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Die Rast und der lange Atem

Keine Reise geht ununterbrochen. Irgendwann wird es Zeit, inne zu halten, zu regenerieren, die Vorräte zu kontrollieren. Und vielleicht, wenn es notwendig ist, die Reiseroute ein wenig zu korrigieren.

Manchmal gibt es auch so etwas, wie das retardierende Moment, wo man sich kurzzeitig in einer wiederkehrenden Schleife befindet. Und so kommt es, dass ich heute hier schreibe, während ich wenige Wochen zuvor beschloss, es voraussichtlich nicht mehr zu tun.


Ich startete voller Zutrauen in die neue Richtung, nun voller Enthusiasmus und Gewissheit, dass ich neu Fahrt aufnehmen werde, mit frischen Wind im Rücken, der mich mühelos den Weg voran treibt. Doch letztlich bleibe auch ich immer wieder in meinen alten Mustern hängen und beobachte mich dabei, wie ich mich im Kreis bewege.

Als Resümee zum Jahresende soll nunmehr auch eine wichtige Zutat Erwähnung finden. Niemals wollte ich den Eindruck erwecken, dass ich allein aus eigener Kraft den Weg in jedem Falle zu Ende gehen werde. Eingebunden si…

Wohin die Reise geht...

Ich erinnere mich die Tage an die Zeit, als ich 18 war. Damals hatte ich im Schweinsgalopp in Ostdeutschland das Abitur nach westdeutschem Standard hinter mich gebracht, den Stoff von drei Jahren in zwei absolvierend. Und ich war zugleich im tiefsten seelischen Tal meines Lebens.

Ich fühlte mich so perspektivlos, ausgelaugt und leer, dass ich diesen Zustand heute nur als Depression bezeichnen kann. Und ich wartete auf die Zusage zu einem Studienplatz, denn mich für ein Studium zu entscheiden, dazu hatte ich mich letztlich auch aus familiärem Druck gezwungen.


Noch im Kunstunterricht der Schule hatte ich düstere Bilder gemalt. Eines, das den Weg an die Wand des Treppenhauses meiner Schule fand, zeigte ein weit geöffnetes Fenster, doch bis auf ein kleines Löchlein, durch das ein Bruchteil des Himmels schimmerte, war es mit schweren Ziegelsteinen zugemauert. Ich nannte es damals "Fenster ohne Aussicht".

Die Zeit des Wartens auf meine Zukunft überbrückend, ging ich für zwei, dre…

Hallo Echo... ?

Einen Stolperstein gibt es noch, der der Erwähnung wert ist: Wenn du dein Herz zu leben und nach außen zu manifestieren beginnst, wirst du sehr selten auf ein Echo stoßen. Dein Herz wird strahlen und andere berühren, du wirst viel Herzblut an andere geben, weil das dein Herz befreit. Sehr selten wirst du auf ein Herz treffen, dass die Impulse deines Herzens sofort erwidert.

Das ist im ersten Moment keine positive Nachricht, nicht wahr? Dies wirklich an sich heranzulassen, hat etwas zutiefst Entmutigendes. Auch ich fühlte mich jahrelang deswegen nicht sonderlich glücklich. Wenn dies aber unserer augenblicklichen Situation entspricht, dann gilt es, sich einmal dieser Wahrheit zu stellen.

Fakt ist: Wären wir alle von Geburt an offenen und freigiebigen Herzens, wäre uns mancher Irrweg und mancher Schmerz erspart geblieben. Dann hätten wir die Offenherzigkeit mit der Muttermilch aufgesogen, dann wären wir in Güte und Nächstenliebe aufgewachsen und die Gesellschaft und sozialen Strukturen wü…

Dem weiten Horizont entgegen

Mir über meine eigenen Motive klar werdend, beginne ich allmählich, die Zukunft nicht als etwas Festgelegtes, sondern als offen zu sehen. Und von dieser neuen, unvermuteten Offenheit ausgehend, setze ich bewusster und gezielter einen Fuß vor den anderen, dem weiten Horizont entgegen.

Fremdbestimmung ließ mich bisher das Gegenteil fühlen: Alles war schon geregelt, bevor ich es überhaupt erkannt habe. Alles war schon vorbestimmt, obwohl ich noch nichts davon wusste.


Bisher liefen meine Wünsche und Motive stets gegen Wände. Sie widersprachen dem, was das Leben mir an Möglichkeiten zu bieten schien und ich hatte vollständig meine Macht, über mein Leben zu entscheiden, abgegeben. Ohne zu wissen, an wen.

Wenn du einmal konsequent prüfst, wer oder was im Moment Macht über dein Leben hat, so wirst du seltsamerweise niemanden ausmachen können. Da gibt es letztlich keine konkrete Person, auf die du mit dem Finger zeigen kannst. Und das ist das Verrückte daran und provoziert sogleich die berecht…

An der Grenze des Machbaren

Früher habe ich mich nicht für meine Bedürfnisse eingesetzt. Das konnte ich nicht, weil ich sie nicht kannte. Niemand hatte mir beigebracht, was Bedürfnisse sind, wie ich meine ganz persönlichen Bedürfnisse erkenne und warum es natürlich ist, sie zu würdigen. Doch die Jahre an der Grenze meiner Ressourcen lehrten mich all dies.

Zuvor lebte ich nach dem "du musst...", "du sollst...", "das gehört sich so..." und "wenn du ein guter Buddhist bist, dann...".

Wer immer auch an die Grenze seiner Kräfte kommt, weil die sonst gewohnten Gegebenheiten und Umstände wegbrachen, weil man auf sich allein gestellt ist oder weil es jemanden gibt, der gerade sein eigenes Gleichgewicht verliert, wird die Erfahrung machen, wie wenig diese Regeln wert sind. Im echten Leben.
Alle Fremdbestimmung und alle Regeln, von denen ich sprach und die meiner Erfahrung nach nichts mit unserem wahren Kern und Herzen zu tun haben, sind gut gedacht. Aber sie sind gedacht. Sie wurd…

Hilflose Helfer und falsche Märtyrer

Eine gute Freundin etliche Jahre durch die Zeit ihrer ersten Verwirrung zu begleiten, war für mich eine große Herausforderung. Denn ich hatte selbst noch nicht alles verarbeitet, was nach meiner Entscheidung des Herzens aus mir alles hervor gekrochen kam. Zugleich suchte sie nach Halt und Hilfe. Und sie damit allein zu lassen, verbot sich für mich von selbst. Zu genau wusste ich, was das alles mit mir im Innern machte, als dass ich ihre Verwirrung hätte ignorieren können.

Ich war einige Jahre also in permanentem Unwissen, wer ich bin und wohin die Reise geht, zugleich erinnerte ich eine Freundin immer wieder daran, dass ihr Herz dennoch verlässlich ist. Und indem ich sie erinnerte, erinnerte ich mich.

Diese Jahre waren extrem und zugleich extrem lehrreich. Sie konfrontierten mich damit, was es heißt, für andere eine Hilfe zu sein, ohne mich selbst zur Märtyrerin zu machen. Diese Jahre zwangen mich dazu, immer auch auf mein persönliches Gleichgewicht zu achten. Nicht immer gelang das u…

Sanfte Güte und innere Gewissheit

Sanfte Güte und innere Gewissheit - dies ist der Weg des Herzens. Oder buddhistisch formuliert: Liebe und Weisheit - das ist der Weg Buddhas. Und Buddha hat nichts anderes gemacht, als diesen Weg durch sich selbst zu gehen. Durch sich selbst, meint, dass er ihn in seinem Körper, im eigenen Tun, im eigenen Geist ging. Er gründete keine Religion, sondern vermittelte anderen aus dem Fundus eigens gemachter Erfahrung, wie sie innerlich frei werden.

Der Weg des Herzens ist immer individuell. Er lässt sich den Gesetzen nach, dem er folgt, sicher verallgemeinern. Sonst könntest du dich in deinem inneren Erleben nicht in manchen meiner Blogbeiträge wiedererkennen. Doch die Erfahrungen, die du machst und die Erlebnisse, die du brauchst, um deinen Weg zu gehen, sind immer persönlich, individuell erlebt und daher nicht verallgemeinerbar.


Deshalb ist Religion oft trügerisch. Sie verleitet uns allzu oft dazu, zu denken: Wenn ich diese und jene Regeln einhalte, bin ich aus dem Schneider und auf der…

Im Nebel der ersten Verwirrung

Die Veränderungen im Außen, die du eventuell einleiten wirst, verändern dich. Das ist ein intensives Wechselspiel - und das muss es auch sein, willst du wachsen.

Doch der Mensch ist ein Gewohnheitstier. So wirst du manche Veränderung als sehr schmerzhaft erleben und dich des öfteren fragen: Will ich das alles wirklich wissen? Will ich das alles sehen und spüren? Denn die intensivste Veränderung, die du durchmachen wirst, ist die deiner Wahrnehmung.


Vielleicht hast du bisher schon Vieles von dem Unerträglichen, dass dein Herz in die Fremde treibt, registriert. Weil du aber nicht wusstest, was du mit allen diesen Informationen anfangen solltest, hast du sie einfach mental beiseite geschoben. Auch das können wir Menschen gut. Diese Informationen brodeln irgendwo in dir. Und zunehmend wirst du mehr Kraft benötigen, um den Deckel fest auf diesem brodelnden Topf zu halten.

Manchmal kann es passieren, dass dir im unpassendsten Moment alles um die Ohren fliegt.

Energien kontrolliert zu leiten,…

Wenn dein Herz dich in ein anderes Leben ruft

Wenn du jetzt die Chance hättest, ein neues Leben zu beginnen, würdest du es wagen? Würdest du weit über die Grenzen dessen gehen, was du über dich, deine Fertigkeiten und dein Leben bisher gedacht hattest und einfach etwas  komplett anderes ausprobieren?

Vielleicht wäre das, was du jetzt beginnen könntest, gar nicht komplett anders. Vielleicht wäre es nur etwas, was du bisher in deinem Herzen bewegt hast  - und gegen das du tausende von Einwände und Argumente gefunden hast, und es deshalb niemals in die Tat umgesetzt hast.


In diesen Tagen spüre ich dieses neue, bisher Ungewagte näher als sonst. Als hätte sich ein Vorhang gelüftet und etwas wäre mir plötzlich ganz nahe gerückt, was vorher unendlich weit im Dunstnebel eines anderen, noch nicht gelebten Leben zu liegen schien.

Wenn es dir auch so geht, frage ich dich: Willst du es? Willst du trotz aller Angst den Mut aufwenden, einfach Ja zu sagen? Und dir einmal den verwegenen Gedanken gestatten, dass es machbar und möglich wäre?

Mein Fr…

Wenn die Zeit reif ist ...

Wenn die Zeit reif ist, wird alles seinen rechten Platz finden. Noch ist es nicht so weit. Noch reichen die Möglichkeiten und Kräfte nicht, doch klar und deutlich sehe und fühle ich, wie es wäre, wenn die Zeit reif wäre.

Ach, wenn die Zeit doch reif wäre! Wie gütig wäre die Welt und wir darin und wohlbeschaffen alle Umstände. Ach, wenn diese Zeit gekommen wäre, fände mein Herz Ruhe!


Sehenden Auges alles zu erdulden, was diesem lichtvollem Bild einer gütigen Zeit widerspricht, ist manchmal schwierig. Doch ich bin mir klar darüber, dass ein Haus nicht über Nacht erbaut werden kann. Und die Kräfte, die ich sammle, um mit diesem Bild im Herzen und seiner Verwirklichung zu sein, werden zugleich benötigt, um einen Stein auf den anderen zu setzen.

Bevor der innere Palast nicht entstanden ist, kann nichts im Äußeren geschehen. Bevor die Mitte des Mandalas nicht betreten ist, kann kein zielgerichtetes Wirken beginnen.
Eine zeitlang sind wir nicht mehr als Zwischenwesen: Das Neue und das Licht k…

Die flüchtige Kunst der Übertreibung

Mit dem Schreiben ist das so: Ich schnappe mir eine bestimmte Idee, einen bestimmten Aspekt des Lebens und Leidens und vertiefe mich schreibend in diesen hinein, hebe einiges hervor, anderes lasse ich links liegen. Ich fokussiere mich auf eine bestimmte Sicht und zeichne sie in klaren Zügen.

Etwas in meinem Herzen treibt mich von innen an, mich nur auf diese Sicht mit ca. 1500 bis 2000 Worten zu konzentrieren. Irgendwann lasse ich wieder los. Die gestochen scharfen Worte verflüchtigen sich wieder und mit ihnen die Emotionen, die sie erzeugt haben.

Geistig arbeite ich genauso mit mir: Eine gewisse Zeit, die mir mein Herz vorgibt, vertiefe ich mich mit aller mir zur Verfügung stehenden Energie in ein Thema. Ich kann mich darin auch festbeißen, wie ein tollwütiger Hund. Letztlich ist es das, was ich von dieser Dogge in mir gelernt habe. Dann verwandle ich mich selbst in dieses unglaublich verbissene Wesen und übertreibe gelegentlich auch die negativen Aspekte, bis ich merke: Jetzt ist…