Das Herz will Zukunft

Hindernisse gab es wohl genug, auf meinen Weg. Wirklich fruchtbar für mich und den Weg werden sie in dem Moment, wo ich sie erkenne. Wo die Täuschung, die sie mir bereiten, offensichtlich wird. Und eine davon ist die, wegen dem, was noch nicht wirklich ist, die Zuversicht zu verlieren.

Ein jedes Herz will sich entfalten, möchte das, was es in sich trägt nach außen tragen und bereichern. Weil mein Leben jedoch so herzensleer war und oft noch ist, zweifle ich daran, dass sein Wollen eine Zukunft haben kann.
Kommt Dir das bekannt vor?

Nun, mein Lehrer, der mir einst Hoffnung gab, indem er mir den Dharma lehrte, verlieh mir einen Namen, als ich Zuflucht nahm. Und der erste Teil davon ist "Jampa" (Maitreya). Maitreya gilt als der zukünftige Buddha, der erscheint, wenn der Dharma auf der Erde in Vergessenheit geraten sein wird. Er ist der Buddha, der Buddha Shakyamuni einst den Vortritt ließ, im Zeigen der Buddhaschaft und lehren des Dharma in unseren Breiten. Sein Name bedeutet "Liebende Güte".

Wegen dieser Beziehung, die mir zu ihm mit diesem Namen entstand, fühle ich mich verpflichtet, in die Zukunft zu vertrauen. Mehr noch - ich gestatte mir nicht nur wieder und wieder, offen für die Zukunft zu sein, ich wünsche mir von Herzen Sein Kommen. Ihn, dessen Name für allumfassende Liebe steht, erhoffe ich mir jeden Tag, im Herzen meines Gegenübers. Ihn möchte ich spüren und wie er möchte ich sein. Und schon gar nicht mag ich warten - wer weiß wie lang? Darauf, dass er kommt, um mich zu retten - wer weiß schon, wann?

Das ist die Botschaft meines Herzens, wenn ich mich meiner spirituellen Herkunft erinnere und wenn ich bereit bin, das Wollen meines Herzens zu verstehen.

Hinderlich jedoch ist und war, dass mein Herz im Außen wenig Resonanz fand. Zu viele Menschen trauen sich einfach nicht, sich mehr zu wagen, als ihre Umgebung zu spiegeln vermag. Sie lassen sich durch das begrenzen und aufhalten, was im Hier und Jetzt ein Echo findet. Und Echo findet, das wirst du bestätigen, nur allzu oft der Schmerz.

Wir alle schwimmen mit, mit dem, was unsere äußeren Sinne täglich wahrnehmen, zwingen uns dazu, dies als die einzig mögliche Realität anzunehmen - und so tat ich es auch. Ich fand das Liebenwollen nicht beim anderen, ließ mich belehren, wenn um mich herum gesagt wurde: "So ist die Realität doch nicht. Es gibt so viel Leid auf der Welt und Ungerechtigkeit. Mord und Totschlag und Übervorteilung. Allerorten wird dem Guten nachgestellt und Hürden warten auf den, der versucht, reinen Herzens zu sein. Akzeptiere doch, das dies einfach nicht machbar ist und du dich schützen musst. Wenn du zu gut bist, wirst du immer das Nachsehen haben und der Verlierer sein."

Irgendetwas in mir sagte dazu immer schon "NEIN!" In unverrückbaren Großbuchstaben. Und sicher verdanke ich dies dem Segen Maitreyas und dem klaren Blick, den ich habe, wenn ich versuche, mir die Zukunft vorzustellen: Wenn ich heute das Gute, die Liebe, die allumfassende Güte nicht will, wie sollte ich morgen Maitreya erkennen? Wie sollte ich fähig sein, seine Schülerin zu sein, wenn ich seinen Anteil in mir nicht anerkenne? Wenn ich meinen innigsten Kern nicht leben lasse? Was in mir würde fähig sein, mit dem, was er Gutes bringt, in Resonanz zu gehen?

Zeiten der Erschöpfung, der Verausgabung sind es, in denen ich zweifle. Wenn mein Engagement, meine investierten Kräfte in etwas effektlos zu verpuffen scheinen und geschluckt werden von dem, was an Üblem Überfluss gewinnen will. Dann hadere ich, sehe mich einsam, auf verlorenen Posten. Diese Momente sind es, in denen ich beipflichten will, all jenen, die sagen: "Das Hier und Jetzt in all seiner Einschränkung muss ich akzeptieren."

Nun frage dich doch aber einmal, wie es kommt, dass Maitreya sein Kommen versprach, genau in dem Moment, wo keine Hoffnung mehr zu sein scheint? Wo die Menschen in einem Alter von zehn Jahren schon sterben? Innerlich, wohlbemerkt, in Herz und Geist schon tot sind und verbraucht? Warum will er gerade dann kommen, um die Waagschalen in eine andere Richtung auszutachieren? Tut er es vielleicht, weil er eine Chance sieht, alles für die geplagten Wesen zum Guten zu wenden?

Wie komme ich da dazu, meinem Herzen nicht ebenfalls die Kraft des Guten zuzutrauen, trotz allen Schmerzes und Schadens, der mir durch andere widerfährt? Verirrt, wie sie sind - genau wie ich?

Mein Dharmaname verpflichtet mich der Zukunft und wendet meinen Blick gen Osten, wo die Sonne morgen wieder aufgehen wird. Die Nacht im Rücken, vertraue ich darauf, dass es weiter geht. Und dass es letztlich allein von mir abhängt, ob ich den heraufdämmernden Tag leugne und daher die Augen verschließe, ebenso wie mein Herz - oder gewillt bin, die Zuversicht zu teilen, auf dass die anderen ebenfalls die Augen gen Osten öffnen, um die Morgenröte nicht zu verpassen!

Wenn du genau hinschaust, wird dir nämlich klar, dass die mangelnde Zuversicht nur daraus resultierst, dass du dein Tun und Lassen mit anderen vergleichst. Du hast ein hoffnungsvolles Ahnen im Herzen, eine enthusiastische Idee - und weil die anderen daran nicht glauben wollen, ziehst du dich schüchtern zurück. Du verharrst im Warten, dass ein anderer den ersten Schritt tue. Du magst dich nicht aus dem Fenster lehnen, wenn andere dies nicht auch tun.

Was aber, wenn nur du der- oder diejenige bist, die hier und jetzt, im unmittelbaren Augenblick, die Chance auf den nächsten Sonnenaufgang spürt, noch bevor er sich am Horizont zeigt? Was, wenn nur du in der Lage bist, den Blick der anderen gen Horizont zu rufen und ihre Herzen zu öffnen? Was, wenn nur du den Lichtstrahl Maitreyas, den er uns allen sendet, um uns aufzuwecken, in diesem Moment empfangen und weitertragen kannst?

Und was, wenn du das große Glück, das es bedeutet, Lieben zu wollen, in diesem Moment nicht teilst?

Was dann noch bleibt, ist nur eines. Nämlich die dunkle Atropie, die täglich deine Augen verschleiert und dich selbstmitleidig und selbstbezogen weinen lässt: Darum, dass die Welt, das Leben und unser aller Schicksal schlecht und verdorben ist.

Dann wird dein Herz sterben, noch bevor es richtig erwachsen geworden ist.

Genau das ist der Zeitpunkt, an dem Maitreya versprochen hat, zu erscheinen... Willst du ihn kommen sehen? Willst du spüren, wie er mit dir ist? Dann hebe deinen Blick zum Horizont, öffne dein Herz, und tue dann, was zu tun ist, um mit ihm zu sein!

Kommentare

  1. Hallo,
    ich glaube, ein Herz will Gegenwart! Ich für meinen Teil möchte mich nicht an die Zukunft hängen, denn dann geht es mir schlecht. Ich muß lernen, ganz und gar in der Gegenwart, im Hier und Jetzt, zu leben, mit allen Sinnen und Gefühlen. Mich selbst achtsam in jedem Moment wahrnehmen, auch mich wahrnehmen im Umgang mit meiner Umwelt und Mitmenschen, mich und mein Herz mit Liebe füllen, mich selbst lieben können und mir dann erlauben, geliebt zu werden. Wenn Du so mit Dir im Reinen bist, gefüllt mit Selbstliebe, kannst Du anderen Deine Liebe schenken, Du wirst sie ausstrahlen. Und der "Retter" ist in Dir...
    Lieben Gruß Noomi

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ja, nur wenn du fest in der Gegenwart stehst und sie annimmst, mit Licht und Schatten und darin stark bist, beides wahrzunehmen, beginnst du, an die Zukunft zu denken. Irgendwann ist es genug, gerettet werden zu wollen, weil du erkennst, dass du gerettet bist. Und dann? Dann wird es Zeit, nicht den Retter weiter machen zu lassen, sondern es ihm gleich zu tun. Das bedeutet, Verantwortung zu übernehmen und ihm gleich zu werden. Das bedeutet, an die fühlenden Wesen zu denken und das Nehmen durch das Geben von Hoffnung zu ersetzen. Das bedeutet, endlich ein Bodhisattva zu sein und die Schönheit des ewigen Übens, den Welpenschutz, aufzugeben. Darum geht es mir, in diesem Beitrag. Dann wird das eigene Leid nebensächlich und das Ego überstimmt. Alles Liebe für dich und vielen Dank, dass du geschrieben hast, Noomi!
      Herzlichst
      Josephine

      Löschen

Kommentar veröffentlichen

Schön, dass Du mir antworten möchtest! :-)

Beliebte Posts aus diesem Blog

Die Bedeutung des Fühlens

Bedeutung, Begeisterung, Selbstwirksamkeit

Schwarzes Rauschen - oder der Fluch der Dunkelheit