Karma... Damokles-Schwert? ...Excalibur?

Was meine Geduld oft strapaziert, ist das Konzept von "Karma". Hier meine ich, wie so oft, die landläufige Deutung des Begriffs "Karma".

Dieser Begriff wird als Zuschreibung oder Waffe benutzt. Türen in dir und anderen werden damit fest verschlossen, statt geöffnet - und Herzen vergiftet. Dabei müssten oft im eigenen Geist wichtige, auch dunkle Zimmer betreten werden, um sie mit Licht zu fluten. Jemandem zu sagen - und sei es zu einem selbst - "Das ist halt dein/mein Karma", baut stattdessen unnütze Hindernisse auf dem Weg zur Heilung auf.


Den Begriff "Karma" so zu gebrauchen, nährt das Ego. Hier meine ich jetzt jenen Aspekt, der Minderwertigkeitskomplexe hat. Jener Aspekt, der sich selbst seine angeblich eigene Unfähigkeit, sein Unvermögen, sein unglückliches Leben und erschwerende Umstände nicht verzeiht.


Eine solche Verwendung des Begriffs ist wie ein Giftpfeil, den wir in die eigene Seele senken und tiefer und tiefer bohren. Ganz sicher werden wir uns für sehr lange Zeit damit vergiften, wenn wir Gedanken der Unzulänglichkeit und die Schlussfolgerung, dieses Dasein wohl aufgrund früherer, schlechter Taten nicht anders verdient zu haben, in uns nähren.


Ich wehre mich vehement gegen eine solche Sicht, auch in mir selbst. 



Allein schon deshalb, weil ich jeden Gedanken als fühlendes Wesen sehe. Und ein Wesen, was so über sich selbst denkt, wird niemals in die Schönheit, den Glanz und den Edelmut seines eigenen Herzens vertrauen.

Leichte Beute wird es sein, für jene, die es für schlechte, egoistische Taten missbrauchen wollen. Es wird ein Fähnchen im Wind der Macht unheilvoller Kräfte sein und Handlanger von wahrhaft bösen Taten. Böse Taten auch und vor allem gegen sich selbst. Und das darf nicht sein.

Ein solches Wesen wird die Dunkelheit als einzigen Lebensort akzeptieren, den es verdient hat. Und wird Höllenqualen leiden, aufgrund der ewig ungestillten Sehnsucht nach dem eigenen Herzen, bis zum Ende aller Zeiten. Und das darf nicht sein.

Daher bitte ich dich, sei achtsam, was du denkst. Nimm dir Zeit, alle jene Tendenzen in dir aufzuspüren, die dazu führen, dass du alle deine schlechten Umstände als das Damoklesschwert "Karma" über deinem Haupt akzeptierst. Alle jene Zuschreibungen, die dich angstvoll dessen Herabfallen erwarten lassen und dich in einen Kokon der Selbstvernichtung verbannen. Bitte, spüre sie auf und erforsche sie. Sie als wahr zu akzeptieren, ist nicht gütig.
 

Ja, diese wertenden Gedanken sind da. Doch lasse sie nicht so stehen. Erinnere dich stattdessen an deine Buddha-Natur. So bitte ich dich.
 

Ich bin dieser dunklen Sicht sehr nahe. Mit ihr kenne ich mich aus. Und ein jeder, der schlimme Zeiten erlebt hat und in weniger glücksverheißende Umstände geboren wurde, als wir im Westen sie oft haben, wird Tendenzen haben, sich in solchen Gedanken zu ergehen und wohnlich einzurichten.  Doch sie vergiften uns und unsere Umgebung. Sie vernichten Hoffnung und Zuversicht in dieser Welt. Und hier und da werden sie bewusst gepflanzt, um blühendes Leben zu vernichten.
 

Wo keine Hoffnung und Zuversicht keimen kann, da auch kein Wunsch und Wille, zu verändern. Und wo keine Veränderung angestrebt wird, sind wir Opfer der Untaten des Ego.
 

"Karma" ist viel komplexer, als dass wir, die wir die Scheuklappen menschlicher Körper tragen, es jemals ganz durchschauen könnten. Und doch verbringen wir einen Großteil unsers Lebens damit, genau dies zu ergründen.
 

Ein Teil bleibt uns verborgen. Und nur durch Gnade, die uns manchmal zuteil wird, wenn wir besonders reinen und offenen Herzens sind, wird uns ermöglicht, etwas tiefgründiger zu verstehen.

Von wem? - wirst du fragen. Aus deinem eigenen Herzen heraus, was dem Universum so nahe und mit allem, was lebt, verbunden ist - ist die Antwort.

 

Und bitter wird es, wenn du mit dem, was du im innersten Herzen verstehst, nach vorne preschst, wie ein durchgehendes Pferd. Wenn du nicht still und leise wirken lässt, was dir da an Einsicht offenbart wird und damit nach außen gehst, wird der andere Aspekt des Egos aktiv: Der Größenwahnsinnige. In dessen Hand sich das Schwert des Damokles so rasch in das Schwert "Excalibur" verwandeln möchte. In dessen lichtvollen Glanz Befreiungskriege geführt werden und dabei wiederum Herzen vergiftet. Und "Karma", so verstanden, hat mit alldem nichts zu tun.
 

Daher sage ich, sei achtsam. Gehe nicht den Weg des geringsten Widerstandes, der allzu rasch Erklärungen und Deutungen universaler Phänomene akzeptiert. Der diese nicht sorgsam zu Ende reflektiert und dabei nachfühlt - um endlich Ruhe zu haben, vor der Unendlichkeit allen Lebens und des Universums, die oft so irritierend ist. Darin besteht die Täuschung deines Geistes. Und "Karma" hat mit alledem nichts zu tun.
 

Demut zu haben, vor dem Leben und dem Universum, ist eine wichtige Zutat zur Heilung.
 

Demut, die dazu führt, die eigene Sicherheit in den Interpretationen und Schlussfolgerungen in Frage zu stellen.
 

Demut, die dazu führt, jenseits des eigenen Interpretierens und des "Karma"-Lebens Zeichen und Wunder zu erwarten.


Demut führt zur Öffnung gegenüber dem, was nicht gesagt, nicht gedacht und nicht vermutet werden kann. Und damit dahin, wo der Raum des Herzens selbst zur Wirkung kommt sowie die Freiheit, die nicht von der Liebe zu allen fühlenden Wesen lässt. 

Denn wenn du genau prüfst, so wirst du bemerken, dass jede Erklärung, warum an dir und deinem Leben etwas gut oder schlecht ist, den Seelenfrieden und die Bedürfnisse irgendeines anderen ausschließen wird. So ungerecht kann das Universum nicht sein.
 

Ungerechtigkeit ensteht immer daraus, was wir aus Situationen, Umständen und dem Zusammenkommen von Ursachen und Umständen schlussfolgern - und dass wir daher, für uns selbst, irgendetwas in Sicherheit bringen wollen.
 

Diese absolute Sicherheit gibt es nicht.
 

Doch das werden wir solange nicht vollständig verstehen, solange wir in der Begrenztheit eines physischen Körpers wohnen.
 

Daher bitte ich dich, demütig, offen und gerecht der schönen Blüte deines Herzens und aller fühlenden Wesen gegenüber zu bleiben.
 

Benutze das Konzept "Karma" nicht, um zu vergiften oder dich eines eigenen Vorteils zu ermächtigen. 

Nur so werden - langfristig gedacht - die leidenden Wesen ins eigene lichtvolle Herz befreit werden und Frieden finden.
 

Und darauf hoffe ich.




Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Bedeutung, Begeisterung, Selbstwirksamkeit

Die Bedeutung des Fühlens

Konsens oder das Gesetz des Stärkeren?