Auf ein neues, gut gelebtes Jahr!

Wieder neigt sich ein Jahr zum Ende hin, gefüllt mit meinem tiefen Wollen. Randvoll. Das Leben will und ich mit ihm.

Was ich nicht will: Besitz anhäufen. Was ich will: Besitz im Sinne von etwas, das ich festhalte, zu transzendieren, hin zum erfüllten Sein. Und was oder wer will ich sein? Ein tief in der Erde verwurzelter und den sie bewohnenden Wesen zugewandter Mensch. Um so jemand zu werden, darf ich mich nicht immerzu in Sicherheit bringen wollen.

Gerade jetzt, am Ende dieses vom Menschen beschlossenen Zyklus von 12 Monaten, auf der Schwelle zu einem neuen Jahr, voller Veränderungen, fühle ich mich so, als wäre es Zeit meinen Mantel endgültig abzuwerfen.

Oft habe ich mir dessen Kapuze tief ins Gesicht gezogen, um im Verborgenen zu wandeln. Doch tat ich es aus Weisheit, oder nur, um meine nicht verheilten Wunden zu schützen? 


In vielen der vergangenen Monate, die von der tiefen Einsicht getragen waren, dass es für mich so nicht weitergehen kann und Veränderungen willkommen sind, stand ich oft zwischen den Stühlen: Ein Teil will diesen Schutzraum, der mir Rückzug und Sicherheit ermöglicht. Ein Teil wünscht sich eine stabile Grundlage der Existenz, die meinen Empfindungen Sicherheit gibt und diese ab und an zur Ruhe kommen lässt.

Als Empath ist es gerade der Bereich des Fühlens, der mich am meisten durcheinander wirbelt, zutiefst erschüttert und regelmäßig verunsichert. Reflexartig suchte ich so diesen einen stabilen Grund und Boden. Doch fand ich ihn nicht.

Dieser andere Teil, der das Leben will und aus jeder Sekunde das Beste schöpfen möchte, weiß um die Notwendigkeit, sich dafür zu exponieren, vielleicht gerade am wundesten Punkt.

Und so verfolgte ich lange Wochen hindurch eine Art inneren Schlagabtausch, zwischen dem Wunsch, sich wie ein Einsiedlerkrebs mit dem verwundbarsten Teil in ein Schneckenhaus zurückzuziehen. Doch der Rest... strebt voran.

Damit strebt dieser andere Teil von mir zu auf Mut und Risiko, nimmt in Kauf, dass mancher emotionaler Flächenbrand mich demnächst wieder erfassen könnte.

So wäre ich emotional immer wieder gezwungen, wie Phoenix aus der Asche neu zu erstehen. Keiner weiß wo, keiner weiß wann dies das nächste Mal geschehen wird.

Jetzt, wo ich an der Schwelle zum neuen Jahr stehe, sage ich: "Ja" dazu. Sei es drum. Lieber tausendmal ein Phoenix, als stillzustehen.

In meiner Empfindungsfähigkeit liegt meine größte Stärke. Selbst wenn es auf Schritt und Tritt meine emotionales Sicherheitsbedürfnis aus den Angeln heben wird, ist doch eine der wichtigsten Fragen: Wofür habe ich sie, diese starke Empathie?

Wenn ich den Wesen dieser Erde zugewandt sein will, so will ich ihnen auch gut sein. Und womit könnte ich ihnen wohl am meisten Gutes tun, wenn nicht durch die Stärke, ihnen die Empfindungen zu spiegeln, denen sie sich entfremdet und zu denen sie den bewussten Kontakt verloren haben?

In meiner tiefsten Herzensüberzeugung ist unser innigstes Wesen nicht nur klar und erkennend, sondern vor allem empfindsam. Dieses Wesen empfindet klar und erkennt es. Doch was? Das, was ist. In allen Facetten, ohne Ausnahme. Wenn dieses Empfinden dessen, was ist, ohne Mühe stets vorhanden ist, kann es keine Schwäche und schon gar nicht etwas Schädliches sein.

So greife ich mich selbst und neue Gelegenheiten beim Schopf und lasse es geschehen, mich in meiner größten Gabe zugleich ausgeliefert und nackt zu fühlen. Und damit mitten am Leben. Beteiligt und dabei.

Mein Wunsch für das neue Jahr ist daher leicht zu verstehen: Ich möchte diesen Mantel ablegen, den ich mir stets instinktiv zum Schutz um die Schultern gelegt habe. Der mir ermöglicht hat, aus Angst vor starken Empfindungen und emotionalen Erschütterungen im Schatten zu wandeln. Damit sei es nun vorbei.

Ich möchte nicht nur Veränderungen wünschen und dann wie gelähmt vor ihnen zu erstarren, als mit dem Fluss der Notwendigkeiten zu gehen. Ich heiße jenen Teil bewusster willkommen, der notfalls mitten durch das Feuer geht, im Vertrauen darauf, dass ich daraus immer wieder neu erstehe. So, wie ich es seit unendlichen Zeiten bereits tue. Nur vergaß ich es.

So vieles, was ich zu halten und bewahren hoffte, rann nun schon wie Sand durch meine Finger. Immer wieder waren meine Hände leer. Doch ich war - egal in welchem physischen Gewand - immer noch ich. Und wenn ich mich während des Gehens durch unendliche Universen zurück wandte und auf die durch mich hinterlassenen Spuren schaute, war da nichts, als ein klares, reines, warmes Gefühl.

Das ist meine größte Stärke. Das ist das, was ich - wem auch immer - hinterlassen kann. Keiner weiß, woher es kam und wohin es ging. Doch es zu erwecken, ist mein Feenstaub. Ihn streue ich unbemerkt aus meinen unsichtbarem Herzen und während ich lautlos verschwinde, verweilt es ein wenig. Bei dir, oder bei dir. Und wenn ich meine Sache gut gemacht habe, wirst du oder du, oder du, dich tief im Herzen dafür entscheiden, es ein wenig beizubehalten. Vielleicht für immer.

Und wenn dieses bestimmte Gefühl entstehen soll, braucht es Raum. Und Stille. Und dort, wo weder Raum, noch Stille ist, kann ich beides schaffen. Und dafür ist es notwendig, ein ganzes Meer an raumgreifenden Gefühlen zu absorbieren und tief in mein Herz zu nehmen.

Du glaubst mir nicht, dass ich das tue und das kann? Macht nichts. Hauptsache, ich weiß, dass ich es kann und mir endlich selbst meinen größten Lebenstraum erfülle, diese Fähigkeit in mir ihrer Natur nach schalten und walten zu lassen. Dafür gebe ich mich nun frei ...

Und dafür möchte ich diesen Mantel, der mich und dich heute noch trennt, ablegen. Ich möchte zulassen, dass das Leben, oder du, oder du, mich zutiefst erschüttert und berührt. Und manchmal mich zu einem Häufchen Asche verbrennt.

Und in der Klarheit des daraus neu entstehenden Raumes kann dann ungehindert die stille Erkenntnis, gleichzeitig sowohl in dir als auch in mir, entstehen, dass nichts außer dem Gefühl tiefsten Willkommenseins existiert. Das ganze Universum ist voll davon. Und daher besteht kein Grund, einander feindlich, missgünstig oder überwollend zu begegnen.
 

Ich nehme mir jetzt die Zeit, diesen Mantel abzulegen. Ich schaue zu, wie er langsam in den Flammen meiner Entschlossenheit in Rauch aufgeht. Dieses Schutzschild, was mich von der intensiven Gewissheit, am Leben zu sein und das Beste dazu beizutragen, getrennt hat.

Und sollte ich alles das, was mir heute so deutlich im Herzen geschrieben steht, in den nächsten zwölf Monaten mit allen seinen Ablenkungen wieder vergessen haben, so beschließe ich, mich dessen dann wieder neu zu erinnern. Um wieder in die richtige Spur zu kommen, sollte ich sie verloren haben.

Anlässlich dieser künstlichen Synkope in unserem Jahreslauf wünsche ich Dir von Herzen das Gleiche:

Mögest Du im neuen Jahr wieder zurück in die richtige Spur finden, die Dir, in diesem Leben sowohl zu folgen als auch zu hinterlassen, in die Wiege gelegt wurde - solltest Du sie irgendwo verloren haben.

Ich bin mir absolut sicher, das daraus für alle mit Dir in Berührung kommenden Wesen einzig und allein Gutes entsteht!

Von Herzen ein gesundes, neues Jahr 2014 für Dich!




Kommentare

  1. Liebe Josephine

    Auch für Dich ein gesundes und erfülltes Neues Jahr. Mögen sich Deine Herzenswünsche erfüllen und deine Wunden vollständig heilen.

    Manchmal lese ich hier mit und einige Deiner Gedanken kann ich gut nachvollziehen, für andere bin ich intellektuell zu wenig geschult. Siehst du ich bin über 60 Jahre, und habe erst jetzt die Gewissheit, oder besser gesagt das volle Vertrauen gefunden in einen Weg und auch in einen Lehrer. Natürlich können wir den Weg alleine gehen, doch irgendwann kommt der Punkt, wo es gut ist sich vertrauensvoll einer geistigen Führung anzuvertrauen. Allerdings tut prüfen not, den Lehrer und auch umgekehrt den Schüler, aber das weißt du besser als ich, du hast ja einiges an Schriften studiert.

    Nochmals von Herzen alles Gute für Dich!
    Liebe Grüsse
    Elfe

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    1. Liebe Elfe,

      vielen Dank für deine guten Wünsche. Ich wünsche Dir nicht nur für dieses Jahr von Herzen Vertrauen in deinen eigenen Weg und den Lehrer, zu dem du Vertrauen gewonnen hast! Das ist das Wichtigste!

      Natürlich brauchen wir Lehrer. Wer, wenn nicht wir, die wir leider keinen guten Zugang zu buddhistischen Quellen haben? Oft bleibt uns nichts anderes übrig, als mit dem zufrieden zu sein, was für uns erreichbar ist, in der Welt, in der wir leben.

      Ich unterscheide geistige Führung daher oft von dem Lehrer, der gerade vor mir sitzt, wenn ich Unterweisungen höre. Geistige Führung kommt in meinen Augen nicht nur durch den als Mensch inkarnierten Lehrer vor mir, sondern auch die Resonanz, die seine Worte in meinem Herzen finden. Es ist gut, skeptisch zu sein und sich nur das anzunehmen, was man im Herzen als richtig erachtet. Und nichts anderes tue ich, weil wirklich gute Lehrer im deutschsprachigen Raum selten sind. So empfinde ich das.

      Einer der besten und für mich durch die Medien relativ greifbarer Lehrer ist immer noch Seine Heiligkeit der Dalai Lama. Bei ihm spüre ich sehr deutlich, dass es zwischen ihm als Person und dem, was er lehrt, keinen Widerspruch gibt. Und dieser meiner persönlichen Wahrnehmung vertraue ich. Möge er noch lange leben :-)

      Und von Herzen ebenfalls für dich ein gesundes, reiches Jahr voller Wachstum, in allen Bereichen, in denen du dir Fortschritt wünschst.

      Liebe Grüsse
      Josephine

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    2. Danke dir liebe Josephine. Ich bin etwas überrascht, weil die Meldung kam der Kommentar vom 31.12. werde nicht angenommen wegen einem technischen Fehler. Und da dachte ich, es muss wohl nicht sein. Dann doch (lächel).

      Das was du über den Dalai Lama schreibst, gilt für mich ebenso.
      Liebe Grüsse
      Elfe

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    3. Liebe Elfe,

      schön, dass die Technik ein Einsehen hatte und deine Nachricht mich doch erreicht hat. Ich habe mich darüber sehr gefreut! :-)

      Ein schönes Wochenende wünscht dir herzlich
      Josephine

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