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Es werden Posts vom Februar, 2014 angezeigt.

Neue Zeiten, neue Wege, neue Zuversicht

Am Sonntag ist Tibetisches Neujahr. Das Holz-Pferd-Jahr beginnt. Und deshalb ist es naheliegend, von neuen Anfängen zu schreiben.

In den letzten Wochen habe ich mich mehrmals gefragt, wie ich mich wohl in anderen Leben gefühlt haben mag: Bin ich in meine Lebensaufgabe einfach hinein geboren worden und wusste irgendwann genau, worum es geht und was ich daraus machen möchte? 


Natürlich bekomme ich darauf keine verifizierbare Antwort, aber eine gewisse Ahnung kann sich einstellen. Indem ich analysiere, was das Besondere und definitiv Andere an diesem Leben in der heutigen Zeit zu früheren ist, komme ich zunehmend zu dem Schluss, dass wir in einer unvergleichlichen Epoche leben.

Unvergleichlich meint, dass wir auf althergebrachte Überlieferungen nur bedingt zurückgreifen können. Verantwortlich dafür ist die rasante Geschwindigkeit, in der sich heutige Gesellschaften entwickeln. Und Fahrt nahm diese Schnelllebigkeit bereits zu Ende des 19. Jahrhunderts mit dem Aufkommen der Industrialisier…

Authentisch und/oder unbequem

Lange Zeit war mir eine Last, dass ich manche meiner Mitmenschen schockiere. Da kommt jemand wie ich, seinem Naturell nach still, zurückhaltend und  nicht gern im Mittelpunkt stehend... Und wenn ich genug beobachtet, die Sachlage analysiert und mir ein Bild gemacht habe, öffne ich den Mund und - Peng! - heraus kommt eine gestochen scharfe Ansage. 

Ich weiß, ich mache damit nicht immer alles richtig. Und für manche sind die Worte, die ich spreche, einfach zu klar und direkt - vollkommen ohne Umschweife. Und ich kann nicht lange für mich behalten, was mich umtreibt, besorgt, quält oder nervt. Ich bin nicht mit der Gabe der Diplomatie und der höflichen Umschreibung gesegnet. Mir bleibt nur, den Mund aufzumachen und mit Messerschärfe zu sprechen, oder für immer zu schweigen.

In unseren menschlichen Köpfen gibt es einfach sehr viele Vorstellungen, Festlegungen und Analogien, sodass für die meisten, mich betreffend, etwas nicht wie gewohnt zusammenpasst. Und sehr lange fühlte ich mich dadu…

Dein Bodhisattva-Herz ist immer mit dir

Ab und an fühlen wir uns in alte Zustände geworfen, die so gar nichts mit diesem Wesen zu tun haben, was wir im Herzen als wirklich fühlen. Grau in Grau und unerbittlich scheint das Leben dann zu sein. Beinahe so, als gäbe es nirgendwo wirkliches Vergessen. Vergessen alles dessen, was doch schon vorbei ist. Immer wieder drücken sich unsere alte Wunden und Angriffs- und Verteidigungsmuster mitten hinein in unseren Alltag.

Unermüdlich mahnen und peinigen uns diese alten Muster und erinnern uns an alles, was uns früher einmal zutiefst entsetzt, bestürzt und verunsichert hat.

Ich weiß, leicht ist es nicht, wieder und wieder seinen Frieden damit zu machen. Sich zu sagen: Ja, ich habe dies erlebt. Und weil ich dies erlebt habe, gibt es einen Teil von mir, der zutiefst leidet. Und manchmal, in den unpassendsten Momenten, spüren wir seinen Schmerz und könnten unausgesetzt weinen. Ungerecht ist es, dass er leiden muss - dass ich noch immer leiden muss. Heute noch - obwohl alles doch schon we…

Über das Bereinigen während der Reise

Hast du auch nur eine Sekunde den Wunsch verspürt, mit diesem wilden Heer zu reiten? Hast du? Sehr gut. Dann wird es auch so sein.

Wenn du diesen Wunsch zum Aufbruch in eine neue Zeit und damit zurück zu Würde, Ehre und liebevollem Tun für die Welt in deinem Herzen halten kannst, ist es genug. Genug Initiative deinerseits, um deinen Geist im Herzen klar zu kalibrieren. 

Wenn du diesen Wunsch beibehältst, während du deinen alltäglichen Verpflichtungen nachgehst, werden sich Verschiebungen ergeben. Zuerst merkst du eine Veränderung deiner Sicht der Dinge, die du tust. Und von Tag zu Tag wird deutlicher hervortreten, was du wirklich mit diesem dir verbleibenden Leben noch anfangen willst.

Kein Buddha würde jemals die Gelegenheit ungenutzt verstreichen lassen, dich in diesem Zustand des Wünschen und Wollens zu führen. Neue Türen werden sichtbar werden. Und wenn du weiterhin willst, wirst du die eine und die andere auch durchschreiten.

Ich kann spüren, dass du manchmal so traurig und verzw…

In wilder Jagd über die Steppe

Als ich mich heute morgen auf mein Meditationskissen setzte und die Augen schloss, zuckte ich heftig zusammen. Es dauerte keine Sekunde, bis ich dumpfen Hufschlag vieler Pferde hörte. Und plötzlich sah und fühlte ich, dass ich im rasenden Galopp über die Steppe jagte. Ich schmeckte einen kurzen Moment dieses heftige Glücksgefühl, mit den anderen Reisenden um die Wette zu reiten...

Ich zuckte zusammen, weil ich damit noch nicht gerechnet hatte. Und ich spürte, wie glücklich, entschlossen und ohne Wiederkehr dieser Aufbruch war. Ich sah die anderen Reiter neben und hinter mir, eine wilde, zielgerichtete Meute. Und ich zuckte erneut zusammen, weil ich plötzlich, in meinem Alltagsbewusstsein auf meinen Meditationskissen, mich angstvoll fragte, welche meiner Freunde wohl mit mir wären. Ich traute mir nicht, genauer in die Gesichter zu schauen, aus Sorge, ich könnte jemanden vermissen, von dem ich inständig gehofft hatte, er wäre bei mir.

Heute morgen blieb mir keine Zeit, mich weiter in di…

Die Kraft der Gewohnheit und der harte Schnitt

Manchmal genügt es eben nicht, zu registrieren, wo ich innerlich mit mir im Widerspruch bin. Mich aktiv für das zu entscheiden, was ich im Herzen wirklich will, kann den inneren Konflikt lösen. Zwischen den Stühlen zu sitzen, kostet viel Energie. Energie, die ich gerne für nützliches Voranschreiten zu Verfügung haben möchte.

So setze ich mich im Konfliktfall hin und spüre dem inneren Zwiespalt nach. Indem ich in mir Gefühlen bewusst Raum gebe und sich die damit verknüpften Gedanken manifestieren lasse, mache ich zuerst eine Bestandsaufnahme: Was ist da in mir, was mich gespalten sein und zwischen den Stühlen sitzen lässt?


Meist kristallisiert sich heraus, dass da ein altes Verhaltensmuster konträr meinem Wunsch nach Entwicklung entgegen steht. Erkenne ich das alte Verhaltensmuster verständnisvoll an, in seinen lichten und dunklen Seiten, werde ich innerlich schon etwas gelassener. Ich würdige den Nutzen, den dieses Muster mir bisher gebracht hat. Wenn dieses Muster mich aber davon abhä…

Von leeren Worten und der Macht des Weltlichen

In der letzten Woche wurde ich von einer Art Erschöpfung ergriffen, deren Ausmaß und Ursache ich nicht sofort verstand. Es war, als hätte die Müdigkeit mich fest im Griff und der Körper äußerte dies in spürbarer Schwäche.

So lauschte ich still in mich, um zu verstehen, woher dieser Unmut kam, freudig voranzuschreiten. Zwischenzeitlich wollte ich mich schon zwingen und mich über meine Grenzen peitschen. Doch mich meines Herzens erinnernd, ließ ich stattdessen alle Ansprüche los. Und ich wartete, ob die neuerlich sich niederschlagenden Nebel sich lichten und ein klarer Blick auf meine Situation sich ergeben würde.

Jetzt, wo ich gerüstet fürs Reisen bin - will ich dann am Ende doch nicht mehr ins Unbekannte gehen?

Nein, spürte ich. Nicht zu reisen, kommt nicht in Frage. Doch wenn ich reise, warum und mit welchem Ziel reise ich dann? Und dies zu klären, dafür musste ich noch einmal in die scheinbare Stille in mir hinein hören.

Im Laufe der Woche erkannte ich den Mangel, der diese Schwäche…