Selbstgrenzen und Horizonte

Inmitten der Wortlosigkeit vergangener Wochen, fand ich zu manchen Wünschen zurück. Bedürfnissen vielmehr - und der Einsicht in die Notwendigkeit anderer Umstände. Da hatte ich mich so sehr versucht darin, zu üben, das zu akzeptieren, was ist. Ich schalt mich das eine um`s andere Mal, als es mir nicht gelingen wollte. Unendlich lange hat es gedauert, zu erkennen, dass ich nicht akzeptieren kann, was eben meinem Herzen nach inakzeptabel ist.

Da ertappte ich mich wieder - bei meinem alten Laster, einfach weniger zu wollen, als mehr.

Immer noch geht es mir nicht leicht damit, dass weniger zu wollen nicht für alles die Lösung ist. Denn weniger wollen, also rigoroser Verzicht, kann schnell dahin gehen, dass ich selbst meine Grundlage vernachlässige, die Balance immer mehr einbüße und am Ende ganz ausgemergelt bin. Erschöpft. Verzicht muss weise sein und darf der Grundlage den Nährboden nicht entziehen.

Nun, ich tendiere dazu, mich selbst auszubeuten, als andere und mich selbst zu bescheiden, als vielleicht aus Versehen etwas zu wollen, was mir nicht zusteht. Innerhalb dieser Grenzen sterbe ich dann den langsamen und qualvollen Erstickungstod.

Daher erwarte ich nicht nur voller Vorfreude den Frühling (...schon ist er da :-)), sondern vor allem Frischluft.

Und die offene Weite gut sichtbarer Horizonte  - anstelle von Grenzen.

Ich nicht geübt darin, einzufordern, was ich für die Entfaltung meiner Grundlage brauche. Ich frage viel zu selten um Hilfe, will es selbst schaffen. Doch nicht, weil ich glaube, ich könnte dies, sondern weil ich zutiefst verinnerlicht habe, man sollte andere in Ruhe lassen und ihre Aufmerksamkeit nicht durch Äußern von Wünschen, die die Welt nicht braucht, auf sich zu ziehen. Von Wünschen, die was kosten könnten, die Arbeit machen, die zu erfüllen die Präsenz, Fürsorge und Zuwendung anderer an mich nötig macht. Irgendwie habe ich gelernt, dass dies stets Ärger bedeutet und nicht Hilfe.

Und nachts im Schlaf verfolgt mich dann die tiefe Sehnsucht nach genau dem: Präsenz, Fürsorge und Zuwendung anderer. Klar. Alles nicht verwunderlich: Weil es dumm und unmöglich ist, auf diese Verzicht zu üben.

Alles dies begrenzt mich sehr stark, der hausgemachte Mangel. Ich spüre sie deutlich und fühle den Widersinn zwischen innerer Weite und äußerer Enge. Zwischen der öfter introvertiert nach außen wirkenden Josephine und  dem selten sich zeigenden, nach außen strebenden, Raum greifenden Herzen.

Diese Begrenzung wahrzunehmen, fordert meine Aufmerksamkeit, meine Beobachtungsgabe, die die Verquickung von Prägung und im Herzen so anders gefühlten Person wahrnimmt. Die langsam über die Grenze der Prägung hinaus möchte, die alle Grenzen ausradieren und nur weite Horizonte atmen will.

Was im Geist möglich ist, kann auch umgesetzt werden. So die landläufige Behauptung. Ein Buddhist würde hinzu fügen: wenn auch die notwendigen äußeren Ursachen und Umstände zusammen kommen. Doch auf diese kann und muss man zugehen, sie eben manchmal einfordern. Und so stütze ich seufzend das Kinn in die Hand und schaue mir kopfschüttelnd dabei zu, wie mir eben das so schwer fällt. Wie mir manchmal sogar das Zutrauen in die Zukunft fehlt... wie ich aus Gewohnheit denke, ich darf keine Investitionen einfordern, also keine Schulden machen. In welcher Form auch immer. Denn dann kommt doch immer das dicke Ende... Der Ärger fällt auf mich zurück, wenn etwas nicht funktioniert. Der Ärger ist schon so oft da gewesen, wenn sich dies und das nicht ergeben hat, was ich dachte, erreichen zu können und zu wollen.

"Du hast doch aber gesagt, du willst dies und das tun!!!" tönt es dann. Oder gleich: "Warum hast du es nicht so gemacht, wie du gesagt hast?!!!". Nun, das kenne ich. Sollte ich mich allen Ernstes hinstellen und sagen: "Weil mir dies  dazu gefehlt hat und außerdem hätte es das noch gebraucht - und das habe ich nicht oder konnte ich nicht..." Und wie lautet dann die Antwort? Klar: "Hättest du doch einfach was gesagt, Mensch!"

Ja, hätte ich nur. Doch wie hätte ich Dir jemals sagen können, dass da etwas fehlt, allzu oft, was nicht zu kaufen, im Internet zu bestellen oder mit 50 Euro, einmal in die Hand gedrückt, erledigt ist? Wie drückt man aus, dass es so grundlegende Dinge sind, wie Wärme, Zuspruch, Ermunterung  - oder ein Brainstorming. Einfach der Dinge drei: Ein offenes Herz, offene Ohren und jede Menge Raum-Zeit?

Dies im Kopfkino vorwegnehmend, mach' ich gar nicht erst den Mund auf. Und meine Gewohnheiten ändern sich so nie.

So geht es denen, die am Rande groß werden: Sie trauen sich zeitlebens nicht, das einzufordern, was sie von Anfang an vermissen. Als spürten sie die uralte europäische Erbsünde: Du hast es nicht bekommen, weil du es nicht verdient hast! - Schlechtes Karma. Mund halten. Weiter machen.

Ich sitze also, nach dem Kopfschütteln leise das Kinn in die Hand gestützt - und betrachte all diese Kreisläufe, alle diese Endlosschlaufen, aus denen so schwer auszusteigen ist. Sehe zu, wie die Vergangenheit sich immer wieder im Hier und Jetzt Wohnung erschleicht. Heimlich, ohne mein Zutun. Wie das, was schon lang vergangen, doch so virulent wirksam ist, in meinem scheinbar selbstbestimmten Heute. Diese Schlaufen, wo man Vergangenheit und Gegenwart nur schwer unterscheiden kann. Die mit grenzenloser Geduld immer wieder durchmessen werden müssten, bis sie sich einfach von selbst de-materialisieren.

Doch wer, so begrenzt, kann sich etwas Grenzenloses vorstellen? Wessen Geduld reicht wirklich hinaus, über den Schmerz des endlosen, bewussten Umherkreisens? Nur der, der vertraut, dass sich auch dies irgendwann erschöpfen muss, irgendwann zum Ende kommt. Und sich dann eben doch die weiten Horizonte sehen... und beibehalten lassen.

Als Widder tendiere ich dazu, mit brachialer Gewalt vorgehen zu wollen. Doch wann immer ich die Grenzen des nach Kräften Machbaren in meinem Bestreben erreiche, stütze ich mein Kinn in Hand... und halte endlich inne.

Dann erinnere ich mich immer an die Kraft hingebungsvollen Wünschens: Wenn nichts geht, das  geht allemal.

Ich habe mir zur Gewohnheit gemacht, in die morgendliche Meditations- und Gebetspraxis klare Wünsche zu integrieren. Wünsche davon, wie ich auf meinem Weg voranschreiten will... Wünsche, was ich brauche - und warum... Wünsche, was ich anstrebe... Wünsche, wie ich über bestimmte Hindernisse hinauswachsen will... ganz konkret und bewusst in Verbindung mit meinem Alltag und meinem Leben. 

Und diese Wünsche tragen mich irgendwann hinaus... über Grenzen... hin zu den erträumten Horizonten... wie lange es auch dauern mag. Denn das schlimmste für mich wäre, das Vertrauen aufzugeben. Das Vertrauen in den Weg und die Lehre, die, die sie lehrten und die, die den Weg gehen. Ich vertraue dieser, meiner wirklichen Familie...

... und ich vertraue der Telepathie ;-)))

Denn auch, wenn ich mich oft nicht getraue, Menschen gegenüber einzufordern, woran es mir mangelt, so vertraue ich darauf, dass diese meine geistige Familie diese im Geiste gesprochenen Wünsche eben doch hört. Und ich vertraue, dass diese mit guter Motivation gesprochenen Wünsche sich dann erfüllen werden, wenn alle günstigen Umstände - sowohl innen, als auch außen - zusammen gekommen sind.

Im Vertrauen auf diese Familie, bitte ich...

Kommentare

  1. Es ist ja schon ein großer Schritt, sich seiner Wünsche bewusst zu werden! Das ist der Beginn auf dem Weg zu Veränderung! Ich hoffe, dass Du jeden Tag so beginnen kannst, dass Du in Deinem Geiste den richtigen Weg vorwegnimmst und ihm hoffentlich irgendwann auch im Alltag folgen kannst!

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  2. Manchmal..... nimmt einem das Universum vielleicht die Ernsthaftigkeit der geäußerten Wünsche nicht ab..... sondern verlangt zunächst als Beweis eine eigene Aktion, einen tatkräftigen Schritt... auf den geäußerten Wunsch zu....
    und vielleicht sogar ein "Opfer" ob man bereit ist zurückzulassen ..... was der Erfüllung des Wunsches im Wege steht.....

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  3. Mögest du echtes Glück und Frieden finden liebe Josephine, und deine Wünsche sich in dieser Form erfüllen. Falls ich etwas für dich tun kann, lass es mich wissen, ich bin nicht so gut in Telepathie.
    Winke in deinen Abend
    Elfe

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  4. Ihr Lieben alle- Anke, Tao und Elfe,

    zuerst kommt der Wunsch... dann ein Fingerzeig, eine Idee, was zu tun ist... dann eine Bestätigung meines Wollens durch mein aktives Tun... dann folgt äußere Bestätigung - dadurch, dass das gewünschte Ergebnis eintritt...
    Doch die Ursache ist für mich immer durch Wunschgebete gestütztes Wollen. Und das Vertrauen in die Inspiration, die ich in meinem Herzen finde, wenn ich spüre und lausche.

    Bei mir ist alles in Bewegung gekommen und ich bin dankbar für die sich abzeichnenden Ergebnisse und auch dankbar, dass ich Vertrauen genug habe, den inneren Herzenshinweisen zu folgen. DAS ist für mich Telepathie, liebe Elfe, die direkt von den Buddhas kommt, oder von dem Buddha der mein Herz, meine Buddhanatur ist ;-)...

    Vielleicht blogge ich bald mal wieder, wahrscheinlicher jedoch ist, dass ich in Zukunft hinter den Kulissen schreibe. Hoffentlich - wunschgebetet - sehr bald. Auch ein Herzenswunschprojekt von mir...

    Alles Liebe und Gute für Euch und auf bald...
    Herzlichst
    Josephine

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