Deine persönliche Unio Mystica*

Den Weg, dem ich alles, was ich bin und habe, dargebracht habe, habe ich immer als meinen ganz persönlichen Weg angenommen. Manchmal widerwillig, manchmal voller Zuversicht und Mut. Alles lasse ich durch mein eigenes Herz gehen, habe es also so dicht an mich herangelassen, dass es mich berühren konnte.

Und wenn du auf deiner Reise bisher niemals tief bis ins Mark getroffen und erschüttert wurdest - ganz intim und persönlich, dann gehst du weder einen Weg, noch bist du richtig am Leben.

Denn wie will sich etwas in dir transformieren und dich zum Höchsten und Besten erheben, was du dir jemals vorstellen konntest, zu sein, wenn du es nicht die Pforte deines Herzens passieren lässt? Wenn du nicht zulässt, dass dich die Berührung mit sich in ungeahnte, doch ersehnte Tiefen reißt? Wenn dir diese Berührung nicht Zugang gewährt, zu bisher unbekannten Räumen, letzten Endes zu diesem größten, einen, allumfassenden Raum, der der Urgrund und die größte Vollendung deines Herzens ist?

Wenn du diese Sehnsucht nach dieser tiefen, zärtlichen und dennoch kraftvollsten Berührung deines Herzens spürst, bist du kurz davor, ganz eins mit deinem persönlichen Weg zu werden. Mit dem Weg, der nur dir bestimmt ist zu gehen. Der Weg, den außer dir keiner gehen wird, wenn du ihn nicht gehst. Ein Weg, der in seiner Schönheit und Kraft und tiefer Freude so einladend ist und dennoch deinen ganzen Mut erfordert.

Jetzt stehst du an einer Schwelle, die zu übertreten ALLES bedeutet. Diese Schwelle ist der Übergang zwischen - lapidar gesprochen - Theorie und Praxis. Zwischen dem Stadium, in dem du einer Sache dienst, die als gut und heilsam und nützlich gilt, oder diese Sache in persona wirst. Dies ist der Moment, in dem du nicht mehr passiv dabei bist, sondern ab sofort selbst handelst. Im Zentrum deines Seins, deines unerschöpflichen Gefühls, was sich endlich verbinden will, mit allem, was dich umgibt.

Wenn du aufgibst, ein Theoretiker zu sein, wird dein Herz brennen - und niemals mehr damit aufhören, solange du lebst. Und diese Flamme ist dazu bestimmt, andere Herzen schonungslos in Brand zu setzen. Erst wenn dieses unendlich liebevolle Feuer der Transformation alle Schatten in Licht verwandelt hat, wird es aufhören zu lodern.

Insbesondere dann, wenn du etwas oder jemanden hast, der mit seiner Präsenz diese Flammen in dir nährt. Wenn du vom Theoretiker zum wahrhaft Praktizierenden geworden bist, weil da etwas oder jemand ist, der dir einmal die Flamme deines Herzens offenbart hat, gibt es kein Zurück mehr.

Wenn du dann umkehrst, wirst du dir selbst und deinem Herzen zutiefst schaden. Vor allem wirst du niemandem in vollster Tiefe nutzen. Und das ist der Grund, warum viele nicht über diese Schwelle gehen: Entweder haben sie den Rückzug angetreten und dabei jede Perspektive verloren, oder sie haben Angst, vollkommen eins mit dem, was sie lieben, zu sein. Diese sind als Lichtbringer für diese Welt verloren - bis sie sich das nächste Mal aus dem Schatten, den sie auf sich selbst werfen, hervorwagen. Manchmal kann das sehr lange dauern. Manches Leben überdauern sie als leere, herzenskalte Hülle. Und genau das willst du nicht sein.

Ich lade dich ein, mit mir zu sein, wenn du dich in mir gespiegelt findest. Denn auch ich bin auf die Flamme deines Herzens angewiesen, die mich nährt, wenn ich erschöpft und ausgelaugt bin. Ich lade dich noch einmal ein, damit du vollkommen sicher bist, dass ich dich meine. Dich. Dich. Und noch einmal Dich.

Sei mehr, als du bisher warst - und womit du dich selbst zu Tode deprimiert hast. Und nirgendwo war ein Spiegel deines wahren Ich zu finden... Doch damit ist es nun vorbei.

Wenn sich zwei, drei Herzensflammen verbinden, was könnte daraus wohl Wunderbares entstehen? Ja. Auch für dich persönlich - denn der Weg ist per se persönlich. So viel Ungelebtes, Unentdecktes, Unerkanntes mag da noch schlummern und schmerzen, weil niemand es zu seiner Vollkommenheit geweckt hat. Weder in dir noch in mir.

Ab einem gewissen Punkt des Weges, wenn er vom Persönlichen ins Überpersönliche mündet, wendet er sich sanft vom Ich zum Du - und von da zum Wir. Obwohl noch immer ursächlich du und nur du derjenige bist, der erlebt und genießt, geschieht das mehr und mehr im wir. Und so soll es ja auch sein. Nur so potenziert sich eine Kraft, die früher oder später alle Wesen einschließt.

Mit der Zeit schließen sich immer mehr Herzensflammen ineinander und vervollkommnen einander, zu einem, das Universum flutenden, hellen Schein.

Irgendwann ist er nicht mehr zu übersehen.


Irgendwann wird dieses Licht unerschütterlich in seinem grenzenlosen Geben sein.


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*unio mystica (lat.) = Vereinigung mit Gott, Vereinigung mit dem Göttlichen

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