinge aus, unter anderem auch über dieses Thema Missbrauch von Frauen. Damals widerstrebte es mir, darüber in epischer Breite zu diskutieren. Ich sagte nur, dass zu einem Missbrauch eben auch mindestens zwei gehören. Das ist das Knifflige an der Sache: Wie kommt es, dass viele westliche Frauen das überhaupt zugelassen haben?

      Nachvollziehen kann ich es nicht wirklich, da ich es nicht erlebt habe, vermute also auch nur, dass starke, unerfüllte Bedürfnisse und der Wunsch auf ein schnelles Heil eine massive Rolle gespielt haben.

      Die Sache mit dem Charisma ist es, die mich noch stark beschäftigt. Es gibt da diesen Lehrer, dem dieses starke Charisma zugeschrieben wird, von dem ich mich aber immer schon fern gehalten habe: Ich empfand ihn nicht charismatisch, sondern eher oberflächlich und von seinem Temperament zu schamlos und selbstherrlich, ein Entertainer. Und das hat mich immer abgestossen. Andere hingegen sind ihm treu ergebene Schüler. Und wenn ich heute tiefer zu höre, so finde ich sogar, dass er immer das Gleiche sagt, wieder und wieder. Ich spüre da keine Entwicklung drin, die ein Mensch in seinem Leben nimmt.

      Ich tendiere dazu, eher Menschen zu vertrauen, die sich verändern im Sinne des Dazulernens, der Weiterentwicklung, die vielleicht auch Brüche in ihrer Biographie haben und ihre Meinung ändern. Die sichtbar und spürbar ihre Sicht auf das Leben erweitern, denn dann ist Lebenserfahrung drin. Wenn jemand immer die gleichen Sätze und immer die gleichen Ansichten predigt, könnte er es genauso gut nur auswendig gelernt und gut einstudiert haben. Oder er spricht nur das nach, was er von seinem Lehrer gelernt hat, ohne eigene Erfahrung einzubringen. Da kann mich auch kein Charme darüber hinweg täuschen, das kann höchstens ein Gelehrter sein, aber kein spiritueller Lehrer, der den Pfad selbst mit eigenem Leib und Leben geht.

      Ich kenne da schon den einen oder anderen Rinpoche, die sich nicht verändern und immer das Gleiche sagen und tun. Oft gehe ich trotzdem hin, im Wunsche, wenigstens ein Körnchen aufzuschnappen, was ich noch nicht wusste. Meistens findet Folgendes statt: Die Begegnung hilft mir, mir sicherer auf meinem Weg zu werden, so absurd das klingen mag. Jede fruchtlose Begegnung stärkt mich darin, keine Kompromisse zu machen und mir treu zu sein. Insofern ist es nicht gänzlich verschwendete Zeit. Doch auf einer gewissen Ebene enttäuschend.

      Wir in Europa können uns eben nicht aussuchen, wer uns Einweihungen und Belehrungen gibt. Und vielleicht ging es vielen westliche Frauen so, dass sie auf diesen einen Lehrer alles projiziert haben, was sie vom Dharma und seinen Lehrern wünschen und erhoffen, weil sonst keiner da war. Und manch einer dieser Lehrer war geschäftstüchtig genug, daraus für sich das Beste zu machen. Inzwischen suggeriert die Anzahl der Schüler und der Zentren eben, dass es auch ein guter Lehrer sein muss. Hieraus kann man nur lernen, dass ein gutes Geschäft oft auf guter Publicity beruht, nicht aber auf einem guten "Produkt".

      Wie du an der Länge meiner Antwort ersehen kannst, beschäftigt mich das Thema sehr und ist für mich noch nicht ad acta gelegt. In jedem Fall bin ich dankbar dafür, dass Seine Heiligkeit der Dalai Lama hier in meinem Augen gegensteuert, indem er Wert auf die Übersetzung grundlegender Quellen des Dharma legt und dass wir uns zuerst damit auseinandersetzen, bevor wir uns einem Lehrer anvertrauen. Das ist ehrlich, realistisch und machbar, selbst wenn das heißt, ohne Anschluss an eine Sangha buddhistisch zu leben.

      Liebe Elfe, ich wünsche dir auf deinem Weg von Herzen alles Gute und uns allen besser qualifizierte Lehrer, voller Herzblut für die eigene Entwicklung und Offenheit und Ehrlichkeit für ihre Schüler.

      Herzlichst
      Josephine

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    2. Danke liebe Josephine für deine ausführliche Antwort. Wenn wir denselben Lehrer meinen von dem du schreibst, da habe ich mich auch instiktiv zurückgehalten, und der Zufall wollte es, dass ich vor Jahren in einer kleinen tibetischen Zeitung, die ich abonniert hatte, von seinem ersten Skandal im Amerika las, das hat mich zusätzlich vorsichtig gemacht. Er war nie mein Lehrer, himmelseidank.

      Bei dem Lehrer, den ich meine, ist es wahrscheinlich so, dass ich vom Typ her nicht in dieses Umfeld passe, aber es brauchte lang, bis ich mir da ganz klar darüber war. Auch kann ich nichts anfangen mit so "Ruckzuck-Methoden" mit denen angeblich, nehme ich an, das Ego abgebaut werden soll. Einmal freundlich einladend, dann schlecht gelaunt und abweisend und anderes, auf das ich nicht näher eingehen möchte.

      Insofern ist das Thema für mich auch noch nicht ad acta gelegt, dass ich leider einem Lehrer erst einmal misstraue, bis ich mich informiert und mir ein Bild gemacht habe, was eigentlich schade ist.

      Gerade heute morgen habe ich Tickets reserviert für ein Teaching des Dalai Lama in Basel nächsten Februar. Ich freue mich riesig, im Leben habe ich ihn lange nicht gesehen, öfters online, wo ich auch immer wieder etwas lerne.

      Liebe Grüsse in den Nachmittag und alles Gute für dich!
      Elfe

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    3. Liebe Elfe,

      ja, gerade die "Ruckzuck-Methoden" sind es wohl, die sehr schnell Lehrern Macht über andere in die Hände spielen. Da behalte ich lieber mein Ego und trage dies mühsam selber ab, als dass ich jemand anderen in meiner Psyche herumpfuschen lasse.

      Ich verzichte dann lieber auf irgendwelche schnellen Methoden, deren Funktionieren im Dunkeln bleibt - und somit auch die Möglichkeit, eine reine, verlässliche Motivation beim betreffenden Lehrer wirklich zu erkennen. In meinen Augen sind diese Methoden nebulös, nicht gewaltfrei und übergriffig. Außerdem gibt mein persönliches Leben mir genügend Stoff, um an meinem Ego zu arbeiten. Den Lehrer sollte mein Ego als letztes interessieren, zuerst sollte er eine vernünftige Basis lehren, wie ich es selbst erkennen und damit arbeiten kann.

      Als im Westen aufgewachsene Frau misstraue ich jeder Methode, die sich intuitiv schlecht anfühlt und die einfach so vom Lehrer seinen Schülern verordnet wird, ohne zu erklären, wie es wirkt und wofür es gut ist. Wenn die einzige Erklärung heißt, "in Tibet machen wir das so", unterwerfe ich mich keiner solchen Praxis. Selbst die Erklärung, in der Tradition dieses Lehrers wird das immer so gemacht, ist mir nicht ausreichend.

      Was ist der Vorteil dieses Vorgehens im Vergleich zu anderen? Wie wirkt es und was verändert sich dadurch genau? Ganz ehrlich: Sobald ich das Gefühl habe, dass da nichts als ein dumpfer Rausch erzeugt wird, jedoch nicht ein klarer, ruhiger Geist, der versteht, beteilige ich mich nicht. Dies entspricht mir nicht.

      Einmal habe ich das in einem Drubchöd erlebt, das durch das Mantra chanten so etwas wie ein Wirbel entstand, den ich physisch und psychisch wahrnehmen konnte. Vielleicht aus der Drehbewegung des Mantras im Herzen, von der mir regelrecht schwindlig und übel wurde. Ich hatte wirklich das Gefühl, dass etwas anderes die Kontrolle über micht übernimmt und diese andere Wesenheit fühlte sich nicht rein, gut und liebevoll an - und dies war in einem Chenrezig-Drubchöd! Ich habe sofort gegengesteuert und werde an einem vollständigen Drubchöd oder Drubchen dieses Lehrers nicht mehr teilnehmen.

      Ich kenne Bereinigungsprozesse zur Genüge, um zu wissen, dass in einem solchen, sensiblen Prozess der Öffnung kein anderer was zu suchen hat. Schon gar nicht jemand, dem ich nicht ausdrücklich die Erlaubnis dafür gegeben habe. Dies ist der perfekte Moment, um jemanden wissentlich oder unwissentlich zu manipulieren.

      Und da spreche ich einen weniger offensichtlichen Punkt an: Da wirken Energien, da gehen Dinge vor, die sich unseren physischen Sinnen entziehen. Ein nicht weit genug qualifizierter Lehrer kann und wird bei seinen Schülern nicht nur Gutes bewirken. Darüber wird weniger gesprochen. Meistens wird nur darüber ausführlich gelehrt, was es für einen Lehrer für schlimme Folgen hat, wenn der Schüler seine Versprechen nicht einhält...

      Misstrauen ist berechtigt und darin sind wir uns, so scheint es, einig!

      Ich freue mich für dich, dass du Seine Heiligkeit den Dalai Lama im Februar treffen wirst! Das ist schon in wenigen Monaten... und du wirst für ein moderates Eintrittsgeld Teachings in hervorragender Qualität erwarten dürfen!

      Eine gute Zeit wünsche ich dir und liebe Grüße
      Josephine




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    4. Liebe Josephine, du hast es wieder auf den Punkt gebracht - eine reine, verlässliche Motivation bei dem betreffenden Lehrer wirklich zu erkennen - du hast schon viel Erfahrung und Gespür in deinen jungen Jahren für all diese wichtigen Punkte. Ich war ja damals schon 40 als ich erstmals mit dem tibetischen Buddhismus in Berührung kam, und ein echt naives Schaf, heute mit bald 70 bin ich doch ein wenig klüger geworden, aber erst ein wenig-;)
      Vielen Dank für deine Antworten!
      Liebe Grüsse in die Nacht
      Elfe

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    5. Danke, liebe Elfe.
      Als ich vor 15 Jahren Zuflucht genommen habe, war ich genau so ein naives Schaf, wie du damals ;-) ...nur im Vergleich zu dir vielleicht sogar noch ein Lämmchen... :-)
      Liebe Grüße und eine gute Nacht
      Josephine

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