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Es werden Posts vom September, 2014 angezeigt.

Wenn dein Herz dich in ein anderes Leben ruft

Wenn du jetzt die Chance hättest, ein neues Leben zu beginnen, würdest du es wagen? Würdest du weit über die Grenzen dessen gehen, was du über dich, deine Fertigkeiten und dein Leben bisher gedacht hattest und einfach etwas  komplett anderes ausprobieren?

Vielleicht wäre das, was du jetzt beginnen könntest, gar nicht komplett anders. Vielleicht wäre es nur etwas, was du bisher in deinem Herzen bewegt hast  - und gegen das du tausende von Einwände und Argumente gefunden hast, und es deshalb niemals in die Tat umgesetzt hast.


In diesen Tagen spüre ich dieses neue, bisher Ungewagte näher als sonst. Als hätte sich ein Vorhang gelüftet und etwas wäre mir plötzlich ganz nahe gerückt, was vorher unendlich weit im Dunstnebel eines anderen, noch nicht gelebten Leben zu liegen schien.

Wenn es dir auch so geht, frage ich dich: Willst du es? Willst du trotz aller Angst den Mut aufwenden, einfach Ja zu sagen? Und dir einmal den verwegenen Gedanken gestatten, dass es machbar und möglich wäre?

Mein Fr…

Wenn die Zeit reif ist ...

Wenn die Zeit reif ist, wird alles seinen rechten Platz finden. Noch ist es nicht so weit. Noch reichen die Möglichkeiten und Kräfte nicht, doch klar und deutlich sehe und fühle ich, wie es wäre, wenn die Zeit reif wäre.

Ach, wenn die Zeit doch reif wäre! Wie gütig wäre die Welt und wir darin und wohlbeschaffen alle Umstände. Ach, wenn diese Zeit gekommen wäre, fände mein Herz Ruhe!


Sehenden Auges alles zu erdulden, was diesem lichtvollem Bild einer gütigen Zeit widerspricht, ist manchmal schwierig. Doch ich bin mir klar darüber, dass ein Haus nicht über Nacht erbaut werden kann. Und die Kräfte, die ich sammle, um mit diesem Bild im Herzen und seiner Verwirklichung zu sein, werden zugleich benötigt, um einen Stein auf den anderen zu setzen.

Bevor der innere Palast nicht entstanden ist, kann nichts im Äußeren geschehen. Bevor die Mitte des Mandalas nicht betreten ist, kann kein zielgerichtetes Wirken beginnen.
Eine zeitlang sind wir nicht mehr als Zwischenwesen: Das Neue und das Licht k…

Die flüchtige Kunst der Übertreibung

Mit dem Schreiben ist das so: Ich schnappe mir eine bestimmte Idee, einen bestimmten Aspekt des Lebens und Leidens und vertiefe mich schreibend in diesen hinein, hebe einiges hervor, anderes lasse ich links liegen. Ich fokussiere mich auf eine bestimmte Sicht und zeichne sie in klaren Zügen.

Etwas in meinem Herzen treibt mich von innen an, mich nur auf diese Sicht mit ca. 1500 bis 2000 Worten zu konzentrieren. Irgendwann lasse ich wieder los. Die gestochen scharfen Worte verflüchtigen sich wieder und mit ihnen die Emotionen, die sie erzeugt haben.

Geistig arbeite ich genauso mit mir: Eine gewisse Zeit, die mir mein Herz vorgibt, vertiefe ich mich mit aller mir zur Verfügung stehenden Energie in ein Thema. Ich kann mich darin auch festbeißen, wie ein tollwütiger Hund. Letztlich ist es das, was ich von dieser Dogge in mir gelernt habe. Dann verwandle ich mich selbst in dieses unglaublich verbissene Wesen und übertreibe gelegentlich auch die negativen Aspekte, bis ich merke: Jetzt ist…

Martin Luther und die geistige Freiheit

Da ich vor kurzem erst König August, den Starken, erwähnte, drängt sich mir seit ein paar Tagen noch eine andere historische Persönlichkeit auf, der wir alle und alle Christen weltweit sehr viel zu verdanken haben: Martin Luther.

Viele kennen sicher den Film über ihn, den ich schon mehrmals gesehen habe. Mag man ihn menschlich sehen, wie man will und mag er in Natur und Sprache recht grob gewesen sein, so hat er ein unvergleichlich großzügiges Werk getan: Er übersetze die Bibel erstmals in Umgangssprache und ließ sich weder von Tod noch vom Teufel davon abbringen.


Was der Film in wenigen Sequenzen in Bildern fasst, können wir uns heute, ca. 500 Jahre später nicht mehr vorstellen: Deutschland war ein armes, wildes Land, dass von vielerlei Elend und Krieg gekennzeichnet war. Die Kirche hatte ein starkes Monopol des Wissens, des Reichtums und der (Selbst)Gerechtigkeit inne, allein schon dadurch, dass alles Wissen kodiert war, in der Lateinischen Sprache. Kein Christ konnte sich mit den Gr…

Kulturelle Integration ermöglichen

Im August war ich in Hamburg, um Seine Heiligkeit den Dalai Lama zu treffen. Und es gab einen sehr einprägsamen Moment, in dem er über für das Verständnis des Abhängigen Enstehens und der Leerheit wichtige Schriften sprach. Er sagte zum deutschen Übersetzer, dass er sich wünschen würde, dass diese ins Deutsche übersetzt würden. Ins Russische wären sie bereits Anfang des 20. Jahrhunderts übersetzt worden. Mit anderen Worten: Für eine deutsche Übersetzung wird es langsam Zeit!

Nein, die beiden Schriften habe ich mir nicht gemerkt, denn dieser Moment löste etwas ganz anderes in mir aus. Die Worte Seiner Heiligkeit knüpften nämlich genau an das an, was mich seit Jahren tief enttäuschte. Und wie das so ist, mit emotionalen Erinnerungen: Diese folgen ihren eigenen Pfaden und eigenen Gesetzen.

Seine Heiligkeit legte damit genau den Finger in die Wunde, nämlich dass es ein tiefes, schwarzes Loch gibt, was die Übersetzung von Dharmaschriften ins Deutsche betrifft. Hier meine ich Quelltexte, we…

In Sicherheit

Die Institutionen, die wir aufbauen, die Strukturen, die wir schaffen, sind immer auf Sicherheit bedacht. So mag es mitunter schon absurd anmuten, dass auch um Lehren, die in uns das Bewusstsein erzeugen wollen, dass letztlich nichts sicher ist, dennoch solche Strukturen entstehen.

Wenn ich auf die Zweifel und Zwiespälte zurückschaue, die mich in den letzten Jahren, den Buddhismus betreffend, begleitet haben, so gruppieren sie sich genau um dieses Paradox: Ich möchte verinnerlichen, was es heißt, die grundlegende Unsicherheit im Leben zu akzeptieren - und zugleich suche ich die Sicherheit.


Sagen wir es so: Ich bin mir bewusst, dass die Freiheit, die ich liebe, nur jenseits von Sicherheit vermittelnden Strukturen und Institutionen zu finden ist. Doch ein Teil von mir sucht dennoch irgendetwas Sicheres. Etwas grundlegend Verlässliches. Etwas, worauf ich mich stützen kann.

Jahr um Jahr schleife und poliere ich meinen Geist, trage Schicht um Schicht ab, löse die zerbröselten Hüllen vermei…

Alles ist erleuchtet?

Vielleicht ist es sogar legitim, sich über unsere Naivität lustig zu machen. Als der tibetische Buddhismus in den Westen kam, konnte man uns wirklich alles verkaufen. Auch den Mythos, dass alle Lamas erleuchtet wären.

Seid ein paar Tagen denke ich darüber nach, wie selten und kostbar es ist, einen Menschen zu treffen, der authentisch, ehrlich und offenen Herzens ist. Einen Menschen, dem die Selbstprüfung eine Pflicht ist und der deshalb zuerst in seinen eigenen Geist schaut und sein eigenes Gewissen und Verhalten prüft, bevor er sich anderen zuwendet. Einen Menschen, der dem anderen Menschen kein Wolf ist, sondern den anderen so aufrichtig wertschätzt, dass er ihn niemals wissentlich betrügen, belügen oder ausnutzen würde.

Wie oft trifft man so jemanden? Und beziehe ich dies auf die buddhistischen Lehrer, so mag es noch seltener anzutreffen sein. Ich bin so naiv, anzunehmen, dass ein guter Lehrer an sich selbst den Anspruch hätte, so ein Mensch zu sein. Ich bin so gutgläubig gewesen, …