Herzensräume öffnen

Offenen Herzens zu sein, hat einige Vorteile. Nicht nur, dass das Leben mit Herz mehr Tiefe und Intensität bringt. Nein - viel mehr noch - es lässt dich ganz und gar präsent und mittendrin sein, in dem, was du gerade tust. Du kannst bewusst gestalten und für dich und andere nützlich sein.

Warum ich dann nicht von Achtsamkeit und Gewahrsein spreche, wird jetzt vielleicht jemand denken. Das könnte ich auch, ich könnte über alles Mögliche sprechen. Überhaupt wäre ich in der Lage, vielleicht noch viel gewandter und fehlerfreier zu sprechen. Doch das alles ist nicht der wichtigste Punkt, auf den ich hinaus will: Hier geht es nicht darum, wie man es nennt, sondern wo es im eigenen Sein zu orten ist, wie man sich dort verankert und wie es sich auf alle Beteiligten auswirkt... egal wie man es nennt. Und dies wird meiner Meinung nach viel zu selten beschrieben. Daher versuche ich das heute einmal zu tun.

Alle Übung des Achtsamseins und der Vergegenwärtigung fusst auf nur einer Sache: Der zentrierten Verankerung in der eigenen Mitte. Diese liegt im Herzen, im geistigen Herzen auf Höhe des physischen Herzens (oder im Herzchakra). Um mich dort zu verankern kenne ich ein paar einfache Übungen, verbunden mit einem bestimmten Körperempfinden und einer speziellen Art der Wahrnehmung. Jahrelang habe ich dies trainiert: Ins Herz zu gehen. Und da ich diesen Mechanismus beherrsche, bin ich präsent und achtsam, sobald ich ihn vollzogen habe.

Im Herzen zu sein, bedeutet, klarer zu hören, deutlicher zu sehen, von einer angenehmen Wärme für mich und alles, was mir begegnet, erfüllt zu sein. Zugleich fühlt man sich inmitten eines ruhigen Raumes, der eindeutig der ganz eigene Ort im Moment - und dennoch verbunden mit allem ist, was mich umgibt. Dort hast du weniger Gedanken und spürst wirkliche Weite. Dir fallen Details auf und finden Würde. Und egal, was du in diesem Zustand und innerhalb dieses Raumes tust, ist intensiv, klar und unmissverständlich in dem, was sich zeigt und ergibt.

Die eigene,  alles durchdringende Herzenswärme ist dabei gegenwärtig, selbst wenn du mit starken Emotionen anderer oder Geschehnissen außerhalb deiner selbst verbunden bist. Und in der Ruhe dieses Raumes hat alles seinen Platz, ohne dass du dich überfordert, bedrängt oder überflüssig fühlst.

Jeder, der versucht, diesen eigenen Herzensraum zu öffnen und dies für ein, zwei Momente halten kann, wird dieses Empfinden, die Wahrnehmung und die Präsenz klar wiedererkennen können. Und aufgrund dieses eigenen Erlebens diese Raumes diesen auch stets wiederfinden.

Handle ich aus der Mitte meines Herzensraums heraus, fühle ich nicht nur mich einbezogen und als Lebensmittelpunkt und klar derjenige, der wahrnimmt und agiert - ich spüre und sehe auch, wie ich diesen Raum beeinflusse und gestalte. Je geübter ich werde, in diesem meinen Raum zu agieren, desto mehr lerne ich auch, ihn zu gestalten und zu beeinflussen.

Wir beeinflussen ständig unbewusst unsere Umgebung. Doch nur, wenn du ganz bewusst aus deinem Herzensraum heraus gestaltest, kannst du dir sicher sein, dies mit Liebe, in Freigebigkeit und auf heilsame Weise zu tun. Im Vertrauen, dass alle in diesem Raum sich befindlichen Wesen einbezogen werden. Und in diesem Herzensraum, der dein wahres Ich ist, bist du der- oder diejenige, die die Gestaltungsmacht hast. Und wenn du den guten Willen hast, ihn verantwortungsbewusst zu gestalten, wird daraus viel Gutes entstehen. Denn dort, in diesem Raum, existiert kein Ego.

Agierst du unbewusst, unachtsam, also mit geschlossenem Herzenraum und daher geschlossenen Herzen, spürst du sofort eine undurchdringliche Atmosphäre um dich, eine Enge, ein Gerangel von Interessen, von Einflüssen, ja, sogar Gedanken. Oder deine Umgebung erscheint dir unruhig und laut. In diesem Zustand des geschlossenen Herzens wirst du dich oft genervt, verärgert und unwillig fühlen. Und das willst weder du noch die anderen, die in deiner Nähe sind. Im Modus des geschlossenen Herzens ist immer dein Ego aktiv.

Seitdem ich gelernt habe, mich in meinen eigenen Herzensraum hinein zu entspannen, beobachte ich oft, wie auch andere sich entspannen und sich wohl fühlen. Wie sie mit der Resonanz meines Herzens mitgehen und sanft in den natürlichen Zustand ihres Seins hinüber gleiten.

Manchmal jedoch, wenn die mich umgebenden Wesen zu stark aus dem Gleichgewicht geraten und in einem schlechten Zustand sind, tritt die Entspannung und Herzensöffnung beim anderen nicht oder kaum ein. Dann beobachte ich bei mir oft den Wunsch, es ihnen leichter zu machen, damit sie sich doch noch entspannen und wohlfühlen können - einfach aus der inneren Gewissheit heraus, wie heilsam es für mich ist ist, offen und im Herzen zu sein. Dann wird der Austausch und das Miteinander für alle sehr bereichernd und inspirierend werden.

Mein Herz handelt inzwischen sehr eigenmächtig und tut ohne mein Reflektieren darüber etwas, was ich vom Tonglen (der Übung des Gebens und Nehmens) her kenne: Es stellt sich vor, alles Düstere und Belastende in sich selbst aufzunehmen und diesem Wesen stattdessen die Entspannung und Herzensöffnung zu wünschen. Das Herz versucht quasi von allein eine Balance zwischen mir und meinem Gegenüber zu schaffen. Und damit strukturiert und gestaltet es den Herzensraum, der in diesem Moment auch der Raum des Gegenübers ist. So einfach kann es sein, etwas Licht und Frieden zu bringen.

Und sei dir sicher: Jedes, jedes Herz will es eigentlich so. Daher ist es so wichtig, so fundamental, seinen geistigen Herzmuskel zu beherrschen und jederzeit ins Herz zu gehen und einen lichtvollen Raum für ein harmonisches Miteinander öffnen zu können: Weil Herz es will und dein Gegenüber es braucht. Weil du dein Herz vermisst, wenn es geschlossen ist, ebenso wie das Wesen dort in deiner Nähe. So wie du Kälte spürst, wenn die Wärme deines Herzens sich nicht veräußern kann, so fühlt es auch der andere.

Und sind wir nicht dankbar, wenn uns jemand in Herzlichkeit sprichwörtlich umarmt und uns daher zur Ruhe und Präsenz bringt? Wenn er uns unsere Unruhe, Verkrampftheit und Kopflastigkeit nimmt und uns im eigenen Herzen erdet? Warum sollten wir dies dann nicht zurückgeben, indem wir es für andere tun, wenn sie jetzt, in diesem gegenwärtigen Augenblick, dazu nicht in der Lage sind?

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