Wandlungen


Seit 2006 schreibe ich nun hier und da Blog. Und in dieser Zeit habe ich mich oft gewandelt. So wurden einst liebe Plätze von mir irgendwann wieder aufgegeben, verlassen, hinter mir eingerissen, ausradiert. Und weiter ging die Reise.

Dieser Wandlungen dauern noch an, doch führten sie mich spiralenförmig nach innen, immer weiter hin zu meiner größten Sehnsucht: Mir selbst immer ähnlicher werden zu dürfen und abzustreifen, was mir an mir selbst fremdartig, oft Last gewesen ist und was ich nicht wusste, was es ist, aber was auch immer so oft in mein warmes, mildes Herz geschnitten hat.

Das Bild, was ich von mir selbst habe, wenn ich still in der Mitte meines Herzens Zuflucht finde, ist oft so anders als das, was ich noch glaube, mit Leben füllen zu müssen. Und der Weg meiner Wandlungen ist daher nicht nur ein Weg, auf dem ich mich ungewollter Masken und Rüstungen entledige, sondern auch der Weg hin zu etwas, was endlich natürlich und frei atmen darf.

Der Weg ist noch nicht zu Ende gegangen. Doch wieder einmal gestatte ich mir ein neues Zuhause, in dem das zu Teilen befreitere Ich neu SEIN kann.

Und da das Schreiben mich ruft, lade ich Euch ein, wieder einmal mehr Zeuge dieser Wandlungen zu werden. Ich teile. Und nehme freudig an, was das Echo mir zutragen mag.

Sehr oft beneidete ich diejenigen unter Euch schon, die ihrem angestammten Platz in der Blogwelt treu zu bleiben vermochten. Die sich selbst immer ähnlich bleiben konnten, die so etwas wie Identität fanden an dem, was sie gerade sind und niemals den Drang verspürten, auch durch Wechseln des Ortes sich selbst endlich ähnlich, wenn nicht gar gleich zu werden.

Mein Leben scheint mir da ein ständiges Häuten und manchmal dachte ich schon, dass dies doch irgendwann mal zu Ende gehen müsse. In letzter Zeit, in der ich mich meinem Herzen so nah fühle, wie nie, wenngleich ich noch nicht stabil in ihm verweile, da weiß ich sicher um das Unvermeidliche daran.

Eines jeden Weg hat seine eigenen Erfordernisse, seine eigenen Ursachen und Umstände, sein eigenes Potential. Und je mehr ich mein Herz bin, desto weniger Vergleiche im Außen sind mehr notwendig. Und desto mehr Ruhe und Geborgenheit finde ich in mir selbst und meinem Leben.

Für diejenigen, die mich vermissten, sei gesagt: Eine Zeit der Nicht-Identität mit irgendeinem Referenzobjekt - und sei es ein Blog - ist sehr heilsam. Oft genug halten wir doch Gewohnheiten aufrecht, weil unser Verstand schlussfolgert, es sei notwendig. Irgendwas, irgendwer, irgendwo verlange, dass wir weiter machten. Doch das Herz, wenn Du ihm lauschst, weiß wie nichts sonst in dieser Welt, um die Notwendigkeit und Natürlichkeit der Wandlungen.

Ich bin wohl bei denen, die mich schon viele Jahre begleiten - und das sind wenige! - berühmt für die Hartnäckigkeit und Konsequenz, mit der ich nach innen gehe, nach innen schaue und mein mutiges, manchmal stures Vertrauen in das eigene Herz. So ist es konsequent, den aus meinem Herzen drängenden Wandlungen zu folgen, mich weich und geduldig diesen von innen aufsteigenden Änderungen hinzugeben.

Und siehe da: Sie gestalten mich mehr und mehr zu dem, was ich gefühlt nicht nur bin, sondern wirklich auch sein möchte. Und sie löschen nach und nach jede Projektion und jedes Urteil mit sanfter Beständigkeit aus, die ich mir im Laufe des Lebens, die vorrangig eine Schule meines Verstandes war, diktatorisch mitgenommen habe.

Sanft und edel ist die Hand des Herzens, wenn sie all die schmerzhaften Zerrüttungen fortstreicht. Doch obwohl ich Frau bin, weiß ich viel zu wenig über all diese weiblichen Qualitäten und deren unfehlbare Heilswirkung. Bekümmert senke ich oft mein Haupt, wenn ich spüre, wie untreu ich mir gerade hier täglich sein muss, weil nun einmal der Verstand nichts Weibliches als lebenswert anerkennen will.

Mit den Wandlungen zu gehen und loszulassen, neue Orte, Mittel und Wege zu suchen, ist ganz und gar mein Herz. Und das ist weiblich, ist Dharmadhatu selbst. Nur verkenne ich es. Immer und Immer.

So ist die einzige Bewegung, die mich mir selbst ähnlicher und irgendwann gleich werden lässt, das mich sanfte Zurücknehmen in mein eigenes Herz. Und hier, an diesem Ort, findet diese Bewegung, wenn ich mag und teilen möchte, erneut Ausdruck und Sichtbarkeit. Hier seid ihr mir willkommen!

Kommentare

  1. Liebe Josephine,
    es ist schön, dass Du wieder da bist! Das Schreiben ist doch ein Teil von Dir, wie Du selbst festgestellt hast. Und ich lese gerne bei Dir!
    Liebe Grüße Anke

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