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Es werden Posts vom Oktober, 2011 angezeigt.

Bittere Geduld

Wie groß ist die Gefahr, dass du hasst, dass du vehement ablehnst, was da aus dir und deinem Leben erwachsen ist?
Hasst du es?

Ja. Oft.

Und mit der Entscheidung, es abzulehnen, mündet mein Leben in ein einziges Entkommen. Erstens muss es irgendwo da draußen jemanden geben, der Schuld hat an dem, was mir widerfahren ist. Zweitens ist es nicht annehmbar, dadurch mühe ich mich, etwas zu ändern.

Indes, es ist nicht zu ändern.

Und im Zwiespalt dieser Gefühle und Gedanken auszuharren, erfordert Geduld. Geduld mit dem, was aus mir erwachsen, was abhängig entstanden und zu dem geworden ist, was sagt, "Ich bin..." Und was ich schon so lange weiß, dass es nicht mein Herz ist.

Diese Geduld schmeckt bitter. Sie erfordert, stillen Gemütes mit der Kraft des liebenden Herzens immer wieder den Blick zu wenden. Hin zu dem, was ich nicht mag. All die komischen Eigenarten und Verhaltensmuster, die mich so absonderliche Wege zwingen. Und von denen ich sehenden Auges oft genug weiß, dass sie hi…

Phasenverschiebung

Wenn die innere Wahrnehmung dem Außen nicht entspricht, wenn also das, was ich zu sein im Herzen fühle, nicht kongruent zu der Person ist, die da nach außen etwas sagt oder tut, kann das sehr unangenehm sein.

So wird mir diese Tage wiederholt deutlich, wie dieses klare, enthusiastische, dennoch auch realistische Ich meines Herzens so vollkommen verdeckt wird, von der Person, die ich seit meiner Kindheit bin. Ja, irgendwie nehme ich mich selbst deutlich als das verlorene Kind wahr. Als agierte dieses, Tag für Tag. Nicht Ich.

Dies ist die Wahrheit, denn solange die Verhaltensmuster verweilen, mich wieder und wieder das gleiche angstvolle Spiel von Verstecken und Rückzug spielen lassen, um mich zu schützen, bin ich mir selbst fremd. Oder auch das Spiel des Auftrumpfens und Überspielens, des gewollten Selbstbewusstseins - auch dann bin ich mir fremd. Dann schaue ich in den Spiegel und finde mich selbst nicht wieder.

In der Variationsbreite dieses gespielten Verhaltens changiere ich also, …

Mein Herz ist alt

Mein Herz ist alt. Ich spüre das, wenn ich mich ihm zuwende. Wenn ich ablassen kann von manchmal kindlichem, oft kindischem Dafürhalten, Notwendigkeiten und Beschaffenheiten meiner selbst und des Lebens betreffend. Dieses Ich, was ich zu dieser Physis zähle, ist geprägt von Angst, Scham und Schuld, geprägt von Verspannungen und einem eingezogenen Kopf. Noch stehen der junge Verstand dieses Lebens und dieses alte Herz in mir einander paradox und unverträglich gegenüber. Doch die Entscheidung, dem Alter Respekt zu erweisen, traf ich schon früher. So vieles, vor dem ich verkrampft den Kopf einziehe, ist, mit Herzen besehen, so vollkommen umsonst. Und das, was mein Herz sieht, ist so viel großflächiger, allumfassender und nachhaltiger.Im angespannten Ich dieses Lebens hebe ich den Kopf nicht heraus, aus den alltäglichen Belastungen. Plötzlich sehe ich mich nach Dingen greifen, die für uns in Deutschland so notwendig und erstrebenswert scheinen. Es geistern Vorstellungen durch meinen Kopf,…

Wandlungen

Seit 2006 schreibe ich nun hier und da Blog. Und in dieser Zeit habe ich mich oft gewandelt. So wurden einst liebe Plätze von mir irgendwann wieder aufgegeben, verlassen, hinter mir eingerissen, ausradiert. Und weiter ging die Reise.

Dieser Wandlungen dauern noch an, doch führten sie mich spiralenförmig nach innen, immer weiter hin zu meiner größten Sehnsucht: Mir selbst immer ähnlicher werden zu dürfen und abzustreifen, was mir an mir selbst fremdartig, oft Last gewesen ist und was ich nicht wusste, was es ist, aber was auch immer so oft in mein warmes, mildes Herz geschnitten hat.

Das Bild, was ich von mir selbst habe, wenn ich still in der Mitte meines Herzens Zuflucht finde, ist oft so anders als das, was ich noch glaube, mit Leben füllen zu müssen. Und der Weg meiner Wandlungen ist daher nicht nur ein Weg, auf dem ich mich ungewollter Masken und Rüstungen entledige, sondern auch der Weg hin zu etwas, was endlich natürlich und frei atmen darf.

Der Weg ist noch nicht zu Ende ge…