Wunsch vs. Realität?

Manches spricht sich herum. Obwohl ich, nach der Anzahl der Klicks und Leser dieses Blogs geurteilt, glaube, dass ich kaum gelesen werde, beobachte ich jedoch schon länger, dass der Geist meiner Beiträge sich fortträgt. Wie auch immer - es mag einem Mysterium gleichen. Doch ich vertraue fest darauf, dass das klar formulierte, dem Herzen entnommene Wort Kraft hat.

Ich habe schon öfters ein paar Streitgespräche darüber geführt, mit meiner besten Freundin, ob es schlau ist, dass ich so öffentlich schreibe. Sehr oft regt sie mich dazu an, lieber ein Buch zu schreiben. Doch es gibt mehrere Gründe, warum ich das nicht tue
.

Der fadenscheinigste Grund dafür ist, dass mich der Gedanke an ein Buchprojekt abschreckt. Da ich spontan schreibe, habe ich keinerlei Vorstellung davon, systematisch an einem Schreibprojekt zu arbeiten und hege das Vorurteil, dass es ermüdend wäre und für mich nicht machbar. Dabei lasse ich ganz klar unter den Tisch fallen, dass ich dennoch von Herzen gern ein Buch schreiben möchte.

Damit stark verbunden ist meine Lebenssituation: Ich habe einen Fulltimejob. Und meine Art zu schreiben, braucht Muse, Inspiration und diesen zündenden Funken, der mich treibt, einfach 1000 bis 1500 Wörter oder mehr am Stück herunterzuschreiben. Wenn es diesen inneren Schreibwunsch gibt, dann ist ein Beitrag in Lichtgeschwindigkeit fertig.

Meine beste Freundin streitet manchmal mit mir darüber, weil sie meint, dass manche indirekt von mir klauen und Lorbeeren ernten, die eigentlich mir zustünden. Ihr wisst schon, hier geht es um diese ganze, anstrengende Copyright-Geschichte, die manche Anwälte reich macht. Selbst wenn keine meiner wortwörtlichen Formulierungen übernommen werden, so doch manche Begrifflichkeiten, manche Erklärungen oder Sichtweisen. Davon ist sie überzeugt. 

Sehr lange schon denke ich an diesem Thema herum. Denn eigentlich tue ich in diesem Blog das, was ich für richtig halte: Andere an meinen Erfahrungen teilnehmen zu lassen oder in meinem Schreiben jemandem als Spiegel dienen - das sollte kein Geld kosten. Und ich gebe damit das von mir freigebig her, was ich auf meinem Weg allzu oft vermisst habe. Naja, jetzt lüge ich ein wenig: Ehrlich gesagt, habe ich es immer und immer vermisst. Und das tue ich jetzt noch. Manchmal gäbe ich sonst etwas darum, dass mich jemand spiegelt.

Das ist die beste Motivation, wie ich finde, um meine wenigen und vorrübergehend relevanten Einsichten meinerseits ganz offen und frei zur Verfügung zu stellen: Für alle, die sich ebenso manchmal nach einem Spiegel sehnen und sich vielleicht manchmal in meinen Beiträgen wiederfinden. Sollen sie ruhig. Ich weiß, wie stark man so etwas vermissen kann. Und irgendwann bin ich damit mir als gewährende und gebende Frau auch ziemlich treu.


Jene Freundin nun versteht das einerseits, ist aber zugleich wütend darüber, dass ich auf meine Großzügigkeit so wenig zurück bekomme. Sie meint das ganz herzlich und gut mit mir.

Ich denke über dieses Thema nach, weil ich oft verblüfft bin, wenn ich derlei Koinzidenzen entdecke, dass ich bei anderen beinahe meine Worte höre oder lese. Ich neige nicht dazu, dahinter Diebstahl zu vermuten.

Vielleicht wurde diese andere Person und ich am Ende nur aus der gleichen Quelle inspiriert? Davon möchte ich als jemand, der in anderen versucht das Gute zu sehen und im entstehenden Nutzen nicht als erstes meinen persönlichen Vorteil sucht, von Herzen gern ausgehen.

Jene Freundin sagt: Wie kannst du dir dessen sicher sein? Recht hat sie. Sicher bin ich nicht. Doch stur möchte ich darauf vertrauen, dass das Gute, was ich aussende, im Falle der Not auch zu mir zurückfindet. Und stur möchte ich anderen geben, was ich selbst am meisten vermisse. Und stur verlasse ich mich dabei auf das Abhängige Entstehen.


Wen auch immer ich dazu inspiriere, dieser Frequenz oder dem Geist zu folgen und zu vertrauen, der diesen Blog belebt und durchdringt, der wird sein Herz öffnen und sein eigenes Leben und das anderer Wesen bereichern. So sei es. Dafür widme ich.

Wenn ich hier schreibe, bin ich für den Augenblick des Schreibens absolut davon überzeugt, etwas Sinnvolles und Nützliches zu tun. Und dies will ich sofort zur Verfügung stellen. In diesem Schreiben weiß ich für die Dauer des Schreibens ganz gewiss, dass es gut, richtig und nützlich ist. Dass das hier Geschriebene das umfasst, was mein Herz am Schlagen hält. Es handelt davon, was mir wirklich wichtig ist und was mein Leben lebenswert macht. Mein sonstiges, von alltäglichen Notwendigkeiten geprägtes Leben bleibt dahinter weit zurück.

Sollte ich auf einmal aufhören, hier zu bloggen, gibt es im Augenblick nur drei mögliche Gründe: A) Ich schreibe stattdessen ein Buch, weil ich die dafür passenden, guten Umstände gefunden habe. B) Ich widme mich eine zeitlang der Stille und dem Schweigen. C) Ich habe eine andere im Herzen sich sinnvoll fühlende Tätigkeit gefunden.

Punkt B) ist in den letzten Wochen in Kraft getreten, daher gab es keine Beiträge von mir. A) und C) jedenfalls sind nicht in greifbare Nähe gerückt.

Warum schreibe ich heute über diesen Zwiespalt? Weil es in meinem Herzen immer noch viele Gräben gibt. Wie ich mein Schreiben sehe und damit umgehe, ist ebenso zwiespältig, wie manch anderes in meinem Leben. Gelegentlich habe ich den Eindruck, ich führe ein Doppelleben und ich merke, wie das manchmal an mir zehrt. Doch so sind die Umstände vieler, deren Herz nach spiritueller Tiefe und wahrer Autentizität strebt
.

Und es gibt noch das unfehlbare Gesetz von Ursache und Wirkung. Für vieles, was ich von Herzen gern täte, sind gewisse Faktoren nicht gegeben, Umstände nicht reif und es fehlt an Unterstützung. So lebe ich täglich im Spannungsfeld zwischen Wunsch und Realität, das viel Geduld erfordert. Geduld... Geduld... Geduld...

Und ich lebe täglich im Bewusstsein, dass niemand mir eine Garantie dafür geben kann, dass alle erforderlichen Umstände und Unterstützer jemals zusammen kommen werden. Es fehlt ebenso an einem gesunden, bodenständigen Spiegel, der mir zeigen könnte, ob ich auch die richtigen Ursachen lege, oder ob ich mir selbst im Wege stehe, mit meinen Vorurteilen und Fehlurteilen... Und auch diese Tatsache zu sehen und auszuhalten, braucht Geduld... Geduld... Geduld...


Und viele Wunschgebete. Die richtigen, klaren, konkreten Wunschgebete. Und Zuversicht in die Macht der Buddhas, an die ich meine Gebete richte, sowie in mein Herz. Es braucht Meditation, die mir erlaubt, dazu Kontakt herzustellen und zu vernehmen, welchen Rat es mir gibt. Es braucht einen langen Atem und eine unerschütterliche, sture Ausrichtung auf das Gute.

Wir werden sehen, wohin das führt.


Ein jeder Zwiespalt will befriedet und geheilt werden. Nur so finden wir alle letztlich den Frieden und die Freiheit, die wir suchen. Und manch ein Zwiespalt muss auch ein Leben lang geduldig ertragen werden, weil klar und deutlich vor Augen steht, dass ein Leben nicht ausreicht, um den Graben zu schließen. Ich lege hiermit in die Hand der Buddhas, mich zu lehren, welche Art Zwiespalt im Hinblick auf mein Verbalisieren meiner wenigen, schnell vergänglichen Einsichten besteht.

Und sogleich höre ich die Antwort der von mir im Herzen um Rat Gebetenen:


"Die Zeit wird es zeigen. Du wirst früher oder später sehen, wohin das alles führt. Ein klares Richtig oder Falsch, jetzt oder später, dies oder das gibt es nicht. Alles ist im Fluss, alles ist im Wandel. Und was du heute noch für unmöglich gehalten hast, könnte morgen schon Realität werden. Daher tue das, was im gegenwärtigen Moment das Richtige, Wahre und erkennbar Gute für dich ist. Und gib es frei. Hafte nicht daran, was du im Moment des Schreibens und Gebens bist. Schreibe nicht verbissen fest, was du damit sagen wolltest. Bestimme nicht, was andere damit machen sollten. Überlasse es denen, die es lesen wollen oder denen es der Wind dieses Geistes zuträgt, der im Geschriebenen dieses Blogs atmet. Und trachte nicht danach, etwas dafür zurück zu bekommen. Überlasse es vollkommen sich selbst und widme richtig."

Seht ihr: Diese Antwort ist es, die meinen Zwiespalt zur Ruhe bringt. Diese Antwort ist der Grund, warum ich so schreibe, wie ich schreibe. Dies ist der Grund, warum ich mir um das Copyright keine Gedanken mehr mache. Und selbst wenn meine Freundin mich zeitweise mit ihrem Insistieren, ich solle lieber ein Buch schreiben, irritiert, komme ich wieder zum Schluss, im Moment mit meinem Geschreibsel in diesem Blog das Machbare, Nützliche und Richtige zu tun.  



Sei es so. So sei es.










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