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Es werden Posts vom Juli, 2014 angezeigt.

Die verlassene Unschuld

Mitten hinein ins Leben zu gehen, ohne sich noch hinter Büchern, Schriften und Theorien zu verstecken - das probieren wir heute selten aus. Sicherer scheint es, sich erst einmal schlau zu machen. Und wir verlassen damit die Sphäre der fortwährend stattfindenden Erfahrung, die Leben eigentlich ist.

Ich wage heute einmal zu behaupten, dass wir dies aus Gründen tun, die sich im innersten Kern stets darum ranken, dass wir etwas falsch machen könnten. Und dann wird da irgendwo jemand sein, der uns dafür schuldig sprechen wird. Sei es auch erst irgendwann am Ende unseres Lebens, wenn der Herr des Todes bestimmt, ob uns dies gen Himmel oder in die Hölle ziehen wird.

Manchmal glaube ich fast, diese unbewusste Selbstverurteilung ist inzwischen in unseren europäischen Genen angelegt. Auf eine Art ist es faszinierend, zu beobachten, wie die Vorannahme einer Schuld unser ganzes Leben bestimmt und verändern kann.

Niemand von uns möchte ein Narr sein, der völlig unbedarft und frei in ein Abenteuer …

Die Mitte meines Mandalas

Einen Nachtrag habe ich noch. Einen Nachtrag dazu, warum ich nunmehr weiß, dass ich stärker loslassen werde, vom Außen, um mich ganz meinem Mandala anzuvertrauen.

Mich selbst in der Mitte meines Mandalas befindlich zu erkennen - und damit die Herrin alles dessen, was daraus entsteht und in die Welt hinaus strebt, ist für mich der Kern, das Wesen, die Seele des inneren, des yogischen, vielleicht auch des schamanischen Weges.


Wichtig ist, sich immer wieder die Frage zu stellen, die allzu oft als Paradox erscheint: Wer war zuerst da - das Huhn oder das Ei? Sich immer wieder dahinter zu verstecken, dass die Welt als gewordenes Wesen schon da war, bevor ich geboren wurde, ist die schlechteste Antwort auf das Leben. Ich komme nicht ins Leben, um alles das einfach als gegeben hinzunehmen, was schon vor mir da war. Und hier scheinen buddhistische Lehrer allzu oft zu verharren.

Brücken schlagen über unüberwindlich scheinende Gräben, das kann ich nur in mir selbst. Und immer nur auf andere, vor …

Ja, so ist es

Weit über das Mittelmaß hinaus haben wir uns auch sprachlich bewegt. Wir haben harte, scharfkantige Kategorien erschaffen und wissen damit alle Phänomene für uns einzuordnen. Doch die Sprache, in der unser Herz atmet, die haben wir allzu oft vergessen. Stattdessen ergehen wir uns in Substantivierungen.

Die Sprache des Herzens ist lieber warm, weich und sanft und erzeugt damit eine Melodie, die uns zum Schmelzen bringt. Plötzlich fließen wir dahin, aufgelöst in Liebe und im Bejahen dessen, was gerade ist. Wir geben alle Schutzmechanismen auf, zu denen auch unsere zahllosen Kategorien und Schubladen gehören. Wir gehen unvermutet dicht dran, an den Moment und verstehen Situationen, Menschen, Ereignisse, die uns sonst ganz sonderbar erscheinen.

In diesem sanften Fließen muss Vieles nicht mehr nach unserem Kopf gehen. Wir lassen zu, dass alles anders ist, als wir dachten. Und haben meist nicht einmal einen schlauen Spruch parat, weil wir so beschäftigt sind, mit Spüren und Lauschen. Das,…

Der Wind weht, wohin er will

Zwar bin ich selbst etwas überrascht, dass bereits heute der richtige Zeitpunkt für den nächsten Beitrag gekommen ist, doch ich reite wie immer mit dem Wind. Und daher kümmere ich mich nicht darum, wieviel Tage seit dem letzten Beitrag verstrichen sein mögen.

Heute morgen dämmerte mir, dass viele der Beiträge, die ich die letzten Wochen schrieb, Themen transportieren, die mir seit Jahren schwer auf dem Herzen lagen. Ich schrieb sie nicht, aus Achtsamkeit und Wertschätzung. Ich gab mich selbst nicht dafür frei, weil ich nicht der Meinung bin, für alles berufen zu sein und immer meinen Senf dazugeben zu müssen.

Doch wenn mich Themen seit einem Jahrzehnt beschäftigen und in diesem Jahrzehnt meine anfangs für Irrtümer gehaltenen Beobachtungen sich erhärteten, und nicht in etwas anderes verwandelten, dann enthalten sie Wahrheit. Und ein Mensch, der sein Herz öffnet, muss wahr sprechen, um selbiges nicht zu verraten.

Ich spüre, dass ich mich nun aufmachen muss, in die Mitte meines Mandalas. …

Gebunden an das Rad der Zeit

Was ich an Seiner Heiligkeit dem Dalai Lama wirklich schätze, ist seine Ausrichtung auf universale Werte. Er betont nicht die Unterschiede , sondern die Gemeinsamkeiten. Und das bringt nicht nur ihm sehr viel Respekt und Liebe ein, sondern auch dem tibetischen Buddhismus, den er repräsentiert. Gerade weil die tibetischen Buddhisten so einen authentischen und aufrichtigen Repräsentanten haben, hoffe ich sehr, dass sich diejenigen, die ihn als ihren Lehrer anerkennen, tagtäglich der Mühe bewusst sind, die ihn das sicherlich kostet.

Um die Gemeinsamkeiten betonen zu können, muss man sie kennen. Und um sie zu kennen, muss man sich informieren, fortbilden und idealerweise das persönliche Gespräch zum Andersdenkenden suchen. Nur so wird man letztlich seinen persönlichen Horizont erweitern, der dann wiederum die gute Grundlage dafür bietet, mehr Menschen in das eigene Wohl und eigene Wirken einzubeziehen. Ich sehe ihn als einen Menschen, der genau dafür unermüdlich und sehr, sehr hart arbeite…

Kulturelle Identität wertschätzen

Um es noch einmal ganz klar zu sagen: Ich möchte mich für meine kulturelle Herkunft nicht schämen müssen. Bisher habe ich dies nur leise anklingen lassen und nicht so deutlich ausgesprochen.

Wenn mir also buddhistische Lehrer beibringen wollen, dass ich die Grundlage meines Lebens und meine Umstände gar nicht zu schätzen weiß, dann kann ich nur die Augen gen Himmel wenden und meiner Wege gehen. Ich brauche keinen Lehrer, der zu wissen meint, welche Belehrung die richtige für mich ist und mir quasi mit dem moralischen Zeigefinger vor dem Gesicht herum fuchtelt. Vor allem nicht, wenn er gar nicht weiß, wie ich lebe und was ich bisher erlebt habe.


Deswegen gehe ich kaum zu öffentlichen Vorträgen. Sie werden mich ganz sicher langweilen. Sie werden mich vielleicht sogar enttäuschen, weil ihnen oft die liebevolle Anteilnahme fehlt. Eine Liebe, die natürlich abwesend ist, wo jemand nichts über den anderen weiß - oder eben kaum etwas.

Oftmals habe ich meine persönliche Erfahrung hier dargeste…

Kulturell geprägtes Vertrauen

Vertrauen auf dem spirituellen Pfad ist ein sehr grundlegendes, sehr wichtiges Thema. Dies würde wohl jeder buddhistische Lehrer klar bejahen und sofort auf das Guru Yoga und das Anvertrauen an den Lehrer sowie den Segen, der damit einher geht, zu sprechen kommen. Ohne diesen Segen geht gar nichts. Und Vertrauen ist auch für uns im Westen Geborene ein alles beherrschendes Thema, nicht zuletzt deshalb, da wir sehr oft mit unserem notorischen Misstrauen (wie hier erwähnt) zu kämpfen haben.

Die Einstellungen zum Vertrauen in jeglicher Hinsicht empfinde ich bei beiden Parteien seit jeher als verschieden. Ich erinnere mich genau, wie mein Lehrer auf Vertrauen insistierte, als ich bei ihm lernte und auch im Vorstand des Buddhistischen Zentrums, das er leitete, tätig war. Ich erlebte ihn in seinen Aussagen gänzlich anders, als wir westlichen Schüler damit umgingen. Doch ich verstand zugleich seine Einstellung intuitiv. Letztlich umgesetzt wurde jedoch die Art, wie wir im Westen Geborenen es …

Die Kraft des entflammten Herzens

Etwas sehr Kostbares, was ich von meinem Lehrer gelernt habe, ist das tiefe Vertrauen in den Fortschritt, der entsteht, wenn ich alles gebe. Wenn ich wirklich alles gebe.

Und lehrte er mich dies, indem er Vorträge darüber hielt oder mich ausdrücklich darauf aufmerksam machte? Nein. Ich lernte das ohne Worte von ihm, von seiner inneren Haltung, die er ausstrahlte. Von seiner unerschütterlichen Beständigkeit und Aufrichtigkeit. Ich lernte das von ihm, durch seine pure Anwesenheit.


Es gab viele Hindernisse auch für ihn und das Zentrum. Und wann immer ich heute etwas über dritte Personen von dort höre, so haben die Hindernisse kein Ende genommen. Doch er ließ sich in seiner inneren Haltung nicht davon beirren und blieb sich selbst, seinem Weg und seiner Vision absolut treu. So und nicht anders habe ich ihn stets wahrgenommen.

Ich bin sehr dankbar dafür, dass er mir dies gezeigt hat. Durch pure Anwesenheit, durch pures "Display". Dies hat mich oft auch unbewusst gestärkt, insbeso…

Nur das Beste ist gut genug

Idealisierten die Ethnologen im 19. Jahrhundert und frühen 20. Jahrhundert die indigenen Völker, die sie bereisten und erforschten, indem sie ihnen ein höheres Maß an Gutheit und Reinheit unterstellten (Die edlen Wilden), so beobachte ich des Öfteren im buddhistischen Haltung eine ähnliche Tendenz (Der edle Tibeter, der edle Buddhist). Die Antwort der Gegenseite besteht oft darin, die Westler für dumm und nicht zurechnungsfähig zu halten und ihnen mit Misstrauen zu begegnen.

Mag diese Haltung bei den Ethnologen inzwischen schon lange überholt sein, so ist sie doch eine hartnäckige Alltagsweisheit. Sowohl die "Naturvölker" als auch die "buddhistischen Tibeter" betreffend.


Ein gutes Gegenbeispiel dafür war mein Wurzellehrer. Zwar war er nicht mehr jung, als er von Seiner Heiligkeit dem Dalai Lama gebeten wurde, nach Hamburg zu gehen und das dortige Tibetische Zentrum zu führen, so habe ich doch eine solche, selbst subtile wahrgenommene Haltung bei ihm nie bemerkt. Er…

Die alte Haut abstreifen

Für mich war immer das Schreiben die beste Möglichkeit, mich auch mir selbst zu spiegeln. Und wenn ich mich erinnere, wo ich einst herkam und dass das Schreiben das Talent ist, was ich selbst entdeckt, mir zugestanden und für mich selbst gefördert habe, so zeigt dies bereits eine großartige Entwicklung.

Eng verknüpft war mein Schreiben schon immer mit dem Wunsch, dasjenige von mir zu sehen, was sich meinem Tagesbewusstsein nicht erschließt und worauf mich keiner hinweist. Ich entdeckte anfangs nur das Gräßliche, was ich zu finden befürchtete. Das war es, was mein Geist annahm zu finden. Daher fand er es auch.

Und anfangs dauerte es sehr lange, in meinem Schreiben das hervorblitzen zu sehen, was in mir strahlend, gut und schön war. Selbst wenn ich es sah, erkannte ich es nicht an, sondern unterstellte mir sogleich, dass ich mich selbst loben und über andere erheben möchte.

Ich habe viele Jahre gebraucht, mich auch in meinen guten Seiten einfach so stehen lassen zu können und mich de…