Jeder Gedanke - ein fühlendes Wesen

Wenn du feststeckst, wenn du keine Fortschritte machst, wenn du mit dir selbst ringst, als dich innerlich freier zu fühlen - dann kann es hoch an der Zeit sein, die Perspektive zu ändern.

In Wahrheit geht es immer irgendwie weiter und voran und es gibt immer eine neue Herausforderung, auf dem Weg zum eigenen Herzen. Und die größte Herausforderung ist immer die Beste. Also ist das Empfinden, nicht voranzukommen, genau das Hindernis, um das es momentan geht.

Wie wäre es, wenn du alles einmal auf den Kopf stellst: Was du über dich denkst, wo du glaubst, gerade zu stehen, was du glaubst, gerade zu brauchen, worüber du glaubst, nicht hinwegzukommen, was du annimmst, niemals zu schaffen. Nimm alle diese Zuschreibungen - denn die bilden den Käfig, in dem du dich im Moment gefangen fühlst. Schreibe sie auf und schaue sie dir ganz genau an
.

Hilfreich dafür ist, wenn du versuchst, genau dessen Gegenteil für ebenso potentiell wahr zu halten. Versuche einmal, ganz offen zu sein und zu denken: Mit allen diesen Ansichten über mich bin ich einfach komplett auf dem falschen Dampfer.

Und wenn du gut darin bist, dich auf geistige Bilder einzulassen und die Gefühle, die sie begleiten, empfehle ich dir noch etwas: Stelle dir einmal vor, dass jeder Gedanke, den du denkst und manchmal gebetsmühlenartig in dir gewähren lässt, zu einem fühlenden Wesen gehört...


Scheint dir das abwegig? Egal. Wir haben uns gerade entschlossen, ganz neue Wege zu gehen und neue Mittel einzusetzen, um dich aus deinem Käfig zu holen.

Im Buddhismus wird oft davon gesprochen, dass uns die ganze Zeit Wesen umgeben und dass unsere Dimensionen und Lebenswelten einander durchdringen. Einmal hörte ich sagen, dass in der Spanne zwischen deinem ausgestreckten Arm und deinem Körper sich tausende Wesen befinden sollen...

Wollen wir also einmal dieses Meditationsexperiment starten? Dann setze dich ruhig hin und lasse zuerst den Gedanken zu, dass jeder Gedanke von dir ein eigenes, fühlendes Wesen sein könnte.

Wäre nicht deine erste Frage: Wie sehen sie aus? Wie sind sie beschaffen? Wie und wo leben sie genau? Und was machen sie bei mir?

Sehr gut. Gute Fragen. Wichtige Fragen. Und die Antworten kannst du dir sofort bei diesen Gedankenwesen selbst abholen.

Fangen wir am besten mit dem an, was dich momentan am meisten beschäftigt und deinem Herzen nahe geht. Vielleicht ist da eine diffuse Angst vor etwas oder das Gefühl, dich um etwas in deinem Alltag kümmern zu müssen - aber es nicht zu können. Lasse einmal deine Aufmerksamkeit ganz ruhig und entspannt, mit einer gewissen Neugier auf dieser Thematik ruhen und lasse die Gedanken, die sich darum drehen, bewusst an dich herantreten. Schreibe sie von mir aus auf. Und wenn du damit fertig bist, dann tue wieder etwas Ungewöhnliches:

Bitte das Wesen, was diesen Gedanken in dir denkt, sich zu zeigen. Wenn du Angst davor hast, wird es nicht gelingen. Denke daran, dass dieser Geist dein Haus ist und du der Gastgeber bist. Du hast nichts zu befürchten. Du lädst einfach alle zu dir an einen großen Tisch, im herzlichen Wunsch, sie alle kennenzulernen.


Warte ab, was passiert, nachdem du alle diese Wesen eingeladen hast. Mit einem weiten, neugierigen Herzen...

Du spürst wie erwähnt diese Angst. Vielleicht davor, etwas und jemanden zu verlieren oder einer Aufgabe nicht gewachsen zu sein. Ja, spüre sie - denn sie ist das, was jenes Gedankenwesen fühlt, was du gerade kennenlernen möchtest.

Und du spähst in die Dunkelheit, die den Tisch, an den du deine geistigen Gäste gebeten hast, umgibt. Und langsam, zögerlich nur, spürst du, dass sich etwas nähert. Ängstlich, vorsichtig, mit klopfendem Herzen. Nein - was du fühlst, ist in dir, gehört aber zu jenem Gdankenwesen, vergiss es nicht. Ihr seid nur empathisch miteinander verbunden. Also sei offen, im Herzen - wie ein guter Gastgeber, eben!

Vielleicht sprichst du im Geiste ein paar ermunternde Worte. Eventuell spürst du schon, dass das fühlende Wesen, was sich da nähert, wirklich nur Angst hat, aber dir nichts tun will. Du lädst es also wiederholt ein...

Plötzlich siehst du es, wie es sich aus der Dunkelheit löst und vorsichtig an den Tisch herantritt. Und mit ihm ein paar andere. Sie halten sich an den Händen und stehen ganz dicht an dicht. Klein sind sie, wie Kinder.

Nein - es sind wirklich Kinder! Viele. In schmutzigen, zerrissenen Kleidern. Mit nackten Füßen und ängstlich flackerndem Blick.

Sie sehen das Essen, was du ihnen auf den Tisch gestellt hast. Du musst wissen, diese ängstlichen kleinen Wesen sind immer hungrig. Warum, erzählen sie dir sicher, wenn sie ein wenig Vertrauen gewonnen haben. Also erlaube ihnen am besten, sich zu dir zu setzen und kräftig zuzulangen...

Da sitzen sie nun. Mit wippenden Füßen auf viel zu großen Stühlen. Ihre Nasen langen gerade Mal über den Tischrand. Im Prinzip siehst du nur ihre verfilzten Haarschöpfe und hast unwillkürlich das Bedürfnis, sie glattzustreichen. Oder ihnen die verschmierten Gesichter sauber zu wischen.

Und einige kleinere, noch jüngere Kinder, sitzen bei ihnen auf dem Schoß. Sie essen hastig, mit kindlichem Schmatzen und einem großen Appetit. Zwischendurch schicken Sie dir verstohlene Blicke.

Viele sind es. So viele...

Du schaust zu, wie sie essen. Und irgendwann fragst du dich, wo wohl ihre Eltern sind. Wer passt auf sie auf? Wieso sehen sie so verwahrlost aus? Warum müssen sie Angst haben? Und warum sind sie bei dir und haben mit dir gemeinsam Angst?

Später fällt dir auf, dass hinter den Stühlen, auf denen sie hocken, Halbwüchsige stehen. Sie lassen die Kleinen zuerst ihren Hunger stillen. Im Halbdunkel stehen sie. Und wenn du sie ansprichst, werden sie dir patzige Antworten geben.

Du spürst an ihrer Körperhaltung, dass sie denken, sie sind schon groß. Du ahnst, sie tragen die Verantwortung für die Kleinen - doch dafür sind sie eigentlich viel zu jung. Auch sie sind ohne Eltern. Wenn du eine Weile nachspürst, dann weißt du, dass sie sich überfordert fühlen. Doch das würden sie nie zugeben. Wenn du sie darauf ansprächest, würden sie dir mit Keile drohen. Letztlich haben auch sie Angst.

Sie bilden eine Schutzmauer zwischen den Kleinen und dem Schrecklichen, was nach ihnen kommt... Das merkst du daran, wie sie ihre Schultern recken, um sich größer zu machen.

Doch den Schrecklichen, die die Fäden im Hintergrund ziehen, die diese Kinder und Halbwüchsigen immer nach vorn schicken und die Drecksarbeit machen lassen - denen wenden wir uns heute noch nicht zu. Ein anderes Mal vielleicht. Erst musst du mit diesen verängstigten Kindern Freundschaft schließen. Und mit der Angst, die euch allen gemeinsam ist.

Indem du versuchst, diese kleinen Wesen zu fühlen und zu verstehen, verstehst du auch deine Angst.


Ja, stell dir vor, deine Gedanken der Angst wären alle diese Kinder.


Wie würdest du mit ihnen umgehen, wenn sie voller Angst vor dir stehen? Wenn sie nicht wissen was zu tun ist und vor Schrecken wild umeinander laufen oder gelähmt sind. Wenn sie verzweifelt Schutz suchen...

Würdest du ihnen das Wort verbieten? Sie wegjagen? Sie ignorieren? Sie hasserfüllt anschreien?
Würdest du?

Oder hättest du vielleicht, einen Moment lang, das Bedürfnis, deiner Betroffenheit Ausdruck zu geben? All diese Verwahrlosung - zeugt das nicht von großem Mangel und großem Schmerz? Und ist es nicht ungerecht, dass wieder die Kinder es sind, die am meisten leiden müssen?

Was wäre, wenn ich dir sage: Es steht in deiner Macht, jetzt und hier, alle diese kleinen, verwahrlosten Wesen von ihrer Not zu befreien?


Du hast wirklich die Macht dazu - und was du tun kannst, ist ganz einfach: Während sie da an deinem imaginären Tisch sitzen und ihren elementaren Hunger stillen, nimm sie bitte in dein Herz!

Bitte stell dir vor, wie du all ihre Not durch dein Herz einatmest und alle deine guten Wünsche für sie großzügig und lichtvoll ausatmest. Bitte übe das so lange, bis du spürst, dass alle Angst und Gefühle von Ohnmacht, Überforderung und Kummer verschwunden sind...


Damit endet sie, unsere kleine Reise zu deinen Gedanken der Angst. Und was, so wirst du vielleicht fragen, hatte dieses Experiment nochmal mit dem Fortschritt auf deinem eigenen Herzensweg zu tun? Das kann ich dir nicht sagen. Aber du wirst es wissen. Ein paar Tage später vielleicht, nachdem du dieses Experiment wirklich gewagt hast, die fühlenden Wesen, die deine Gedanken sind, kennenzulernen.

Ich verspreche dir, dass sich etwas bewegen wird. Etwas, an deiner Einstellung zu dir, zu deinen Problemen und deiner Angst, wird sich ganz sicher verändert haben! Und da es für dich wichtig ist, dies am eigenen Leib zu erfahren und nicht an mir ist, dir zu sagen, was die Lösung für deine Probleme ist, schweige ich hier.

Nur eins noch. War dies ein Experiment, oder Realität? Diese Kinder - meinst du, es gibt sie? In dieser anderen Dimension, mit der du dich in Gedanken verbunden hast? Und was ist wohl ihre Geschichte?

Wäre es nicht toll, dieses Experiment wäre real - und du hättest tatsächlich die Macht, ein jedes dieser kleinen Wesen zu befreien?

Wenn du glaubst, es ist real, dann nutze deine Macht des Herzens, bitte!

Wenn du glaubst, es sei nur ein Experiment, so hast du dennoch eine neue Perspektive gewonnen.


So hoffe ich.

So sei es!


 

Kommentare

  1. Ach Josephine, glaubst gar nicht...wie nah dein Text dem kommt, was gerade alles so in uns passiert. Versuche gerade denen die Angst zu nehmen, die da noch im Dunkeln sind. Die Kleinen. Liebe Grüsse. Frank

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    1. Doch, glaube ich.

      Schließlich ist keiner von uns eine Insel ...

      Und sie werden Vertrauen fassen - weil sie die Liebe spüren.

      Liebe Grüße in die Nacht,
      Josephine

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  2. Sehr schön herausgearbeitet! Ist es nicht so, dass sich die Gedanken wirklich wie Wesen aufführen? Sie wachsen, wenn wir es zulassen und können uns vollkommen vereinnahmen. Ich musste beim Lesen an Daskalos denken und seine Theorie der "Elementale", die ein Eigenleben führen und wie Geister sind. Und von Jesus wird immer berichtet, dass er Geister austrieb. Ich denke, damit sind eben jene negativen Gedanken gemeint, die uns so quälen können. Und wenn wir sie zu uns einladen, können wir sie ins Positive umwandeln, ihnen die Macht rauben...
    Liebe Grüße
    Anke

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    1. Ja, es gibt einige Theorien zu diesem Thema. Eine davon ist die von den Elementalen. Sicher könnte man beinahe von Geistern sprechen, ich nenne sie aber bewusst "fühlende Wesen", weil das Wort "Geist" immer so nahe an "Gespenst" ist - und damit mit einer gewissen Angst besetzten, abwertenden oder stigmatisierenden Wertung versehen. Vielleicht ist die Idee der Elementale oder Gedankenformen ein Versuch gewesen, dies relativ neutral und sachlich zu betrachten...

      Wenn ich meditiere, erscheinen Gedankenformen mir oft als Wesen mit eigenem Schicksal, das ihnen bestimmte Denk- und Verhaltensmuster eingeprägt hat. Und je nachdem, in welcher "Schwingung" oder in welchem von Gedanken begleiteten Gefühlen ich mich befinde und darin verweile, teile ich mit ihnen diese "Dimension" oder "geistige Welt".

      Wenn ich die Gedanken und Gefühle wieder loslasse, ändert sich auch die Schwingung und Frequenz und ich verlasse diese Dimension wieder. So nehme ich das wahr.

      Und du hast recht: Je mehr man sich mit diesen verschiedenen Dimensionen oder Frequenzen und ihren Bewohnern anfreundet - und sich auch im Loslassen übt, desto mehr verlieren Gedanken- und Gefühlszustände ihren Schrecken. Und ich sehe sie aufgrund meiner Empathie sowieso nicht als allein aus mir bedingt.

      Viele Grüße
      Josephine

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