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Es werden Posts vom Oktober, 2013 angezeigt.

Wenn es weh tut, dann tut es weh

Früher habe ich meine Eigenschaft, Dinge so auszusprechen, wie ich sie gerade wahrnehme und empfinde, immer als "deutsche Direktheit" bezeichnet.  Heute nun spüre ich dem nach und möchte das gern korrigieren: Dass ich das, was ich wahrnehme, so ausspreche, wie ich es in diesem unmittelbaren Moment wahrnehme, hat für mich viel eher mit einer klaren Verbindung zu meinem Herzen und meinen Gefühlen zu tun.

Das ist nicht "deutsch". Ich war schon immer so. Und auf dieser Grundlage der direkt gefühlten Wahrnehmung aus dem Augenblick heraus, schreibe ich meine Beiträge hier. Aus dieser Offenheit für mich, meine Empfindungen und dem Austausch mit meiner Umgebung.

Daraus ist für mich viel Schmerz entstanden. Oder, besser formuliert: Wenn ich in Momenten des Schmerzes offen genug war, ihn auch wahrzunehmen und auszusprechen, wurde alles noch viel schmerzhafter.

Ich erinnere mich an meinen elften Geburtstag. Dies war ein schlimmer Tag für mich, denn damals wurde mir zum ersten…

Der Moment des Strauchelns

In meinem Leben bin ich schon des Öfteren ins Straucheln geraten: Da ging ich eine zeitlang zielstrebig meines Weges... und plötzlich, beinahe über Nacht, kam mir meine so sicher geglaubte Perspektive abhanden. Unvermittelt war sie nicht mehr da, beinahe so, als hätte ich für einen Augenblick das Bewusstsein verloren oder als sei ein Teil meiner Überzeugungen komplett auf Null zurück gesetzt worden...

In gewisser Weise bin ich wieder hier angekommen, an einem solchen Moment. Dem einen oder anderen aufmerksamen Leser mag das schon aufgefallen sein.

Und solche Momente sind mir schon vertraut: Ganz früher, da endete mein Weg oft sehr schnell und schon eine Hand breit vor meiner Nase. Um ehrlich zu sein, hatte ich oft sogar das Gefühl, geradewegs gegen Wände zu laufen. Egal, was ich versuchte - es ging nicht voran. Ich fand keine Klarheit, keine Erleichterung, keine Erkenntnis, sondern stand mit meiner angeschlagenen Stirn einfach nur mittem im Dunkeln. Das war die Zeit, bevor ich zu med…

Entscheidungen des Herzens

Das Leben ist kein Kinosaal, in dem wir, von den flackernden Bildern vor uns und durch sie entstehende Emotionen gebannt, Popkorn essen. Das Leben findet auch nicht auf der Couch vor unserem Fernseher oder auf dem ergonomischen Bürostuhl vor unserem PC statt.

Und das Leben sind auch nicht die Bilder und Impulse, die wir täglich aus unserem Inneren aufsteigen sehen und dabei beobachten, wie sie wieder ungenutzt verschwinden.


In der Meditation wird gerade das gelehrt, so scheint es: Ich sitze auf meinen Kissen, sehe die Gedanken kommen und gehen, und erkenne, dass dies alles nicht wirklich existiert. Und es gibt viele Menschen auf dieser Erde, die ihr Leben damit verbringen.

Doch wenn du wahrhaftig in die Tiefe gehst, so wirst du erkennen, dass auch dein Geist keine Leinwand ist. Denn alles, was sich dir auf deinem Kissen zeigt, steht in Verbindung mit deinem täglichen Denken, Sprechen und Handeln. Und allein zu erkennen, dass vieles, was du für echt, solide und undurchdringlich gehalt…

Der Überdruss

Die innere Unruhe beginnt seit ein paar Tagen von selbst mit mir zu kommunizieren. Wie immer ist es anders, als ich erwartet habe: Auch ohne bewusstes Stillwerden reichte meine Wunsch aus, die Unruhe zu ergründen, um etwas in Bewegung zu setzen.

Und dies ist der Kern meiner Unruhe: In den letzten Wochen beobachtete ich mich dabei, wie ich mich leise, im Hintergrund, darüber beschwerte, dass auch die letzten zehn Jahre mit allen Schwierigkeiten und Anstrengungen nicht ausreichten. Subtil machte ich mir Vorwürfe dafür, dass dies alles als kritische Masse nicht ausreichte, um die Waagschalen zu meinen Gunsten zu füllen. 

Ich bin noch immer nicht dort angelangt, wo ich mich wirklich eins mit meinen Anlagen, Neigungen und dem hiesigen Leben erleben kann.

Doch eins weiß ich sicher: Sich zu beschweren ist nicht konstruktiv. Letztlich zählt am Ende nur Ursache und Wirkung. Und wenn die Umstände nicht so sind, wie ich sie gern hätte - sie also nicht zuträglich sind, um mich an meinem Platz zu fü…

Die Überlieferung des offenen Herzens

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Die wichtigste Überlieferung, die ich jemals von meinem Wurzellehrer bekommen habe, war die Begegnung und Übertragung seines offenen und warmen Herzens. Diese Einsicht traf mich überraschend, als ich neulich in buddhistischen Unterweisungen saß.

Auf einmal wusste ich ziemlich genau, was ich all die Jahre, die er nicht mehr da ist, vermisste: Die Vertrautheit, Zuwendung und warme Fürsorge, die mir in den Jahren bei meinem Lehrer beinahe schon selbstverständlich geworden waren. Doch bis zu diesem Tag, als ich dort im Dharmazentrum saß und Unterweisungen zum Herzsutra hörte, war mir dies noch nie in voller Konsequenz bewusst geworden.

Irgendwo in diesem Blog erwähnte ich schon, dass ich kaum persönlich zu nennenden Kontakt zu meinem Lehrer hatte. Als ich ihn 1998 zur Besuch Seiner Heiligkeit des Dalai Lama in Rheinsehlen bei Schneverdingen zum ersten Mal begegnete, wusste ich nur, dass er der Lehrer am Tibetischen Zentrum Hamburg war.

Zufällig ergab es sich, dass ich aufgrund meiner frei…

Über Stillstand, Unruhe, Satelliten und Türen

Für mich gibt es derzeit viele Gründe, von Stillstand zu sprechen. Dieses Gefühl, dass mein Leben in einem Zustand äußerer Routine eingefroren scheint - einen Zustand, den ich eigentlich nie mehr haben wollte.

Sag niemals nie, lautet das alte Sprichwort...

Vielleicht ist das, was ich im Äußeren als Stillstand erlebe, auch etwas anderes. Eine Veränderung der Wahrnehmung und des Erlebens, als es mir in den letzten zehn Jahre eigen war, zum Beispiel.


Rasant waren die letzten zehn Jahre. Sie erschienen mir mehr als Fluch, als dass ich darin täglich Segen zu sehen vermochte. Doch wenn ich etwas damals wirklich gut beherrscht habe, dann trotz nicht vorhandenen Bodens unter meinen eigenen Füßen, zuversichtlich zu sein. Ich kenne "worst case"-Szenarien durch und durch. Und dabei verliere ich nicht die Nerven. Höchstens eine Schrecksekunde lang.

Doch wenn der Druck der im Zeitraffer vorbeirasenden Ereignisse und Erfordernisse von mir abfällt, dann fühle ich ihn plötzlich, den nicht v…