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Es werden Posts vom Mai, 2014 angezeigt.

Emotionale Erpressung

Ich erinnere mich jetzt deutlicher des Krieges, den meine Eltern in schwierigen Zeiten gegeneinander führten. Für mich als Kind war das selbstverständlich die Hölle und ich flüchtete mich oft hinaus in die Natur. Und dennoch blieb keines von uns Kindern frei davon, uns auf Ebene des Limbischen Systems einiges davon mitzunehmen. Unbewusst also übernahmen wir bestimmte Einstellungen zueinander. Einstellungen zwischen Mann und Frau.

Ich akzeptiere heute klar, dass ich deswegen so frei meiner Wege gehe. Nichts von dem, was mich damals zu Tode ängstigte und zugleich sich auch auf mich und mein Verhalten auswirkte, wollte ich in meinem Erwachsenenleben fortführen. Dazu war ich wild entschlossen.

Sehr vieles ist nichts Persönliches, was so typisch für meinen Vater und meine Mutter und auch das Verhalten zwischen uns Geschwistern war. Vieles erkenne ich als Verhalten, was uns von kleinauf eingeimpft wird. Es sind soziale und kulturelle Zuschreibungen, die insbesondere auf der nonverbalen Verha…

Die (Un)Schuld der Frauen

Inmitten der Prozesse, die mich die Tage bewegen, ist mein Nachdenken über fehlende weibliche Vorbilder am nachhaltigsten gewesen. Am einfachsten ist es, der eigenen Mutter nachzueifern. Doch wenn diese Mutter selbst nicht auf ihre Qualitäten vertraut, was dann?

In meiner Jugend gab es eine Phase, da sagte meine Mutter einen folgenschweren Satz zu mir. Er hat mich zutiefst erschreckt und brannte sich in mich ein, wie ein Brenneisen. Und so unerwartet äußerte meine Mutter ihn, dass ich nicht einmal den Mut aufbrachte, ihn zu hinterfragen.

Dieser Satz lautete: 
"Die Frauen sind es, die an allem Schuld sind."Und damit meinte sie, Schuld an allem, was schief geht, insbesondere die Beziehung. Und dass es Frauen sind, die Schuld sind, wenn einer von beiden fremd geht. Sie sah die Frau als schuldig und Verführerin.

Jahre später, als mein Vater im Sterben lag, erzählte sie von sich aus einige Ereignisse aus ihrem Leben mit meinem Vater, die ich bisher nicht kannte. Mir schien es so…

Dein Hier und Jetzt und seine Folgen

Ich bin dankbar dafür, dass sich mein inneres Erleben im Laufe der Jahre umgestellt hat. Während ich mich früher dazu zwang, immer mit meiner Aufmerksamkeit in Kopfhöhe und quasi vor mir im Raum zu sein und jede Menge ausformulierte Gedanken zu haben, kehrte ich in mich selbst zurück. Ich spüre wieder meinen Körper und das harmonische Empfinden, in mir selbst präsent zu sein. Und das ganz ohne ständig etwas zu denken.

Diese von mir oft als rückwärts gewandt bezeichnete Bewegung nun bewusst zu vollziehen, beschert mir nicht allein Entspannung. Viel besser noch: Dadurch kehrte ich zurück zu den glücklichen Empfindungen meiner Kindheit, als ich noch eins mit dem unmittelbaren Erleben des Augenblicks war.


Oft kommt es mir so vor, als verstünden die meisten dieses in spirituellen Kreisen propagierte "Hier und Jetzt" falsch. Bisher ist diese Propaganda, im Hier und Jetzt zu sein, so bei mir angekommen, dass es gilt, sich auf den heutigen Tag zu beschränken und sich nicht über Morge…

Das spirituelle Wirken der Frauen

Ab und an interessiert es mich, wie früher spirituelle Frauen lebten und wirkten. Und die Tage ging ich recht weit zurück, in der Geschichte und führte mir voller Erstaunen vor Augen, dass nunmehr seit 900 Jahren in dieser Welt noch immer Frauen es sind, die sich für ihr Ansehen und ihr gewähltes Leben mehr anstrengen müssen, als Männer.

Archaisch scheint es mir dann plötzlich, dass auch im monastischen, tibetischen Buddhismus Frauen sich immer noch Männern unterordnen. Inzwischen müsste es längst gleichberechtigt - und manches Mal auch anders herum sein.

Sicher muss ich hierbei immer noch kulturelle und soziale Prägungen berücksichtigen. Trotz allem komme ich nicht darum herum, mit stillem Kopfschütteln zu registrieren, wie Frauen, die gleichwertig zu Männern wären, nicht auf gleiche Stufe gestellt werden. Manch eine Frau ist darunter, die ich auf Anhieb als weiter entwickelt in ihren Tugenden und Einsichten betrachte. Trotzdem ist es ein Mann, der ihr sagt, wo es lang geht oder Äm…

Ruf des Herzens aus der Ferne

Lieber Freund, die Tage des Wartens sind vorbei. Wofür möchtest du dich, dein Wissen, deine Erfahrung, deine Liebe, die doch dein Leben sind, denn aufbewahren? Worauf wartest du? Worauf hoffst du?

Besteht nicht die Gefahr, sich ans Warten zu gewöhnen und den rechten Moment zu verpassen, an dem es Zeit wird, endlich hinüber zu gehen? Hinüber, ans andere Ufer, das nicht das Jenseits des Todes, sondern jene andere Welt ist, die sich dir nun schon seit Jahrzehnten angekündigt hat.


Sicher bist du ein Wissenshalter und es ist deine Pflicht und deine Verantwortung, sorgsam mit der Überlieferung umzugehen. Doch nirgendwo macht sie halt, die Vergänglichkeit. Und nur, weil sie sich so deutlich äußert, in diesem Leben, heißt es noch lange nicht, dass du all deine Erfahrung letzten Endes mit ins Grab nehmen musst.

Ich kenne das Gefühl und die innere Unwissenheit gut, die mit manchem großen Einsichten verbunden ist. Ein langer, schwerer Weg hat sie uns beschert und deshalb glauben wir, dass nur jem…

Die nächste Klarheit kommt bestimmt

Es gibt so Tage, an denen ich mich nicht fühlen kann. Das sind Tage, an denen ich die Welt an mir abperlen spüre, wo alles wie durch einen Schleier von mir getrennt ist. Und an diesen Tagen kann ich auch die anderen nicht spüren und keine warmherzige Verbindung herstellen. Mein Zustand ist dann etwa so, als hätte ich den ganzen Tag nur Kaffee getrunken und wenig gegessen - trotzdem werde ich nicht richtig wach.

Manchmal halte ich dann inne und denke daran, wie häufig ich wohl früher so empfunden habe. Wie das war, nichts zu empfinden, nicht präsent und verbunden zu den Ereignissen und Wesen, die mich umgeben. An solchen Tagen bin ich unkonzentriert und selbst in der Arbeit verstreicht der Tag, ohne, dass ich etwas geschafft habe. "Wie habe ich das früher nur ausgehalten?", frage ich mich und habe große Sehnsucht, wieder in die innere Klarheit zu gelangen.


Häufig gelingt es nicht, gewollt in die Klarheit zu gehen. Nur eine mehrstündige Meditation könnte mir da heraushelfen, vo…

Zurück zur Natur

Zugegeben, in diesen gedankenfreien Gefühlszustand zu gehen, ist gar nicht so einfach. Dies bedarf ein wenig Übung und Konzentration. Doch dass es überhaupt möglich ist, eine solche Haltung bewusst einzunehmen, macht Hoffnung. Zum Beispiel die Hoffnung, dass es möglich ist, seinen eigenen Geist und die inneren Zustände zu klären und zu steuern, anstelle ihnen hilflos unterworfen zu sein. Und am besten steuern wir sie, wenn wir uns zum ursprünglichen Zustand zurückbewegen und diesen gewähren lassen.

Es hat mich wirklich einige Jahre Lebenszeit gekostet, zu verstehen, dass dies, sinnbildlich gesprochen, eine Rückwärtsbewegung ist. Wirklich zurück zum Ursprünglichen - und nicht nach vorn. Hier geht es um Weglassen, Fallenlassen, Geschehenlassen - im Gegensatz zum Hinzulernen von Techniken, Optimieren des Vorhandenen oder Erschließen neuer Ressorcen.

Im Westen lernen wir das vollkommen anders. Wir horten, fügen hinzu, preschen nach vorn. Doch nachhaltig auch unser Inneres zu verschlanken…

Alles oder Nichts - Anstrengung oder Leichtigkeit?

Wirklich in der wortlosen Sphäre seiner Empfindungen leben zu können, ist ein großer Genuss. Hier, in diesem sanften Fluss, ist alles so, wie es ist. Das, was sich darin ergibt und wieder verebbt, bedarf keiner Erläuterungen, keiner deutenden Gedanken, keiner Vergewisserung, ob es existiert oder nicht.

Diese Sphäre ist unmittelbar, einfach, freundlich und alles durchdringend. Und wenn du Zugang zu ihr hast, dann wirst du alles was du erlebst, als sehr klar und wahr, doch zugleich flüchtig empfinden. Dieses Werden und Vergehen ist natürlich - und du erkennst und empfindest es auch als natürlich.


Dass diese Sphäre nicht mit Konnotationen versehen ist, lässt sie einfach und leicht sein. Da gibt es nichts, was man innerlich erst einmal ausdiskutieren müsste oder werten oder überhaupt denken. Diese Sphäre selbst ist per se ein Spüren.

Von der Ebene unseres Alltagsbewusstseins aus wird uns dieses einfache Spüren, wie ein Moment nahtlos vom nächsten abgelöst wird, unnütz, untätig und beinahe …

Über alle Logik hinaus, mitten ins Herz

Manche Momente unterschätzen wir, nur, weil wir sie nicht fühlen. Manche Ereignisse sind wichtiger und prägender für uns, als wir urteilen. Manche Entwicklungen, die sich aus einer in einem Moment getroffenen Entscheidung heraus ereignen, haben wir nicht voraus gesehen.

Außerdem gibt es Zeiten, in denen sich entscheidende Momente häufen, wo es notwendig und richtig ist, klare und wache Entscheidungen aus dem Herzen zu treffen, um Entwicklungen in Tragweiten anzustoßen, von denen wir heute keine Ahnung haben. Und ich fühle, genau jetzt sind wir in einem solchen Zeitfenster.


Als ich vor zwölf Jahren einige absurde, nicht logisch begründbare Entscheidungen traf, hatte ich eine klare Motivation und große innere Entschlossenheit, mein Leben rigoros in eine neue Richtung zu lenken. Und damals stellte ich mir diese Richtung vor, in vielfältigen Details und Farben. Unser Geist kann es nicht lassen, sich etwas auszumalen, auf das er hinstrebt. Und erst im Verlaufe der Jahre lernte ich, diese Id…