Posts

Es werden Posts vom August, 2013 angezeigt.

Einsames Erwachen

Vielleicht ist eine der am schwersten zu akzeptierenden Einsichten, dass Erwachen kein Gruppenphänomen ist.

Jeder von uns sehnt sich nach Gesellschaft, in der wir unsere Aha-Erlebnisse teilen können. Deshalb suchen wir die Gemeinschaft, den Sangha. Doch letztlich liegt jedes noch so geringe, leise Verstehen und Erkennen vor allem in unser eigenen Wahrnehmung.

Jedes "Aha", jedes Gefühl der Verbundenheit mit anderen, jedes Loslassen einer fixen Idee erwacht in uns. Eine Weile mag es dauern, nach und nach wieder schwinden. Selbst wenn wir diesen Moment einen Augenblick lang teilen, bleibt er in uns. Und die Worte, die wir zum anderen hin sprechen, um den anderen einzubeziehen, spiegeln nicht annähernd unser inneres Erleben.

Um so erstaunlicher finde ich also, dass Spiritualität so oft in Gruppen gepflegt wird. Da werden Belehrungen gegeben, zusammen praktiziert. Da werden ganze Jahresurlaube verplant und darauf hingespart, diesen oder jenen Lehrer zu treffen.

Wenn Erwachen in mi…

Unfold your own Myth

Who gets up early
to discover the moment light begins?
Who finds us here circling, bewildered, like atoms?
Who comes to a spring thirsty
and sees the moon reflected in it?
Who, like Jacob blind with grief and age,
smells the shirt of his lost son
and can see again?
Who lets a bucket down and brings up
a flowing prophet?
Or like Moses goes for fire
and finds what burns inside the sunrise?
Jesus slips into a house to escape enemies,
and opens a door to the other world.
Soloman cuts open a fish, and there's a gold ring.
Omar storms in to kill the prophet
and leaves with blessings.
Chase a deer and end up everywhere!
An oyster opens his mouth to swallow on drop.
Now there's a pearl.
A vagrant wanders empty ruins.
Suddenly he's wealthy.
But don't be satisfied with stories, how things
have gone with others. Unfold
your own myth, without complicated explanation,
so everyone will understand the passage,
We have opened you.
Start walking toward Shams. Yo…

Spiritueller Snobismus

Manchmal sehne ich mich nach den ganz normalen und einfachen Menschen. Die nicht Spiritualität und Glauben vor sich her tragen, wie eine Fahne. Die bereit sind, ihrer undogmatischen, natürlichen Menschlichkeit zu folgen und das gesunde Bedürfnis haben, das Gute, das ihnen widerfährt, an andere zurückzugeben.

Manchmal verursacht mir zuviel verbalisierte Spiritualität und geäußerter Glauben Übelkeit. Insbesondere dann, wenn die gewählten Worte den Eindruck vermitteln, dass die eigenen, spirituellen Überzeugungen die einzig seelig machenden wären. Und wenn sie zwischen den Zeilen behaupten, dass einzig durch Spiritualität und Glauben der Mensch erst gut werden kann.

Ich weiß nicht, ob es damit nur mir so geht, aber letztlich empfinde ich eine solche Haltung als neu erschaffene Täuschung, die das Herz in seiner ursprünglichen Reinheit und Wahrheit verhüllt. Wieder erzeugt diese geistige Haltung den Eindruck, dass ich meine Menschlichkeit erst erlernen und dann unter Beweis stellen muss. Wie…

Only Breath

Not Christian or Jew or Muslim, not Hindu
Buddhist, sufi, or zen. Not any religion


or cultural system. I am not from the East
or the West, not out of the ocean or up


from the ground, not natural or ethereal, not
composed of elements at all. I do not exist,


am not an entity in this world or the next,
did not descend from Adam or Eve or any


origin story. My place is placeless, a trace
of the traceless. Neither body or soul.


I belong to the beloved, have seen the two
worlds as one and that one call to and know,


first, last, outer, inner, only that
breath breathing human being.

Mevlâna Jalâluddîn Rumitranslated by Coleman Barks,Link

Unter anderem zu finden in: "The Essential Rumi", Link





Antwortende Stille

Als Kind schnappte ich mir manchmal mein Fahrrad und fuhr ein Stück in den Wald, getrieben von einem inneren Bedürfnis nach menschenloser Einsamkeit. Und ich liebte den Sommer schon allein deswegen, weil ich mir ein Plätzchen unter dem Apfelbaum im hochgewachsenen Gras auf der Wiese hinter dem Haus suchen konnte - dort sah mich niemand.

Ich saß oder lag dort und tat etwas, was ich heute vielleicht Meditation nennen würde: Ich spürte den Geräuschen nach, ich hörte die Empfindungen, die durch dieses Mitschwingen mit meiner Umgebung entstanden. Ich leerte den Kopf aus und verschmolz intuitiv mit meiner Umgebung. 

Ja, ich war in gewisser Weise menschenscheu und fühlte mich glücklich, wenn ich einfach dem Rascheln der Gräser und Blätter im Wind lauschte. Manchmal las ich dort auch, doch ich wollte vor allem mit der Natur allein sein.

In diesen Momenten bewusst fern von Menschen sein zu wollen, hatte vielleicht mit meiner Empathie zu tun. In Gegenwart anderer gab es immer viel zu denken un…